DIE POLITISCHE SEITE

November/Dezember 2006

Die Integration des Islam in Deutschland

Liebe Leser,

es tut mir aufrichtig leid, dass mir auch dieses Thema zur Doppelnummer geraten ist. Als ich mich fragte, warum, wurde mir bewusst, dass durch die Doppelnummern mein Anspruch an die Qualität der „Politischen Seite“ so gewachsen ist, dass es mir fragwürdig erschiene, weniger gute Information zu bieten. Dazu kommt, dass genau diese aus vielen Quellen zusammengetragene Information im Echo der Leser immer wieder lobend hervorgehoben wird. So habe ich mich eben auch in dieser Ausgabe bemüht, die komplexe Problematik der Integration der Moslem in die deutsche bzw. europäische Zivilgesellschaften von verschiedenen Seiten her zu beleuchten. In dem Abschnitt HINTERGRÜNDE liegt mir daran, der allgemeinen Isalm-Panik bis hin zur No-Future-Stimmung ein Wort des Glaubens entgegen zu setzen, das dann wie von selbst ins GEBET übergeht.

INFORMATION

1. Die Islamkonferenz

Vielleicht wird der 27. September 2006 einmal in die Geschichte eingehen. Manche jedenfalls nannten ihn jetzt schon „historisch“. An diesem Tag nämlich trat zum 1. Mal die von Innenminister Wolfgang Schäuble einberufene „Islam-Konferenz“ in Berlin zusammen. Schloss Charlottenburg, die Residenz der toleranten Preußenkönige, sollte den symbolträchtigen Rahmen für dieses 1. Treffen einer Konferenz sein, deren Arbeit sich über 2-3 Jahre erstrecken wird und an deren Ende das Ziel steht, die Grundlagen für eine verbesserte Integration der muslimischen Bevölkerung in Deutschland zu schaffen. Eingeladen waren auf deutscher Seite Vertreter des deutschen Staates von verschiedenen Ebenen.

Zur muslimischen Seite muss man sagen, dass es keinen Dachverband gibt, der dem Staat ein Gegenüber sein könne und dessen Spitzen für die Muslime in Deutschland sprechen könnte ähnlich wie Bischof Karl Lehmann für die Kath. Kirche und Bischof Wolfgang Huber für die Ev. Kirche. Es gibt z.Zt. in Deutschland 16 Verbände, denen sich unterschiedlich viele örtliche Moscheenvereine zugeordnet haben. Die Vertreter der größten Verbände waren eingeladen. Wichtig ist aber zu wissen, dass sich von den ca. 3,5 Mio. Moslem nur 10-15% einem Moscheeverein angeschlossen haben und damit durch ihren Verband vertreten werde, weitere 10-15% gehen gelegentlich in eine Moschee, 70% aber üben ihren Glauben nicht aktiv aus („Kulturmoslem“). Die Vertreter der Verbände sprechen somit also höchstens für 10-15% der in Deutschland lebenden moslemischen Bevölkerung.

Anwesend der Vorsitzendes des Islamrates . Vertreten auch die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs , die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Ebenso anwesend der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland , der deutsche und persische Muslime vertritt. Nur Türken vertritt die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB), die vom „Amt für religiöse Angelegenheiten“ aus der Türkei gelenkt wird. Nicht zu vergessen war auch der Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde in Deutschland war dabei, einer sehr offenen und freundlichen Gemeinschaft, die aber von konservativen Muslimen nicht anerkannt wird.

Von diesen gab es aber vor allem Proteste, dass zur Konferenz auch säkulare Moslem eingeladen wurden, z.B. Seyran Artes, die sich als Anwältin für die Rechte muslimischer Frauen etwa gegen Zwangsheirat oder Ehrenmorde einsetzt. Auch die Autorin Necla Kelek, der deutsch-türkische Autor Feridun Zaimoglu und der SPD-Lokalpolitiker Badr Mohammed. Diese alle sind Moslem, die aber z.T. dem Islam sehr kritisch gegenüberstehen oder mindestens deren Repräsentanten. Mit Bedacht hat Minister Schäuble die islamische Seite so zusammengesetzt, denn zwei Dinge erreichte er damit:

(1) Nach der 3-stündigen Sitzung stellte man fest, dass die Vertreter der muslimischen Seite sich mehr untereinander unterhalten und auseinander gesetzt hatten als mit der der deutschen Seite. Es wurde daher nicht nur konfrontativ: Muslime contra Staat diskutiert. (2) Der Islam wurde sich seiner eigenen theologischen und organisatorischen Problematik bewusst und muss daraus Schlüsse ziehen: (a) es geht nur weiter mit Toleranz mit Andersdenkenden; (b) der Islam in solcher Zersplitterung kann eigentlich politisch nichts erreichen. Wolfgang Schäuble hat versucht, aus den Erfahrungen der europäischen Nachbarn zu lernen.

2. Die europäischen Nachbarn

Frankreich hat mit 5 Mio. Moslem die größte islamische Bevölkerungsgruppe in Europa. Im Jahr 2002 initiierte der Staat den Zentralrat der Muslime , um endlich ein Gegenüber zu haben. Dieser aber verbraucht seither alle Energie für interne Kämpfe. Vor allem aber hat er als Kunstgebilde „von oben“ nur geringe Akzeptanz an der Basis. Es ist dieselbe Erfahrung der internen Konflikte wie in Berlin, nur hat Schäuble eben nur eine Konferenz eingeladen und nicht ein Leitungsgremium verordnet, das so nicht funktionieren kann.

Was die Vorstadtkrawalle im Oktober 2005 angeht, so ist nachgewiesen, dass diese keine politischen oder religiösen Ursachen hatten, sondern eher Ausdruck einer deklassierten, perspektivlosen und verwahrlosten Jugend waren. Integration hat etwas mit Arbeitsplätzen zu tun. Und diese soziale Integration ist nicht gelungen.

