DIE POLITISCHE SEITE

Juli/August 2009

 

Auswirkungen der Gender-Ideologie
von Rosemarie Stresemann, Berlin

 

Vor einiger Zeit kam ich mit einem Mann an einer Imbissbude ins Gespräch über Opernmusik, die er sich gerade lautstark anhörte. Dabei erzählte er mir etwas über seine Schwiegermutter, die solche Musik gar nicht mögen würde und dann redete er immer von "meinem Bräutigam", der seine Vorlieben teilen würde. Nach dem Gespräch fragte ich erst einmal meine Freundin, ob ich das richtig verstanden hatte mit "dem Bräutigam" und dann fiel uns beiden auf, dass dieser Mann wohl in einer homosexuellen Lebenspartnerschaft leben würde. Durch dieses Erlebnis wurde mir bewusst, auf welchem Weg durch Sprache ein neues Denken in unsere Gesellschaft hinein gebracht wird: Es geschieht durch die Umdeutung von Begriffen. Die Wörter: Ehe, heiraten, Familie, Geschlecht und Ehepartner, haben längst ihre Eindeutigkeit verloren. Im Stern antwortete bei einem Zukunftsinterview ein Teenager: "Wenn ich bis 28 keinen Mann geheiratet habe, heirate ich meine Freundin." Es gibt keine klaren Aussagen mehr, keine klare Definition mehr für Ehe und Familie - alles ist möglich.
Unbemerkt von den meisten Bürgern wird so über neue Begriffe oder die Umdeutung vorhandener Begriffe eine neue Ideologie (Denk- und Wertvorstellung) in die Gesellschaft hineingebracht, die letztendlich das Bild Gottes, das sich in der Unterschiedlichkeit von Mann und Frau widerspiegelt, zerstört. Mann und Frau soll es als Unterscheidung gar nicht mehr geben. Viele Schritte sind auf diesem Weg schon gegangen worden, die darauf abzielen, die biblischen Vorstellungen von Mann und Frau, Ehe und Familie völlig zu zerstören.

Stufe eins: Der Begriff Gender

Das Englische unterscheidet sprachlich zwischen "sex", dem biologischen Geschlecht (Geschlechtsmerkmale & körperliche Funktionen) und "gender" [Aussprache: dschender], dem sozialen Geschlecht. Mit Gender (Siehe auch Politische Seite Dez 2007/Jan 2008 Gender-Mainstreaming -was ist das?) sind die gesellschaftlichen Geschlechterrollen gemeint, die Vorstellungen und Erwartungen, wie Frauen und Männer sind bzw. sein sollten. Der Begriff umfasst jedoch nicht nur die zwei Kategorien, sondern eine Vielfalt von Geschlechtern (Transgender). Geschlechterrollen können sich im Lauf der Zeit ändern und innerhalb und zwischen den Kulturen unterschiedlich sein (http://www.lustaufgender.ch/index.php?page=10.10).
Gender - dies ist ein sehr schillernder, unklarer Begriff, der im Anfang von Feministinnen gebraucht wurde, um mit dieser Trennung von biologischer Anatomie und Rolle ihre Forderungen nach Veränderung zu unterstützen. Aber genau diese Unklarheit ist gewollt, damit unter diesem Begriff weit reichende gesellschaftliche Veränderungen möglich würden. Es gibt inzwischen an vielen Universitäten so genannte "Gender" Studienangebote. Auch in der Politik hat dieser Begriff Einzug gehalten. Anfangs ging es noch darum, Forderungen nach einer Gleichstellung der Frau mit dem Mann durchzusetzen.
Es gibt inzwischen in allen Behörden Gender-Beauftragte, die alle Maßnahmen darauf prüfen sollen, ob Frauen benachteiligt werden. Auch wenn alle den gleichen Begriff verwenden, ist damit noch nicht gesagt, dass alle den gleichen Inhalt meinen. Die feine Unterscheidung zwischen "sex" und "gender" hat jedoch weit reichende Konsequenzen. Sie ermöglicht nämlich die Wahl, was ich "geschlechtlich" sein möchte, ganz egal, ob ich das biologisch bin oder nicht. Mann und Frau sind nach einer radikalen Gender-Theorie nicht mehr der Wille Gottes in ihren Unterschieden, sondern die Unterschiede sind einfach eine soziale Konstruktion, die durch die Verwendung des Begriffs "gender" überwunden werden kann. Eine Bandleaderin, die als lesbische Frau mit einer Transsexuellen zusammenlebt, drückte die Botschaft der Gender-Ideologen in einem Zeitungsinterview folgendermaßen aus: "Es geht nicht darum, sich auf äußerliche Unterschiede zu konzentrieren, sondern dein eigenes Geschlecht zu entwerfen." (Beth Ditto in Berliner Zeitung vom 20./21. Mai 2009 Seite 31)

