DIE POLITISCHE SEITE

August 2006

Gottes Handeln in der Geschichte: Biblische Prinzipien

Die Politische Seite behandelt in diesem Monat kein geschichtlich-politisches, sondern ein geschichts-theologisches Thema. Der Monat, in dem es politisch immer etwas ruhiger zugeht, dient mir dazu, einmal hineinzuführen in das geschichtsmächtige Handeln Gottes, der ja nicht willkürlich, sondern sehr gezielt die Geschichte der Völker und der Welt gestaltet. Die Bibel ist voll dieser erkennbaren Prinzipien, nach denen Gott bis heute verfährt.

Unser Gott allein regiert

Nein – Gott ist nicht alt geworden, er ist der Herr aller Zeiten. Und er handelte nicht nur mit Israel, sondern er ist auch der Herr aller Völker. Deshalb ist Politik für Gott kein „schmutziges Geschäft“, sondern der Ort seiner Offenbarung in der Welt heute!

Wir reden von dem Gott, von dem der Prophet sagt (Dan 2,12): „Gott bestimmt den Wechsel der Zeiten und Fristen: er setzt Könige ab und setzt Könige ein.“ Wir reden von dem, der von sich sagen darf (Mt 28,18): „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“

Gott ist nicht Allah

Der Gott der Bibel ist kein Allherrscher, der willkürlich hinter dem Vorhang der Ewigkeit Schicksale von einzelnen oder Völkern festlegt, in das sich die Menschen dann eben fügen müssen, hingeben müssen („Islam“ = „Hingabe an Gott“).

Der Gott der Bibel ist anders. Er hat erkennbare Handlungsprinzipien, die er auch klar kommuniziert hat. Von daher ist er auch jederzeit ansprechbar in Buße, Bitte und Anbetung. Seine Grundeinstellung zur Welt ist Liebe, er will gerne vergeben und wenn er richtet und schlägt, dann immer, um letztlich zurechtzubringen.

Womit handelt Gott in der Geschichte?

Gott handelt mit Personen.

Ob mit Königen aus Dynastien oder demokratisch gewählten Staats- und Regierungschefs – Gott handelt souverän mit ihnen allen.

Gott freut sich über gottesfürchtige Staatsoberhäupter und segnet sie. Ganz sicherlich.

Aber Gott ist in keiner Weise daran gebunden, ob ein Mandatsträger an ihn glaubt oder nicht. Er handelt auch mit Ungläubigen.

Da ist z.B. König Cyrus von Persien. 538 vor Christus eroberte er Babylon und erlaubt danach den von den Babyloniern deportierten Völkern in ihre Heimat zurück zu kehren.

Das war der politische Vorgang. Der Prophet Jesaja aber erkennt, wie der lebendige Gott seine Verheißung, sein Volk wieder zurück in ihr Land zu bringen, jetzt erfüllt.

In einer großen prophetischen Rede, deutet er seinem Volk die politischen Vorgänge (44,28; 45,1ff): „Ich bin der Herr, der zu Cyrus sagt: Mein Hirte! Er soll meinen Willen vollenden. So spricht der Herr zu Cyrus, seinen Gesalbte: … um Jakobs, meines Knechtes willen und um Israels, meines Auserwählten willen rief ich dich bei deinem Namen, obgleich du mich nicht kanntest , damit man erfahre in Ost und West, dass außer mir nichts ist!“

Sprung zu uns heute. Diese Worte könnten aus dem Jahr 1990 stammen: „…dass man erfahre in Ost und West, dass außer mir kein Gott ist.“ Wie gut kannte Michail Gorbatschow Gott? Aber Gott gebrauchte ihn, als die 40 Jahre Zertrennung als Strafe für Deutschland um sein sollten. Anscheinend nicht mit seiner Mannschaft abgesprochen, sagte er in der Verhandlung mit dem deutsche Unterhändler, Staatssekretär Teltschik: „Es ist das alleinige Recht des deutschen Volkes, ob es in einem Staat zusammen leben will…. Es ist Sache der Deutschen, den Zeitpunkt und den Weg selbst zu bestimmen.“

Die Zeitungen konnten es schier nicht fassen. Aber es war so. Ein Wunder war geschehen. Und Wunder kann man nicht fassen. Da kann man nur noch von Gott reden und ihm danken.