Großbritannien : Kein europäisches Land hat sich solch einem multikulturellen Schmusekurs hingegeben wie Großbritannien, Kopftücher überall; moslemische Feiertage werden im Unterricht gefeiert; multikulturelle Vielfalt zu preisen, ist Staatsräson; ohne Widerspruch wurde die Gründung eines muslimischen Parlaments geduldet und als 1997 der Muslim Council of Britain gegründet wurde, war man seitens der Regierung des Lobes voll, endlich ein Gegenüber zu haben – ohne die Doppelzüngigkeit zu durchschauen; nach außen freundlich, nach innen Hasspredigten; und als der MBC Einwände erhob gegen ein geplantes Verbot von Zwangsehen, zog man die Vorlage alsbald zurück; inzwischen sitzt im Außenministerium sogar offiziell ein junger Muslim als „Berater für islamische Angelegenheiten“, der bei bestimmten Entscheidungen mitspricht. (Die 1. palästinensische Suizidbomberin pries er 2002 als „Vorbild für jede Muslimin“).

In den 90ger Jahren griff die Radikalisierung der jungen Muslime um sich. Tausende machten sich auf den Weg nach Afghanistan und Pakistan, um sich in Trainingslagern auf den Heiligen Krieg vorzubereiten in „Londonistan“. Es ereigneten sich die furchtbaren U-Bahn und Bus Anschläge. Und dann kamen die gerade noch verhinderten Anschläge, bei denen man mit Flüssigsprengstoff 12 Flugzeuge auf dem Weg von England nach USA über amerikanischen Großstädten vom Himmel holen wollte. Geplant von jungen Männern der 3. Generation. MCB distanzierte sich nur halbherzig.

Allmählich begreift die Labour Regierung von Tony Blair, dass sie beim Dialog mit den Muslimen beim MBC auf die Falschen gesetzt haben. Im vergangenen Sommer entstand der „Sufi Muslim Council“. Er steht im Gegensatz zu dem „politischen Islam“ des MCB für einen „spirituellen Islam“ und möchte der „schweigenden Mehrheit der moderaten Muslime“ eine Stimme verleihen. Die Regierung reagierte erleichtert.

In Österreich wurde schon 1912 nach der Einverleibung von Bosnien-Herzegowina in das k.u.k. Reich per Gesetz der Islam staatlich anerkannt. Dies war die Voraussetzung dafür, dass nach der Einwanderung der Gastarbeiter 1979 der Islam den Status einer Körperschaft öffentlichen Rechts erhielt. Der österreichische Staat schuf damals eine „Islamische Glaubensgemeinschaft“. Ihr kann jeder Moslem als Mitglied beitreten für einen Beitrag von jährlich 43.- Euro und damit aktiv und passiv an Wahlen der Gemeinschaft teilnehmen. Einzelpersonen leiten den Verein, die Moscheengemeinden sind nur mit beratender Stimme dabei. Der Einfluss der Moscheengemeinden wird durch diese Konstruktion entscheidend gemindert. So verantwortet die Gemeinschaft auch den Religionsunterricht, setzt die Lehrpläne fest und bestimmt die Imame. Das Ganze funktioniert ziemlich geräuschlos.

Holland hat eine recht eigenwillige und rührige Integrationsministerin Rita Verdouk: Sie hat es durch Zuschusspolitik in Millionenhöhe erreicht, dass sich einzelne Hochschulen und Universitäten für Studiengänge zur theologischen Ausbildung von Imamen geöffnet haben und mehrjährige Ausbildungen zum Batchelor anbieten. Mittelfristig will Holland keine Imame mehr ins Land lassen, die eine nichtholländische Ausbildung haben. Die Lehrpläne werden zusammen erstellt.

Der Mord an dem Filmemacher Theo van Gogh hat Holland zutiefst umgewandelt: von einem liberalen zu einem restriktiveren Staat.

Die Säkularisierung der Muslime in Europa bereitet vielen holländischen Moscheenvereinen große Sorgen. Der Islam ist für alle Moslem zwar ein wichtiges Identitätsmerkmal, aber der Großteil von ihnen praktiziert den Glauben nicht mehr. Zwischen 1998 und 2002 ging der regelmäßige Besuch der Gebetshäuser von 44% auf 35% zurück. Betroffen sind vor allem die jüngeren und gut Ausgebildeten.

3. Felder der Fremdheit

Seit den Terroranschlägen vom 11.9.2001 (in Amerika 9/11) ist die Zeit der spielerischen Begegnung des Westens mit dem Islam, die Zeit von Multi-Kulti, derer sich besonders die politische Linke erfreute, zu Ende. Der Westen erwachte, die USA erklärten dem Terrorismus den offenen Kampf, was weltweit zur Einschränkung bisheriger Bürgerrechte und zu dem Krieg in Afghanistan (2001) und gegen den Irak (2003) führte. Die Weltordnung verschob sich. Das Wort vom „Kampf der Kulturen“ (Samuel Huntington) begann die Runde zu machen. Man realisierte plötzlich auch innenpolitisch, wie viele Moslems schon eingewandert waren und z.T. schon in der 2. und 3. Generation hier Heimat gefunden hatten d.h. mit Pass als Einheimische ausgewiesen waren. Die Frage der Integration der Moslem in die westliche Kultur brach mit großer Dringlichkeit auf und vollends als bekannt wurde, dass die Anschläge auf 12 englische Flugzeuge im Frühjahr 2006 von jungen Muslimen der 3. Generation mit englischem Pass geplant waren. Der Terror war damit im Herzen der westlichen Länder angekommen.

Über die unbegreiflichen Terrorakte islamistischer Aktivisten stieß die Bevölkerung der westlichen Länder erstmals existenziell auf die Frage: Was ist eigentlich Islam? Politiker, die Ev. Kirche (weithin) und die islamischen Theologen versicherten, der Islam sei eine friedliebende Religion und diese Terroristen, die Unschuldige in ihrem Fanatismus in den Tod rissen, stünden außerhalb der Lehre des Islam.