Stufe zwei: Veränderung des Rechts

Die Gesetze ermächtigen den Staat, das Geschlecht einer Person festzulegen. Deswegen ist das Ziel der Gender-Ideologen, das Recht des Staates, eine bestimmte Definition bezüglich Geschlecht, Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung durchzusetzen, abzuschaffen. Jeder soll die Möglichkeit haben, sein "gender" selbst zu konstruieren (Zeitschrift der Offensive Junger Christen (OJC) Salzkorn Nr. 24, S. 243).
Der Begriff "gender" kommt nun der Homosexuellenbewegung entgegen als willkommene Möglichkeit, ihre eigenen Forderungen nach rechtlicher Gleichstellung durchzusetzen. Homosexuelle führen dafür noch neue Begriffe ein:
Homophobie
Am 18.1.2006 wurde im EU Parlament ein Antrag angenommen, der den Titel hatte: Entschließung des Europäischen Parlaments zur Homophobie in Europa. Dort wird Homophobie definiert als: "Vorurteilen basierende irrationale Furcht vor und Abneigung gegen Homosexualität und Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transsexuelle, ähnlich wie Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus oder Sexismus"
Die Gleichstellung von Homophobie mit Antisemitismus und Rassismus wird inzwischen auch von Politikern in unserem eigenen Land (z.B. Volker Beck) vorgenommenen. Das ist eine Ungeheuerlichkeit, wenn man sich einmal ansieht, was dieses Wort bedeutet und wo es her kommt.
Es wurde 1966 von einem amerikanischen homosexuellen Psychotherapeuten erfunden, um eine Begründung für ein ablehnendes Verhalten von heterosexuellen Männern gegenüber Homosexuellen zu konstruieren. In der psychologischen Sprache sind Phobien krankhafte, zwanghafte und völlig überzogene Ängste. Die sich in Bürgerrechtsbewegungen organisierenden Lesben und Schwulen haben den Begriff Homophobie sehr schnell übernommen, um damit jegliche Ablehnung homosexuellen Verhaltens, aus welchem Grund auch immer, zu bezeichnen. Das bedeutet im Klartext: Jeder Bürger, der aus welchen Gründen auch immer, Homosexualität ablehnt, hat eine Homophobie. Homosexuelle sehen sich gegenüber Heterosexuellen in der Opferrolle. Deswegen stellen sie die Ablehnung ihrer Lebensweise mit Rassismus und Antisemitismus gleich. Die Täter, gegen die es gesetzliche Maßnahmen einzuleiten gilt, sind all jene, die Homosexualität nicht akzeptieren. Homosexualität ist auf diese Weise kein ethisch bewertbares Verhalten mehr, sondern durch Gleichstellung der Homophobie mit Rassismus und Antisemitismus wird Homosexualität als ein unveränderbares Merkmal eines Menschen deklariert. Nach dieser "Logik" ist also jede Äußerung oder Handlung, durch die diese Lüge der Unveränderbarkeit in Frage gestellt würde, eine Diskriminierung. Im Artikel 13 des Vertrages über die Europäische Union wurde nach erfolgreicher Lobbyarbeit der Homo- Bi- und Transsexuellenbewegung das Prinzip der Antidiskriminierung auf die sexuelle Orientierung angewandt.
Heterosexismus
Das nächste neue Wort "Heterosexismus" wurde bald erfunden. Es dient wie der Begriff Homophobie dazu, die Homosexuellen als Opfer zu beschreiben. Sie sind Opfer einer Denk- und Wertvorstellung der Heterosexuellen - also einer Ideologie. Da diese Wertvorstellung den Homosexuellen nicht den gleichen Rechtsraum gewährt wie den Heterosexuellen, werden sie also ihrer Meinung nach unterdrückt. Eine andere Wertvorstellung und eine andere Denkweise gegenüber Homosexualität ist also eine unterdrückende und gefährliche Ideologie. Das ist der "Heterosexismus" und er wird ebenso gleichgestellt mit Rassismus und Antisemitismus.
Fazit: Es gibt inzwischen eine neue Ideologie, deren Denk- und Wertvorstellung die völlige Ablösung des Menschen aus seinen schöpfungsmäßigen und gottgegebenen biologischen Bedingungen bezweckt. Sie hat nicht nur unter den Homosexuellen Anhänger gefunden, sondern verbreitet sich besonders über die Gender-Studiengänge und politischen Instanzen.
In der Logik dieses Denkgebäudes wird jeder ethische Gedanke bezüglich gelebter Sexualität verworfen und als Diskriminierung betrachtet. Ungleiches wird als gleich erklärt und Strafandrohungen in der EU durchgesetzt, um jeglichen Widerspruch zu unterdrücken.

Das Werkzeug: Antidiskriminierungsgesetze
In der Entschließung des Europäischen Parlaments zu "Homophobie in Europa" von 2006 heißt es: "Mit Hinweis auf Art. 13 des Vertrages über die Gründung der Europäischen Gemeinschaft wird der Gemeinschaft die Möglichkeit eingeräumt, Normen zur Bekämpfung von Diskriminierungen, u.a. aus Gründen der sexuellen Ausrichtung, zu beschließen und den Grundsatz der Gleichheit zu fördern."
Es wird in dieser Entschließung von allen Ländern, die der EU angehören, gefordert, dass sie

In England sieht das Gesetz eine Haftstrafe für Leute vor, die eine "Atmosphäre oder ein Klima" erzeugen, das Hass aufgrund von sexueller Ausrichtung fördert. Ähnliche Gesetze gibt es bereits in Kanada und Frankreich. Was erzeugt aber nun ein Klima von Hass? Wenn es nach der Interpretation der Homosexuellenverbände geht, dann gehört das Aussprechen biblischer Aussagen über Homosexualität dazu.
Homosexuellenideologen behaupten, es sei unmöglich, die homosexuelle Neigung zu verändern. Ihre Meinung aber darf nicht in Frage gestellt werden. Auf der einen Seite vertreten Sie das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung im Sinne der Gender-Ideologie - auf der anderen Seite verweigern sie aber das Recht für einen Homosexuellen, sich Richtung Heterosexualität zu verändern. Weder dürfen Angebote in dieser Richtung gemacht werden, noch irgendwelche seelsorgerlichen Hilfen angeboten werden. Wir stehen kurz davor, dass es dieser Lobby gelingt, per Gesetz verbieten zu lassen, dass Menschen sich in dieser Richtung öffentlich äußern. Die Antidiskriminierungsrichtlinien der EU bilden die Grundlage dafür, den rechtlichen Rahmen für Homosexuelle immer weiter auszudehnen und für Christen zu beschneiden. Wer etwas anderes zu denken wagt, als es in den Rahmen der Homosexuellenideologie hinein passt, diskriminiert. Damit kann man jede andere Meinungsäußerung kriminalisieren.
Gleichzeitig fällt niemandem die Unlogik dieser Denkweise auf. Auf der einen Seite wird das Geschlecht als eine Konstruktion angesehen und dafür gekämpft, dass alles als beliebig leb- und veränderbar angesehen wird - auf der anderen Seite wird aber eine selbstgewählte Veränderung hin zur Heterosexualität ausgeschlossen und vehement bekämpft. Ein Widerspruch in der Argumentation!