Dem standen aber gegenüber – und das wurde eben jetzt bekannt gemacht – Dutzende von Koranzitaten, die die Unterdrückung oder gar Tötung der Ungläubigen verlangte im Zeichen einer als „Heiliger Krieg“ (Dschihad) gefeierten Welteroberung. Es wurde erinnert an die blutige Eroberungsgeschichte der Expansion des Islam. Und vor allem waren es immer neue, dem westlichen Verständnis unerklärliche Vorgänge, die ein Gefühl tiefer Fremdheit zwischen Bürgern und Bürgern erzeugte.

Überblickt man diese Vorgänge seit der Jahrtausendwende, so lassen sie sich in 4 Felder der Fremdheit gruppieren:

3.1. Stellung der Frau

Der Kopftuch-Streit brach auf an den Prozessen, die eine junge Lehrerin in Baden-Württemberg gegen die Schulbehörde führte, die ihr untersagt hatte, im Unterricht ein Kopftuch zu tragen. Es entbrannte daraufhin eine Diskussion in den Medien und in der Bevölkerung.

Der Europäische Gerichtshof in Straßburg hat der Türkei ausdrücklich erlaubt, in öffentlichen Einrichtungen – und dazu gehören die Schulen – ein rigides Kopftuch- Verbot durchzusetzen. Wenn dies in einem islamischen Land zulässig ist, kann es doch in einem christlich geprägten nicht von vorneherein falsch sein (so Bundestagspräsident Norbert Lammert).

Es folgten Berichte in den Illustrierten über Zwangsheiraten mit minderjährigen Mädchen, gegen ihren Willen, was nach deutschem Recht dem Straftatbestand der Nötigung gleichkommt.

Und vollends entsetzte man sich über eine Religion, die es erlaubte, dass um die „ Ehre der Familie “ zu retten, ein jüngerer Bruder seine Schwester ermordete, die aus ihrer erzwungenen Ehe ausgebrochen war, (Fall der Hatun Sürücü).

Grundgesetz Art. 3(1): Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. (3) Niemand darf wegen seines Geschlecht, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauung benachteiligt oder bevorzugt werden.

3.2. Freiheit

Im Februar 2006 veröffentlichte die dänische Zeitung „Jyllands Posten“ Karikaturen über Mohammed. Als die dänische Regierung mit Hinweis auf die Freiheit der Presse nicht bereit war, dagegen vorzugehen, bereisten dänische islamische Geistliche einige islamische Länder, wo sie diese, aber auch weitere, nicht veröffentlichte Karikaturen über Mohammed zeigten. Und wie auf Kommando erhob sich die islamische Welt von Indonesien bis Marokko im flammenden Protest, Kirchen wurden abgefackelt und in Nigeria Christen getötet. Die Welt war entsetzt und man reagierte zwischen Entschuldigen und trotzigem So-Nicht. Pressefreiheit?

Grundgesetz Art. 5(1): „Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

Mitte September setzte die Intendantin der Deutschen Oper in Berlin die Inszenierung der Mozart-Oper „Idomeneo“ freiwillig vom Spielplan ab, nachdem die Nachrichtendienste sie vor möglichen Anschlägen gewarnt hatten, da in dem Stück am Ende der Held Idomeneo die abgeschlagenen Köpfe von Poseidon, Jesus, Buddha und Mohammed herein trägt. Politik und die Welt der Kunst missbilligten diese Absetzung als einen Akt vorlaufender Vorsicht mit scharfen Worten. Freiheit der Kunst?

Grundgesetz Art. 5(3): Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.

Am 12. September 2006 hielt Papst Benedikt XVI. seine Vorlesung in Regensburg über die Vernunft des Glaubens. Verpackt in ein Zitat aus dem Mittelalter kritisierte er darin den Islam als eine Religion, die Gewalt per Prinzip erlaube zur Ausbreitung des Glaubens. Alsbald erhob sich wiederum die islamische Welt, Kirchen wurden abgebrannt und in Somalia wurde eine italienische Ordensschwester, eine Wohltäterin der Somalis auf offener Straße erschossen. Der Papst gab eine Privataudienz für die Botschafter der islamischen Länder im Vatikan und versicherte, dass das Zitat nicht seine persönliche Meinung wiedergebe und er hohen Respekt vor dem Islam habe. Der Papst wich zurück vor dem Druck der Straße der islamischen Länder. Meinungsfreiheit? Auch bei Kritik?

Grundgesetz Art. 5(1): Jeder hat das Recht seine Meinung in Wort, Schrift oder Bild frei zu äußern und zu verbreiten.

Durch diese globalen Hyperreaktionen kam plötzlich auch die Situation der Christen in den moslemischen Ländern ins Licht der Öffentlichkeit. Von da aus wurde auch das Recht auf Asyl um des Glaubens willen bzw. der Bedrohung in den Heimatländern plastisch in seiner Bedeutung. Diese Bedrohung betrifft insbesondere Konvertiten, die vom islamischen zum christlichen Glauben übertreten. Ein Religionswechsel ist auch in Deutschland für einen Moslem eine persönlich hoch riskante Sache. Freiheit der Religion?

Grundgesetz Art. 4(1): Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. (2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

All diesen Bestimmungen des deutschen Grundgesetzes liegt die gegenteilige Erfahrung der Jahre des Nationalsozialismus zugrunde. Die Freiheit wurde als etwas Kostbares, Unverzichtbares erfahren. Es ist Aufgabe der deutschen Gesellschaft bzw. der deutschen Politik, dieses Erbe in dieser kulturgeschichtlich neuen Situation gegenüber dem Islam zu bewähren. Bewährung heißt, dies der Subkultur gegenüber auch staatlich einzufordern.