Rechtsangriff auf die Ehe
Die in Deutschland durch das Grundgesetz staatlich besonders geschützte Ehe ist in den Augen der Homosexuellen eine besondere Form des Heterosexismus und wird von ihnen scharf bekämpft. Tatsächlich ist es den Homosexuellen schon gelungen, das Monopol der heterosexuellen Ehe als die alleinige Rechtsform für Lebenspartnerschaften aufzubrechen. Dem Ziel, eine völlige Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit der Ehe durchzusetzen, sind die Homosexuellen in Europa schon sehr nahe gekommen.
Am 14.1.2009 wurde im Europäischen Parlament eine Entschließung zur Lage der Grundrechte in der EU mit großer Mehrheit angenommen, die unter anderem auf eine Gleichbehandlung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit der Ehe abzielen. Dort heißt es im Punkt 77: Das Europäische Parlament fordert die Mitgliedstaaten, die dies noch nicht getan haben, auf, den Grundsatz der Gleichheit anzuwenden und gesetzgeberisch tätig zu werden, um Diskriminierung von Paaren aus Gründen der sexuellen Orientierung der Partner zu beseitigen. Das bedeutet im Klartext: Falls diese Entschließung in EU-Recht umgesetzt wird, darf die Ehe vom Gesetzgeber nicht mehr von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften unterschieden werden. Ehe und Familie würden damit ihren besonderen Status verlieren, der in Deutschland z.Zt. grundgesetzlich geschützt wird.
Und zum 60. Geburtstag der Verkündigung des Grundgesetzes forderte nun Justizministerin Zypries (SPD) am 22.5.09, die sogenannten "Homo-Ehen" unter den Schutz des Grundgesetzes zu stellen. Ihre Begründung: "Weil Lebenspartner nicht weniger Respekt und rechtliche Anerkennung verdienen als Ehepartner, sollte hier das Grundgesetz ergänzt und neben der Ehe auch die eingetragenen Partnerschaft geschützt werden." Frau Zypries erweist sich damit als Sprachrohr des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD), der seit einiger Zeit vehement eine Änderung des Grundgesetzes fordert.

Berlin als Vorreiter
Durch die Umsetzung der EU-Richtlinie 2000/78/EG im Beamtenrecht hat Berlin bereits eine Vorreiterrolle in Bezug auf die Förderung der Gleichstellung von eingetragener Lebenspartnerschaft und Ehe eingenommen. Diese Rolle soll jetzt weiter ausgebaut werden. Die Mittel, die dabei eingesetzt werden, geben Hinweise darauf, was wir bald in der ganzen Bundesrepublik erfahren werden.
Am 2. April wurde im Berliner Abgeordnetenhaus von allen Parteien (!!) ein Antrag der Antrag der SPD Fraktion und der Fraktion DIE LINKE angenommen mit dem Titel:
" Initiative "Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt".
Schon im Namen des Programms wird deutlich, um was es geht: Nicht mehr Toleranz ist das Ziel, sondern Akzeptanz. Berlin hat mit dieser Initiative ein ausgefeiltes Programm erarbeitet, wie diese Akzeptanz auch in der Bevölkerung durchgesetzt werden soll. In dieser Initiative wird ausdrücklich Folgendes beschlossen (die Unterstreichungen sind meine Hinzufügungen):
"Berlin wird sich auch zukünftig im Bundesrat und in öffentlichen Debatten deutlich vernehmbar dafür einsetzen, dass […], die Gleichstellung tatsächlich vollzogen und Diskriminierungen wirksam entgegengetreten wird. In gleicher Weise wird Berlin aktiv, wenn es darum geht, andere Belange von LSBTTI zu vertreten, etwa bei der Modernisierung des Personenstands- und Namensrechts.
Die Rehabilitierung und Entschädigung der nach §175 StGB verurteilten Menschen in beiden deutschen Staaten ist längst überfällig. Der progressive Weg in die Zukunft kann nur dann nachhaltige Wirkungen auf das gesellschaftliche Klima zeitigen, wenn auch mit den dunklen Seiten der Vergangenheit und ihren bleibenden Wirkungen in der Gegenwart aufgeräumt wird."
Bedauernd wird vermerkt: "Im Bundesmaßstab sieht die bisherige Bilanz deutlich anders aus. Der Bundesgesetzgeber hat sich - anders als andere EU-Mitgliedstaaten - nicht zu einem Konzept der Institutsausweitung der Ehe entschlossen, sondern ein neues Institut geschaffen. Nach und nach wird jetzt in mühsamen Einzelschritten der Weg der Angleichung gegangen, gegen nach wie vor beachtliche Widerstände vor allem des konservativen gesellschaftlichen und politischen Spektrums. Auch die europäischen Maßnahmen zur Antidiskriminierung werden in Deutschland verzögert, verhindert und unterlaufen." (Initiative S. 18). Wie soll das Ziel einer Akzeptanz nun erreicht werden?

1. Durch Umerziehung
Schlüssel für jegliche Durchsetzung einer Ideologie ist immer Bildung und Erziehung, insbesondere die Jugendarbeit. Wer die Köpfe der nächsten Generation erreicht, hat eine bleibende Saat gesät. Damit auch nichts dabei ausgelassen wird, werden nun verpflichtende Weiterbildungen für die "Berliner Lehrkräfte, Pädagoginnen und Pädagogen sowie (Schul-) psychologinnen und -psychologen, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Erzieherinnen und Erzieher, in der Landesverwaltung und bei freien Trägern in adäquater Form zu den Themen Diversity und "Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt" (a.a.O. S.2) angeordnet. Für Jugendhilfe und Schule sollen verantwortliche Schlüsselpersonen geschult werden. Die Ausbildung soll von freien Einrichtungen der Lesben- und Schwulenorganisationen durchgeführt werden. In der Initiative wird das verschleiernd so ausgedrückt: "Dies muss in Kooperation mit den qualifizierten Einrichtungen freier Träger geschehen, die über Erfahrungen und nachgewiesene Expertise in diesem Bereich verfügen und die hierfür gestärkt werden müssen." (a.a.O. S.2). Stärkung bedeutet, dass im Haushalt mehr Finanzen dafür eingestellt werden! Alle Bürger müssen also noch dafür mit ihren Steuern bezahlen, dass sie und ihre Kinder umerzogen werden sollen!
In der pädagogischen Ausbildung an den Universitäten soll "Umgang mit sexueller Vielfalt" verbindliches Thema werden. Maßnahmen sollen ergriffen werden, damit das Thema nicht länger "randständig" bleibt. Für Kontrolle wird bei diesem und den folgenden Themen vielfältig gesorgt: Dem Senat ist schon zum Ende 2009 über die Umsetzung und den Erfolg der Maßnahmen zu berichten, desgleichen dann im Jahr darauf. Jede Maßnahme wird unter Evaluationszwang gestellt, denn man will ja sicher gehen, dass diese Initiative erfolgreich ist.
Alle pädagogischen Einrichtungen sollen mit "zielgruppenspezifischem Informationsmaterial" zum Thema "sexuelle Vielfalt" versorgt werden ( natürlich auch aus Steuergeldern).An den Schulen muss ein Ansprechpartner mit "entsprechender Qualifikation" zur Verfügung stehen, dessen Aufgabe auch in der Überwachung der Kollegen/innen besteht Es heißt nämlich wörtlich " Sie soll auch darauf achten, dass AV 27 im Rahmen der Schulpraxis Beachtung findet." AV 27 ist eine weit reichende Vorschrift, wie an der Schule der Umgang mit sexueller Vielfalt zu lehren ist. Da die Lehrer/innen diese bis jetzt weitgehend ignoriert haben, muss nun Druck und Kontrolle aufgebaut werden! Es soll außerdem geprüft werden, "inwieweit der Umgang mit sexueller Vielfalt zum verbindlichen Gegenstand des Schulprofils gemacht werden kann." Bei der Schulinspektion soll dann die Schulaufsicht darauf achten, ob diese Umsetzung auch gelungen ist.

2. Durch finanziellen Druck
Wenn mit öffentlichen Mitteln Projekte finanziell unterstützt werden, ist darauf hinzuwirken, dass die Projekte[…], die Akzeptanz sexueller und geschlechtliche Vielfalt im Fokus ihrer Arbeit qualifiziert und nachweisbar verfolgen. Dies gilt nicht nur für "klassische" Jugend-, Bildungs- und Sportprojekte… Im Rahmen der Förderung von Jugendarbeit muss ein besonderer Fokus auf die geschlechterreflektierende Arbeit vor allem mit Jungen gelegt werden. Es sind Standards zu entwickeln, auf die die Empfängerinnen und Empfänger von öffentlichen Fördermitteln im Rahmen der Mittelvergabe verpflichtet werden. Es ist ein Qualitätsmanagement zu entwickeln, welches es ermöglicht, die Einhaltung und Berücksichtigung der Ziele der Akzeptanzförderung sexueller Vielfalt zu kontrollieren (a.a.O. S. 5). Damit wäre die Grundlage gelegt, christlichen Einrichtungen öffentliche Unterstützung zu entziehen, denn noch einmal: die Förderung von Akzeptanz ist nicht zu vergleichen mit der Förderung von Toleranz.