3.3. Gewalt

Europa kennt heute in den Verfassungen aller Länder – zwar in recht unterschiedlicher Ausprägung – die Trennung von Staat und Kirche, von Politik und Religion. Es war ein Jahrhunderte dauerndes Ringen – von Karls des Großen Kaiserkrönung 800 n. Chr. in Rom bis zur Entthronung des deutschen Kaiser Wilhelm II. nach dem 1. Weltkrieg 1918, der bis dahin auch oberstes Haupt der Evangelischen Kirche war.

Diese Trennung ist geistlich sehr sinnvoll, da Jesus ausdrücklich diese Trennung konstatierte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“. Das unsichtbare Reich manifestiert sich nicht in einem bestimmten Staat oder einer Staatsform (Monarchie oder Demokratie), sondern im Volk der Gläubigen, in der Gemeinde/Kirche. Diese wirkt ein auf die Gesellschaft, wie Salz auf die Speise. Aber immer, wenn die Kirche eine Staatsform anstrebte d.h. die Herrschaft im sichtbaren Staat übernehmen wollte, ging es schief: „Der Gottesstaat“ / „Civitas dei“ von Augustin bis Calvin oder den Täufern in Münster. Beispiel wäre auch das Papsttum über viele Jahrhunderte, aber auch das Bischofsamt des Landesherren in den Ev. Kirchen seit der Reformation.

Ganz anders der Islam. Für Mohammed geht es um die Eroberung der Welt im Sinn von politischer Herrschaft für den Glauben an Allah. Insofern ist die Durchsetzung des Glaubens in der Welt identisch mit der Übernahme politischer Herrschaft in der Welt.

Die Durchsetzung der Herrschaft Allahs geschieht durch Kampf, durch den Dschihad. Dieser kann alle Facetten haben: vom wissenschaftlichen Diskurs mit dem Papst, über die angepeilte Eroberung Europas durch eine höhere Geburtenrate, bis hin zu Verfolgung und Tötung der Christen in den eigenen Ländern.

Da dieser Kampf im Koran ganz klar verlangt wird, können junge Männer unter diesem Gesamtkonzept motiviert werden, sich als „Gotteskrieger“ ausbilden zu lassen und sich als lebende Bomben dem Feind entgegen zu werfen.

Auch wenn islamische Theologen mit Koranzitaten belegen, dass der Islam eine friedliche Religion sei und diese ideologisierten jungen Männer sich außerhalb des Islam befänden, so sieht man doch, wie genau diese sich treffsicher auch mit Koranzitaten auf dem Bekennervideo zu Wort melden und ihr Tun rechtfertigen. Der Islam begegnet in Europa der Herausforderung der Trennung von Staat und Religion und der Verurteilung der Begründung von Gewalt durch Religion. Es wird 1-2 Generationen brauchen, bis der Islam in Europa diese Veränderungen in seinem Selbstverständnis vollzogen haben wird. Ob es ihm gelingt, wird von der Standhaftigkeit der europäischen Zivilgesellschaften und ihrer Politiker abhängen.

3.4. Israel

Der deutsche Islam muss sich auch damit auseinandersetzen, dass in diesem Land seit 60 Jahren eine Politik pro Israel gemacht wird. Von der Briefmarke (zum 40jährigen Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen) bis zum Einsatz der Bundeswehr („zum Schutz für das Lebensrecht Israels“) ist dies bis heute spürbar.

In diesem Sinn wird Deutschland immer auch auf die europäische Politik Einfluss nehmen, was auf Grund der Bedeutung unseres Landes durchaus Auswirkungen hat.

So war es Angela Merkel, die sofort nach der Wahl der Hamas im Januar 2006 in Palästina umgehend die 3 Forderungen festlegte, unter denen allein eine Fortzahlung der europäischen Gelder erfolgen könne. Darunter als schwierigste die Forderung der Anerkennung des Staates Israel.

Ebenso war es Deutschland, das zusammen mit den USA im Juli 2006 im Krieg Israels gegen die Hisbollah länger als 1 Woche zuwartete mit einer Forderung nach einem Rückzug Israels in der Absicht, Zeit für Israels Militär zu gewinnen, die Hisbollah zu besiegen.

4. Themen für eine Integration

Ohne die Tagesordnung der Islamkonferenz zu kennen, wird sich die Islamkonferenz in ihren Arbeitsgruppen aber wohl mit folgenden Problemen beschäftigen müssen.

4.1. Politik

•  Sollte nicht eine Quantifizierung der Zuwanderung aus islamischen Ländern vorgenommen werden? Wenigstens so lange bis Erfolge der Integrationspolitik sichtbar sind.

•  Sollte nicht eine Qualifizierung für Einwanderungswillige im Heimatland durch Unterricht vorgenommen werden mit der Möglichkeit der Einreiseverweigerung?

•  Wer einen deutschen Pass will, muss eine Prüfung machen (nicht: Gesinnungstest! Aber Kenntnis-Test). Die bessere Kenntnis des Landes durch diese Ausländer im Vergleich zu Einheimischen ist wünschenswert, da es die Eingewanderten aufwertet.

•  Die Rundumversorgung des Wohlfahrtsstaates fördert keine Eigeninitiative; außerdem das Arbeitsrecht das Asylanten verbietet zu arbeiten. Wenn Deutschen 1,- Euro Jobs zugemutet werden können, warum nicht Ausländern auch?

•  Der Staat muss sich die Bildung eines muslimischen Dachverbandes angelegen sein lassen, um auf Dauer ein Gegenüber für Beratungen zu haben. Vielleicht entwickelt sich das aus der Konferenz.

•  Soll vorher schon die Islamische Religionsgemeinschaft den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts erhalten? Geht das überhaupt?

•  Wann und wie wird die Ausbildung der Imame in Deutschland an deutschen Unis angeboten mit sunnitischer und schiitischer Fakultät. Aber als Studenten zusammen mit Deutschen.

•  Es hat sich eindeutig gezeigt, dass ohne die Beherrschung der Sprache eine Integration in das Gastland unmöglich ist. Hier sind die allergrößten Anstrengungen zu unternehmen.