3. Durch Ausnutzung aller Möglichkeiten der Beeinflussung
Von den öffentlichen Vertreterinnen und Vertretern des Landes Berlin wird erwartet, dass sie in der Öffentlichkeit "deutliche Zeichen" für das Erfordernis von Akzeptanz der sexuellen Vielfalt setzen: "Der Senat von Berlin und das Abgeordnetenhaus sind in der Pflicht, mit gutem Beispiel voranzugehen, indem sie diese Botschaft bei jeder geeigneten Gelegenheit im städtischen bis hin zum internationalen Rahmen nachdrücklich öffentlich vertreten." Der Senat von Berlin soll für die "Entwicklung einer gemeinsamen gesamtstädtischen Akzeptanzkampagne" werben. Dabei soll das gemeinsame Bekenntnis zu einer Wertschätzung von Vielfalt öffentlichkeitswirksam zum Ausdruck gebracht werden." Berlin hat schon seit längerer Zeit eine Landesstelle für Gleichbehandlung - gegen Diskriminierung (LADS) eingerichtet, das unter anderem die "Förderung der Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Lebensweisen und den Abbau von Vorurteilen" zur Aufgabe hat.
Aber obwohl durch diese Landesstelle schon sehr viele Projekte und Initiativen gefördert werden, um das Klima in den Bezirken zu Gunsten sexueller Vielfalt zu verändern, wird dennoch beklagt, dass diese noch nicht den gewünschten Erfolg gehabt haben. "Angesichts des Ausmaßes der Ablehnung" werden daher alle Anstrengungen verstärkt. Obwohl man zugibt: "Akzeptanz lässt sich nicht anordnen" - wird sie dennoch angeordnet und versucht, mit Druck zu erzwingen.

4. Durch öffentliche Abstrafung bei Nichtakzeptanz
Die Verwaltung Berlins soll dafür sensibilisiert werden, "jegliche Form der Diskriminierung und Ausgrenzung, der Nichtakzeptanz sexueller Vielfalt, in öffentlich erkennbarer Weise zu ächten". Welche moderne Form von Pranger dafür gefunden wird, bleibt der Fantasie des Lesers überlassen. Im öffentlichen Dienst soll auch überlegt werden, ob man einen besonderen Einstellungskorridor für die Menschen aus der Gruppe der sogenannten LSBTTI einrichtet = Lesben,Schwule,Bisexuelle,Transsexuelle, Transgenders und Intersexuelle.
Fazit:
Akzeptanz ist nicht das gleiche wie Toleranz. Toleranz ist eine grundlegende Haltung gegenüber Menschen, die andere Ansichten haben. Deswegen muss man aber ihre Ansichten noch lange nicht akzeptieren (auf Deutsch: annehmen). So kann mit "Toleranz" eine Haltung beschrieben werden, dass zwar eine Person bzw. Personengruppe nicht mit einer bestimmten Meinung übereinstimmt, diese aber dennoch duldet.
Nach der Gender-Ideologie muss Homosexualität akzeptiert werden.
Toleranz reicht nicht und ist kein erwünschtes Ziel.
Jede Ideologie, sei es der Kommunismus oder der Nationalsozialismus, versucht immer ihr Denken der nächsten Generation aufzupressen. Je jünger ein Mensch ist, desto weniger kann er sich dagegen wehren.
Die demokratische Staatsform sollte eigentlich den Bürger davor bewahren, unter ideologischem Zwang leben zu müssen. Nach der Erfahrung des Faschismus hat der Parlamentarische Rat vor 60 Jahren daher ein Grundgesetz ausgearbeitet, das den Bürger davor schützen sollte, noch einmal Opfer einer totalitären Ideologie zu werden und in einem Staat leben zu müssen, der ihm gewaltsam vorschreibt, wie er zu denken habe. Zur Zeit erleben wir nun aber, dass die Gender-Ideologen den demokratischen Staat gebrauchen und mit Staatsmitteln versuchen, ihre totalitären Ziele durchzubringen. Grundlegende Rechte, wie z.B. Artikel 4 GG,1 "Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiöen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich", sowie die Meinungsfreiheit (Art. 5 GG,1) und die Freiheit der Wissenschaft, Forschung und Lehre (Art. 5 GG,2) werden von den Gender-Ideologen Andersdenkenden nicht mehr zugestanden. Dagegen erhebt sich nun Widerstand.