•  Es braucht Kurse für Erwachsene besonders für die Frauen, Kurse, die auch über die christlich geprägte Geschichte, die Bräuche, das Grundgesetz und die Rechte und Pflichten, aber auch über Christentum und den Islam lehren.

4.2. Schule

•  Einwanderer müssen erfahren, dass es bei uns eine Schul-Pflicht gibt.

•  Kinder, die im Kindergarten Deutsch nicht so gelernt haben, dass sie dem Unterricht folgen können, kommen erst noch in eine Förderklasse.

•  Für Migrantenkinder, die nach der Schule kulturell und sprachlich nur im Ghetto leben, wäre eine Ganztagesbetreuung eine erhöhte Bildungschance.

•  Muslimfamilien müssen akzeptieren lernen, dass ihre Kinder an allen Unterrichtsfächern einschließlich Biologie (inkl. Sexualkunde), Musik, Schwimmen und Sport auch für Mädchen und auch an Klassenfahrten teilnehmen.

•  Was muss getan werden, damit Migrantenkinder nicht immer nur auf der Hauptschule landen und von dort nur sehr schwer eine Lehrstelle bekommen?

4.3. Arbeit

•  Ohne Arbeit ist eine Integration in die deutsche Gesellschaft nicht zu schaffen. Nur mit Arbeit ist Selbstwertempfinden da und ist die Vorstellung real, zum Ganzen zu gehören.

4.4. Identität

•  Wolfgang Schäuble spricht erstmals staatlicherseits und offiziell von „deutschen Muslimen“. Aber wollen wir deutsche Muslime oder muslimische Deutsche? Die Muslime in Frankreich fühlen sich als Franzosen, die in England zuerst als Muslime. Was wollen wir in Deutschland?

•  Die türkischen Muslime bei uns kommen nicht aus Istanbul, sondern gewöhnlich vom Land aus der inneren Türkei, aus Anatolien. Diese Migranten erleben, wenn sie zu uns kommen, zuerst den Schock der Großstadt und dann den Schock der europäischen Zivilisation. Es ist von daher verständlich

•  dass sich Ghettos bilden, wo man ein Leben lang in Berlin leben kann, ohne ein einziges deutsches Wort zu hören;

•  dass dort Bräuche aus der Heimat mit besonderer Liebe gepflegt werden;

•  dass dort dann auch nach den Rechten und Regeln der Heimat geurteilt wird – und wären es Ehrenmorde.

•  Wer dort aufwächst, identifiziert sich auch in der 3. Generation mit der Türkei und nicht mit Deutschland.

•  Wer dort lebt wünscht sich als Frau ein Mädchen aus Anatolien, die ganz von ihm abhängt und nicht eine von den Türkinnen, die sich in der deutschen Umgebung gewandter bewegen als die jungen Männer.

Die Grundfrage heißt: gibt es eine Möglichkeit, Deutschland positiv in die ethnischen Ghettos zu tragen? Chinesen in Chinatown in San Francisco fühlen sich trotz Ghetto als Amerikaner, ebenso die Blacks in Harlem oder die Latinos.

Gelingt es vielleicht nur, wenn sich Vereine oder Gemeinden darum bemühen?

4.5. Religion

Gelingt es dem Islam zu akzeptieren, dass im Rahmen des deutschen Grundgesetzes der Glaube modifiziert werden muss und er dies in einer geistigen theologischen Anstrengung auch vollzieht.

•  die Trennung von Religion und Staat

•  die Gleichberechtigung der Frau und all ihre Folgen

•  die demokratische Staatsform

•  die eindeutige Verurteilung von Gewalt im Namen Allahs.

Es wird Jahre brauchen bis die Arbeitsgruppen durch sind. Es braucht viel Gebet, denn es geht an Grundüberzeugungen des Islam. Auf der anderen Seite kann nicht das Grundgesetz verbogen werden. Es geht um die Feststellung von Basam Tibi: „Das kann man nur dann ändern, wenn Europäer den Mut zeigen, den Islam zu europäisieren. Andernfalls wird Europa langfristig islamisiert“. (Stuttgarter Zeitung 4.9.2006)

HINTERGRÜNDE

Überlegungen und Vorschläge

1. Der Islam ist kein monolithischer Block

Jeder Schock – ob persönlich oder national – löst zuerst irrationale Ängste aus. Diese Phase vergrößert die Gefahr und lässt die eigenen Möglichkeiten schrumpfen bis zur Selbstaufgabe und löst von daher meist Reaktionen aus, die das vollends ermöglichen, was man befürchtete und gerne vermieden hätte. (Das berühmte Starren des Kaninchens auf die Schlange!).

Diese 1. Phase endet in dem Moment, wenn der Gefährdete Realist wird d.h. sich seiner eigenen Möglichkeiten bewusst wird und von daher die Gefährdung realistisch einzuschätzen beginnt. Der Gegner wird analysiert, seine Schwachpunkte offen gelegt. Eine Auseinandersetzung ohne Angst „in Augenhöhe“ beginnt.

Der Westen steckt weithin noch in der 1. Phase. Politisch heißt das dann „Schurkenstaaten“ und „Achse des Bösen“ oder lange Jahre „Augen zu“ und heute „vorlaufender Gehorsam“. Bei der Bevölkerung dominiert die Ablehnung und Ausgrenzung. Bei den Christen kommt noch „der Geist des Islam“ dazu und der Wunsch, dass „die“ doch alle abgeschoben werden möchten. Aber 3,5 Mio. können nicht einfach abgeschoben werden. Jeder weiß das. Was dann?

An dieser Stelle hat Wolfgang Schäuble den Mut aufgebracht, die Tür zur 2. Phase des Realismus aufzustoßen. Er sagt: Deutschland ist zu einem Einwanderungsland geworden; der Islam ist ein Teil unseres Landes geworden; der Islam wird ein Teil unseres Lebens sein. So, dies sind die Fakten. Wir können sie nicht umgehen, wir können sie aber gestalten. Gestalten heißt, den Gegner richtig einschätzen und die Gefahr nicht aus dem Auge zu verlieren; heißt aber auch die eigenen Ressourcen kennen und ins Spiel bringen. Dies hat Schäuble mit seiner Islamkonferenz versucht. Er hat durch seine Einladung den Deutschen, aber auch den Moslem vor Augen geführt: Den Islam gibt es gar nicht, sondern es gibt unendlich viele Schattierungen und Gruppen vom „Kulturmoslem“ bis zu Milli Görüs, von den freien Aleviten bis zu den strengen Wahabiten. Man kann von außen nicht alle Gruppierungen kennen, aber man sollte sich klar machen, dass „der Islam“ genauso differenziert ist in tausend Anschauungen wie „das Christentum“, in Gruppen, die sich genauso gegeneinander abgrenzen wie die Kirchen. Die Schwäche des Islam ist wie bei den Christen der innere Streit. Das macht die Muslime in gewisser Weise menschlich. Man kann sich auf Augenhöhe begegnen. Sie haben dasselbe Problem wie wir.

Für die Muslime in Deutschland war es neu, dass ihre Pluralität durch die Konferenz öffentlich erkennbar wurde. Aber das ist auch gut für sie und bringt auch sie „auf den Teppich“ der Realitäten. Die Konferenz zwingt die Moslem zu einem internen Dialog und – sofern sie etwas politisch erreichen wollen – zur Toleranz und zu Kompromissen.

Und noch ein Weiteres ist wie bei den Christen. Alle moslemischen Gruppen beziehen sich auf den Koran: die 38 Gelehrten, die dem Papst einen offenen Brief geschrieben haben, stellen mit Zitat von Suren den Islam als friedliebend dar; ebenso berufen sich die Selbstmordattentäter auf den Koran, wo im Islam zum Dschihad aufgerufen wird. Noch unterschiedlicher als bei der Bibel scheint es Möglichkeiten der Auslegung im Koran zu geben, auf den aber alle schwören als die alleinige Grundlage. Und entsprechend unterschiedlich dürfte dann auch das Gottesbild sein – vom fernen, unberechenbaren bis hin zum barmherzigen Gott. Und so auch das Bild vom Menschen.

Die Konferenz zwingt die Moslem auch aus ihrer immer wieder eingenommenen „Opferrolle“, womit sie alsbald das Gegenüber zum Schuldigen, zum „Täter“ machen, der sich aber deshalb schleunigst tief entschuldigt und seinen Respekt und seine Solidarität erklärt („Retterrolle“). Das alles funktioniert international wie national („nur nicht die Gefühle der Moslem verletzen“) nach den bekannten Regeln des Dramadreiecks: einer spielt beleidigt – macht dann den anderen schuldig dafür – der springt alsbald in die Rolle des Wieder-Gutmachers. Am Ende des Spiels fühlen sich alle „beschissen“, weil jeder dem anderen was vorgespielt hat. Heraus kommt man aus diesem endlosen Spielchen nur, indem man zum Realismus zurück kehrt und offen und ehrlich sagt, wie es einem mit dem andern geht. Dazu ist in der Konferenz die Gelegenheit.

„Den Islam“ gibt es also nicht. Zwar zählen sich alle zur „Umma“ der Gläubigen und haben von daher ein Identitätsmerkmal, was für sie gerade im Gegenüber zur westlichen Kultur nicht unwichtig ist. Aber sobald ein einheitliches Handeln erfordert ist, zerfällt die Einheit dieser Pseudo-Ethnie (wie sie Basam Tibi nennt).

Die größte Gruppe in der Umma in Deutschland sind die 70% bereits Säkularisierten. Sie sind die schweigende Mehrheit. Wer vertritt diese? In England entstand für sie ein neues Sammelbecken in dem Sufi Muslim Council. Wäre so was nicht auch für Deutschland möglich? Diesen Moslem liegt mehr an praktischen Fragen der Integration und der Zukunft ihrer Kinder. Sie sind schon den halben Weg nach Europa gegangen. Man sollte sie zur Sprache bringen. Sie sind evtl. die Brücke zu einem friedlichen Zusammenleben, mehr als die gewählten Vertreter der Verbände.

Die große Mehrheit der Moslem in Deutschland hält das Grundgesetz und die Prinzipien des Islam nicht für vereinbar. Dennoch aber hat sich die überwiegende Mehrheit von ihnen, rund 70-80%, entschieden, die entstandenen Spannung zwischen ihrer Religion und der deutschen Kultur durch den Verzicht auf Religion (Moscheebesuch mit Predigten zum religiösen Dranbleiben) zu mildern oder ganz aufzulösen. Dies ist die stillschweigende Annäherung der Moslem an die deutsche Leitkultur. Sie wird sich bei geschickter staatlicher Unterstützung beschleunigen.

2. Divide et impera!

Teile und herrsche – eine alte politische Regel, Fronten ins Wanken zu bringen.

Der 1. Schritt ist schon getan mit der heterogenen Zusammensetzung der Konferenz.

Die nächsten Schritte könnten darin bestehen, den Verschiedenheiten unter den Moslem Raum zu verschaffen. So wie es ev. - kath. - orth. Religionsunterricht gibt, so könnte es sunnitischen - schiitischen - und alevitischen Religionsunterricht geben, ebenso bei der Imamausbildung. Wenn der Staat an den Stellen, wo er es darf, die Verschiedenheit akzeptiert und fördert, macht er sich Freunde und zugleich bekommt er leichteren Überblick über Tendenzen in der deutschen Umma.

Es ist ganz wichtig für den Staat, aber auch für die deutsche Bevölkerung, aus der Tatsache der Vielgestaltigkeit des Islam in Deutschland zu verstehen, dass es nicht eine Antwort nur, ein sogenanntes „Patentrezept“ für die Frage der Integration gibt, sondern dass es für jede Gruppe der moslemischen Seite eine oder mehrere eigene Antworten braucht.