Kampf um die Freiheit der Meinungsäußerung

Der Kampf um die Freiheit der Meinungsäußerung ist seit dem letzten Jahr voll entbrannt. Es begann im Herbst 2007: Die Grazer Universitätsklinik für Psychiatrie hielt einen Kongress zum Thema "Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie" ab. Dort sollte es unter vielen anderen Workshops auch zwei Angebote von Markus Hoffmann geben, dem Leiter des christlichen Vereins Wüstenstrom. Er wollte über Erfahrungen in der Begleitung von Menschen berichten, die unter ich-dystoner Sexualorientierung leiden. Dazu gehören alle Menschen, die mit ihrer sexuellen Orientierung oder Präferenz nicht klar kommen. Er wollte daneben sein Seelsorgeprogramm "Aufbruch Leben" vorstellen, welche das Ziel verfolgt, die Identität von Frau- und Mannsein zu fördern. Die Arbeit des Vereins Wüstenstrom richtet sich unter anderem auch an Menschen, die für sich persönlich einen Ausweg aus gelebter Homosexualität suchen. Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) erreichte mit einer medialen Hetzkampagne, dass dieser Workshop abgesagt wurde. Dem Verein wurde unterstellt, dass er Homosexuelle unter Druck setzen würde, sich "heilen" zu lassen. Als es im Jahr 2008 auf dem Christival einen Workshop des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft (DIJG) zum Thema "Homosexualität verstehen - Chancen der Veränderung" geben sollte, wurde durch eine groß angelegte Medienkampagne und 27 Fragen der Bundestagfraktion Bündnis 90/Die Grünen an die Bundesregierung über christliche Gruppen und deren Verhältnis zur Homosexualität, erreicht, dass auch dieser Workshop nicht stattfand. Das DIJG zog ihn zurück. Die Situation spitzte sich dennoch so zu, dass zwei andere Workshops, einer zum Thema "Sexueller Missbrauch an Jungen" (Wüstenstrom) und ein anderer zu den psychischen Folgen von Abtreibung (AMSEL) nur unter massivem Polizeischutz stattfinden konnten.

Angriff auf die Evangelikalen

Seitdem nahm der Druck auf Referenten von Wüstenstrom und DIJG massiv zu und entwickelte sich zu einer Kampagne gegen die Evangelikalen. Vom 20.-24. Mai 2009 fand in der Stadthalle und Universität von Marburg der 6. internationale Kongress für Psychotherapie und Seelsorge statt. Er wollte christlichen Seelsorgern und Therapeuten aller Konfessionen eine Gesprächsplattform bieten. Zu dem Oberthema "Identität" waren auch Referenten von Wüstenstrom und DIJG eingeladen. In einem offenen Brief an den Oberbürgermeister der Stadt, sowie den Präsidenten der Universität Marburg forderte im April nun wiederum Volker Beck von den Grünen und der LSVD, diese Referenten auszuladen. Nachdem den Forderungen nicht nachgegeben wurde, wurde der politische Druck täglich erhöht. Es wurde ein Aktionsbündnis "Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus" begründet, dem die bereits erhobene Forderung, die Seminarveranstaltungen mehrerer Referenten abzusetzen, schnell nicht mehr ausreichend war.
Das Aktionsbündnis dazu in einer Pressemitteilung: "Dem Bündnis 'Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus' ist das zu wenig. Unser Protest richtet sich explizit gegen den Kongress als ganzen. Nicht drei Seminare oder ReferentInnen sind das Problem, sondern die homophobe Grundausrichtung der evangelikalen Bewegung. Statt religiös-fundamentalistischen Positionen eine Bühne zu bieten, sollten Stadt und Universität sich für Gleichberechtigung und die Bekämpfung von Homophobie einsetzen." "Homophobie" sei "menschenverachtendes" Denken - und habe als solches "in einer Universität und anderen öffentlichen Räumen nichts verloren". Homosexualität sei "weder krankhaft, noch einer Therapie zugänglich". Der wissenschaftliche Mainstream habe das schon vor 30 Jahren erkannt - "die Evangelikalen offenbar immer noch nicht.", erklärte Nebenberg, die Sprecherin des Bündnisses. Dieses Aktionsbündnis wurde von über 55 Gruppen unterstützt. Ihm gehörten neben Lesben- und Schwulenorganisationen, Antifa-Gruppen, AStAs und Fachschaften verschiedener Universitäten auch Gruppierungen des DGB und der Partei DIE LINKE an. In dem "konservativen" Weltbild der heterosexuellen Ehe" sah das Bündnis ein Problem für Homosexuelle, weil ein "heterosexistisches" Umfeld ein "freies Ausleben homosexueller Neigungen stark erschwere", so die Aktion, die damit die Zielsetzung rechtfertigt, den Kongress zu verhindern. Das Bündnis dazu: "Wir wollen den Kongress in seiner Gesamtheit verhindern und ihn als Symbol einer rechtskonservativen Meinungsmache bekämpfen." Kongressgegner beschmierten Häuser, Schilder und Schaukästen evangelikaler Einrichtungen mit ihren Parolen und diffamierenden Äußerungen zu Religion. Es kam zu Sachbeschädigungen. Im Flugblatt hieß es weiter: "Evangelikale sind eine rückwärtsgerichtete Strömung innerhalb des Protestantismus, die sich durch fundamentalistische Bibelauslegung, Absolutheits- und Missionierungsanspruch auszeichnet und die nach gesellschaftlichem Einfluss streben." Solche Behauptungen finden sich auch in dem Buch "Mission Gottesreich-Fundamentalistische Christen auf dem Vormarsch" von zwei ARD-Journalisten, die dafür plädieren, evangelikale Institutionen zu verbieten und zu verhindern, dass sie sich öffentlich äußern können. Die Forderungen des Aktionsbündnisses lagen daher auf der gleichen Linie: Es geht darum, eine unbequeme Meinung zum Schweigen zu bringen.
Prof. Dr. Thomas Schirrmacher, Rektor des Martin Bucer Seminars, schreibt dazu:
"Verfolgung religiöser Minderheiten (wie von Minderheiten überhaupt) beginnt weltweit mit Desinformation, geht dann in konkrete Diskriminierung über und endet mit konkreter Verfolgung. Die Autoren betreiben die Desinformation bereits im großen Stil und fordern unverblümt die Diskriminierung im großen Stil (Evangelikale sollten keine Medien, keine Politikerkontakte, keine Veröffentlichungsmöglichkeiten haben, ihnen sollten Gemeinnützigkeit und Unterstützung aus Steuergeldern entzogen werden, ihre Schule sollten strenger reglementiert werden usw.) Solch weitgreifende Beschränkungen hat in Deutschland schon lange keiner mehr gegen eine Religionsgemeinschaft gefordert." Die Publizistin Gabriele Kuby meint: "Wer in Wahrheit diskriminiert wird, sie nicht die Homosexuellen, sondern jene, die das sittliche Fundament erhalten wollen, auf denen allein die Gesellschaft, die Familie und das Christentum bestehen können."