Für die große Masse der schweigenden Mehrheit:

•  Sprachkurse, Einführung in das GG; Geschichte des Landes/Christentum;

•  Angebote von Kindergärten und Schulen;

•  Sich kennen lernen bei Festen; Einladung gegenseitig zu religiösen Feiertagen und Fasten (ohne Abstriche und ohne Missionierung);

•  Persönliche Einladungen.

Für die Vertreter der Verbände in der Konferenz:

•  Standfeste und eindeutige Aussagen zu den staatlichen Rahmenbedingungen der freien Religionsausübung;

•  Achten auf „Schlupflöcher“ der Auslegung;

•  Bekenntnis des deutschen Staates zu Israel;

•  Stellung des deutschen Staates zum EU-Beitritt der Türkei;

•  Dachverband und Körperschaft des öffentlichen Rechts;

•  Bei allen Verträgen wissen, wie leicht diese im Islam gebrochen werden können, wenn sich die Verhältnisse geändert haben.

Für Gelehrte

•  Profunder, sachlich theologischer Diskurs.

Für Wirtschaft und Handel

•  Handeln möglich zu beidseitigem Nutzen;

•  Ungedingt Reduktion der Abhängigkeit vom arabischen Öl durch Entwicklung eigener oder weiterer Ressourcen;

•  Achtung bei der Anlage der Ölmilliarden in deutschen Unternehmen und an der Börse. Alternativen suchen!

Für Islamisten

•  Toleranz den Toleranten (Moslem); aber Intoleranz den Intoleranten (Gewalt bereiten). Etwas anders wäre „tödliche Toleranz“.

•  Stimmiges Gesamtkonzept vom Gesetzgeber über die „Dienste“ bis hin zur Justiz. Es kann nicht sein, dass ein „Schläfer“ erst dingfest gemacht werden kann, wenn seine Bombe explodiert ist: Die reine Strafverfolgung muss ergänzt werden mit einer Indizienverfolgung.


3. Mehr Selbstbewusstsein, bitte!

Manchmal klingt das, was man so hört, wie der Abgesang des Abendlandes. Der Islam ist moralisch gesünder und die Moslem haben mehr Kinder; sie sind opferbereiter, fasten und geben sogar ihr Leben hin; sie glauben alle noch an Gott, wenn auch an den falschen; die Ölscheichs haben unsere Energieversorgung in der Hand und kaufen sich mit dem Geld, was wir ihnen bezahlen, in unsere Großunternehmen ein; sie bauen eine eigene Bank auf, um Dollar und Euro zu stürzen; mit den Ölmilliarden drücken sie uns die Moscheen und mit ihnen, ihre Imame rein.

Und dann kommt als 2. Strophe das Trauerlied über die Kreuzzüge, die Glaubenslosigkeit des christlichen Abendlandes, die Verweichlichung der Christen und den Totalverfall der Sitten, die Abtreibungen und dass uns zu Recht Gott mit der Geißel des Islam züchtigt und wohl auch als Volk verderbt. Und zum Schluss kommt dann noch die Apokalypse mit evtl. sehr konkreten Zuordnungen.

Es soll nichts, aber auch gar nichts vom Ernst der Lage abgeschwächt werden. Nicht wenige Bücher weisen verzweifelt darauf hin.

Auch vom geistlichen Ernst über die Sünden unseres Landes kann man nichts wegnehmen; auch nicht davon, dass wir wohl auf das Ende der Welt zugehen.

Dies alles im Blick zu haben; das ist Realismus .

Aber es ist nur der halbe Realismus, national, europäisch wie geistlich.

4. Meine Fragen an die Verzagten –

•  glaubt Ihr noch an den dreieinigen Gott, als den einen und einzigen Gott, der alles regiert und die Völker lenkt?

•  glaubt Ihr, dass Gott zornig ist über all unsere Sünden? Welche Bedeutung messt Ihr dann dem priesterlich-stellvertretenden Gebet der Gläubigen in allen Kirchen bei? Hat es Bedeutung – so tut es und fahrt fort darin und wisst, das Ihr Gottes Wohlgefallen herab zieht auf unser Land.

•  glaubt Ihr, dass in den letzten Tagen der Geist ausgegossen wird über alles Fleisch? Könnt Ihr das sehen auch über den Moslem in eurem Ort, wenn Ihr betet? Es gibt unter den Moslem mehr Visionen und Erscheinungen die auf Jesus hinführen, als man es aus der Gemeinde hört. Gott hält sich nicht an Kirchen- und Gemeindegrenzen.

•  Wäre es nicht eine gute Idee, ein christliches Ehepaar mit moslemischem Hintergrund aus einem islamischen Land in Eure Gemeinde einzuladen, damit sie im Ort unter ihren moslemischen Glaubensgenossen das Evangelium verbreiten? Missionsgesellschaften könnten dabei behilflich sein.

•  Hat Gott nicht Europa benutzt, dass das Evangelium, nachdem es Jahrhunderte hindurch unsere Kultur durchdrungen hatte, von uns aus in die ganze Welt getragen wurde. Und die ersten Welt-Missionare waren Deutsche, die Herrenhuter („Moravians“). Sie kamen nicht mit Schwert und Profitgier, sondern als Boten Jesu allein.
Hat Gott seine Berufung für Deutschland zurückgezogen? Nein, niemals; sondern er wartet darauf, dass wir sie neu ergreifen. Zum einen vor unserer Haustür, indem wir Moslem einmal in ein deutsches Haus einladen; zum anderen weltweit als Lehrer und Väter unter den Völker.

•  Wenn wir nicht unsere Berufung ergreifen, dann gehen wir wohl unter. Ergreifen wir sie aber, so werden die Moslem staunen und sich sehnen nach einem Gott, der liebt wie ein guter Vater. Wir werden genau das erleben, was wir glauben und herbeireden. Unser Glaube entscheidet über Deutschland, über Europa, über die Moslem und ihren Vormarsch.