Christen werden politisch aktiv

Mit einer öffentlichen Erklärung traten mehr als 370 Bürger und eine Vielzahl namhafter Personen am 20. April 2009 an die Öffentlichkeit und forderten, dem Druck auf den Marburger Kongress nicht nachzugeben. Die Unterzeichner der Initiative "Für Freiheit und Selbstbestimmung" sahen in der Aktion gegen den Kongress und seine Referenten einen Angriff auf Grundfreiheiten. Eine der Erstunterzeichnerinnen, die Publizistin Gabriele Kuby, hatte sich auch mit einem offenen Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Marburg gewandt und ihn darin bestärkt, sich nicht dem Druck auf den Kongress zu beugen. Die Erklärung war ein wichtiges Signal, dass Bürger ihre Grundrechte verteidigen. Sie stärkte die Politiker der Stadt, die sich für den Kongress einsetzten- bewirkte auf der anderen Seite aber auch weitere Kontroversen.
Fazit: Es ist allerhöchste Zeit aufzuwachen, um dieser Ideologie zu widersprechen und den totalitären Ansprüchen auch politisch entgegenzutreten. Dietrich Bonhoeffer lehrt uns: "Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine christlichen Haltungen." Wir müssen Gott bestürmen, dass er sein Licht und seine Wahrheit sendet und dieses lügenhafte Denknetz, das über ganz Europa ausgespannt wurde, und auf dem Weg ist, die ganze Welt einzuspinnen, zerreißt. Wir sollten, so weit wir dazu in der Lage sind, Politiker kontaktieren und ihnen helfen, diese neue Ideologie zu durchschauen. Wir müssen uns dagegen wehren, dass Meinungsfreiheit in einem demokratischen Staat nicht mehr möglich sein soll. Es geht um die nächste Generation und die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft!

GEBET

Rosemarie Stresemann, Berlin
r-stresemann@versanet.de