•  Hat Gott uns nicht auf einem längeren Weg von 2001 („deutsche Leitkultur“, Friedrich Merz) bis zur WM im Juni 2006 unsere nationale Identität und die Freude daran wieder gegeben? Habt Ihr begriffen, was da geschah? Sieht das nach Fluch aus oder nach Segen? Gott will, dass wir uns wieder unseres Vaterlandes freuen. Er will, dass wir uns Wert schätzen. Er will, dass wir unsere Geschichte annehmen und unser Land lieben. Er will, dass wir seine Werte verteidigen und das Erbe unserer Väter schützen.
Darum Frage: Wollt Ihr verzagen oder aufstehen für unser Grundgesetz und seine Freiheiten verteidigen, indem Ihr sie offen lebt, „in der Verantwortung vor Gott und den Menschen“. Hier zeigt sich, ob wir Christen das Rückgrat unserer Gesellschaft sind, Ermutiger und Träger von Hoffnung, die sich aus göttlichen Quellen speist. Denn alle Freiheiten des Grundgesetztes wurzeln in der unverletzlichen Würde jedes Menschen. Und diese Würde hat er, weil er von Gott geschaffen ist. So atmet unser Grundgesetz allenthalben den Geist des jüdisch-christlichen Glaubens.
Hier, an der Hoffnung zeigt sich, wer im Gebet für Deutschland einsteht – er hat Vision und Lehre und ist Ermutigung für viele. Da dies in der Gemeinschaft der vielen leichter durchzuhalten ist, besteht der „Wächterruf“ und lädt ein, mitzumachen.

•  Wir haben staatlich wohl eine Trennung von Staat und Kirche. Aber wir haben in unserem Glauben keine Trennung von Gott und Politik. Wir wissen Gott handelt in der Politik und wir bitten darum. Die „Religionisierung der Politik“ die Basam Tibi weltweit beobachtet – bei den Moslem ebenso wie in den USA – machen wir gerne mit, aber auf unsere Art. Europa, sagt er, sei davon bisher nicht berührt und nennt die Europäer darum „Religionsanalphabeten“. Lasst uns – nicht in moslemischer Vermischung von Macht und Religion – aber sehr bewusst Europa wieder hineinbeten in eine Durchdringung der Parlamente mit Christen und des politischen Handelns mit biblischen Werten.


GEBET

1. Das Gebet zu dem einen, alleinigen Gott haben Muslime und Christen gemeinsam. Zugleich trennt sie aber genau dieses Gebet. Denn Allah hat nach islamischer Lehre niemals einen Sohn – das ist Gotteslästerung. Unser Gott aber ist der dreieinige Gott: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. So sprechen wir mit Elia (1. Kö 18,24): „Ruft ihr den Namen eures Gottes an, aber wir wollen den Namen des Herrn, unseres Gottes anrufen. Welcher Gott nun mit Feuer antworten wird, der ist wahrhaftig Gott!“ Und das ganze Volk antwortete und sprach: „Das ist recht!“

Habt Ihr Glauben, dass der Gott, den wir anrufen, das Feuer des Geistes auf Deutschland und Europa fallen lassen kann? Moslem sind sehr offen für Wunder!

2. Lasst uns um Mut und Glauben beten für uns Christen; und aus dem Glauben heraus für ein christliches Selbstbewusstsein; und aus diesem heraus Zivilcourage frechen Einschüchterungen der moslemischen Seite nicht nachzugeben, sondern die Freiheit zu beanspruchen, die unser Grundgesetz garantiert.

3. Lasst uns beten, dass wir Christen zwischen Moslem und Islamisten unterscheiden lernen und uns den einen nähern und den anderen widerstehen, den einen die Liebe Jesu zeigen, bezeugen und für sie beten und den anderen unbeugsam das deutsche Recht entgegenhalten. Lasst uns um Unterscheidung beten und so handeln.

4. Lasst uns beten für die schweigende Mehrheit der 70%, dass Gottes Geist sie weiterführt und hinzieht zu Jesus; dass sie Kontakt bekommen zu glaubhaften Christen.

5. Lasst uns beten für die moslemischen Ghettos der Großstädte, besonders für die jungen Männer ohne jede Lebensperspektive, verdammt zu Drogen und Kriminalität. Lasst uns beten für sie um sinnvolle Beschäftigung und um Schutz vor den Terror-Anwerbern.

6. Lasst uns beten für Wolfgang Schäuble und den Fortgang der Islamkonferenz. Lasst uns für die Offenbarung des guten Willens Gottes beten; es soll nur das beschlossen werden, was gut ist für unser Land und evt. für Europa. Lasst uns beten für die nächste Sitzung der Konferenz am 8./9. November in Nürnberg.

7. Lasst uns beten für hohe Effektivität aller Bemühungen unseres Staates um Integration: Sprachförderung, Kindergärten, Schulunterricht.

8. Lasst uns beten um Schutz für alle Beamten in der Aufklärung von Anschlagsplänen, um Schutz für die Polizisten und um den Mut von Richtern, trotz Drohungen gerechte Urteile zu sprechen.

Ortwin Schweitzer

Quellen:

Fischer Weltalmanach 2006, Zahlen. Daten. Fakten.

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

Günther Lachmann, Tödliche Toleranz. Die Muslime und unsere offenen Gesellschaft. Pieper 2. Aufl. 2005; DIE ZEIT, 5.10.06;

Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) 27.2.06/7.4./18.4./4.9./27.9./16.10./24.10/

Rheinischer Merkur 24.11.05/21.9.06/5.10.06; Stuttgarter Zeitung 4.9.06; Die Welt 5.4.06; dradio.de 18.10.06 (7.20 Uhr)

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ich fange nicht zu jammern an.

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sagen, dass für eine fette Spende

ich durchaus empfänglich bin.

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Und ich sage: tausend Dank!

Ortwin Schweitzer

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