Gott setzt Institutionen

So wie Gott am Anfang aus dem Chaos eine schöne Welt erschuf, in der alles „sehr gut“ geordnet war – griechisch „kosmos“ heißt wörtlich „Ordnung, Schönheit“ – so ordnet Gott auch das Chaos des menschlichen Zusammenlebens. Wodurch? Gott setzt Leitung ein. Gott ordnet jedes Gemeinwesen, von der Familie bis zum Staat durch die Struktur der Leitung. ER setzt sie. Leiterschaft ist Gottes Wille. In Bezug auf die staatliche Ordnung sagt Paulus (Rm 13,1): „Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt hat über ihn. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet“. Jeder Verantwortungsträger hat also ein göttliches Mandat und verdient darum Respekt (vgl. 2. Pt 2,17).

Dieses Mandat ist von Gott gesetzt – völlig unabhängig von der Qualität des Mandatsträgers. Ist diese schlecht, wird er sich dafür verantworten müssen, vor Menschen und vor allem vor Gott (z.B. Slobodan Milosevic). Mandat ist auf Zeit verliehene Autorität auf einem bestimmten Gebiet. Von daher ist jeder dem verantwortlich, der ihn beauftragt hat. Und was ist mit dem Obersten? Wenn er nicht realisiert, dass auch er einen über sich hat, besteht die Gefahr des Amtsmissbrauchs und der Unterdrückung. Daher – wohl dem deutschen Volk, das Gott in der Verfassung als letzte Autorität über allen Autoritäten nennt, dem alle Verantwortung schuldig sind.

Gott handelt nach klaren Grundsätzen (eine Auswahl)

1. Demut

„Gott widersteht den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade“ (2. Pt 5,5). „Er zerstreut die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen“ (Lk 1,51f).

Gerhard Schröder (2001): „Dieser Aufschwung ist mein Aufschwung“. Von da ab ging es abwärts.

Angela Merkel (2005): „Ich will Deutschland dienen.“ Im Angesicht ihrer Kanzlerschaft sei ihr Grundgefühl „Demut“ (SPIEGEL-Interview). Gott gab ihr in ihren ersten 100 Tagen so viel Gnade wie kaum einem Kanzler vor ihr.

2. Buße

Buße vor Gott wirkt Vergebung und Heilung – individuell wie auf nationaler Ebene.

„Wenn mein Volk, über dem mein Name genannt ist, sich demütigt, dass sie beten und mein Angesicht suchen und sich von ihren bösen Wegen bekehren – so will ich vom Himmel her hören und ihre Sünde vergeben und will ihr Land heilen“ (2. Chr 7,14).

Am 50. Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November 1988 fanden in allen Kirchen überall im Land Bußgottesdienste statt. Auf den Tag genau ein Jahr danach öffnete sich die Mauer, wobei bis heute noch nicht klar ist, wie es zu dieser Nachricht im TV kam. Nach 40 Jahren wurde das Strafgericht Gottes aufgehoben und das Land in der Wiedervereinigung geheilt.

3. Stellvertretung

Dies ist vielleicht das wichtigste Prinzip Gottes in seinem Handeln mit den Völkern. Da es nur ausnahmsweise passiert, dass gleich ein ganzes Volk umkehrt (Ninive, Jona 3,5ff; Israel, Neh 8,9), sieht Gott die kleine Zahl oder sogar einen einzelnen an als Stellvertreter für die vielen (10 Gerechte für Sodom). Dieses geistliche Grundgesetz ist der Hintergrund für den Einen, „das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünden der ganzen Welt“ (Joh 1,19). Gott will, dass wir für unser Volk vor ihm „in den Riss treten“ – und wie oft hat er uns darüber schon erhört. Unter diesem Vorzeichen dürfen wir mit großer Zuversicht priesterlich beten für unser Land.

4. Gottes Mühlen…

mahlen langsam, langsam aber trefflich fein. Manche Erhörungen brauchen einige Zeit, ja, manches Mal geschieht zuerst das Gegenteil von dem, was wir gebetet haben. Aber nur Geduld! Gott hat Zeit.

So schienen all unsere Gebete und Mühen um den Gottesbezug in der Europäischen Verfassung umsonst zu sein: die Verfassung wurde im Juni 2004 ohne den Gottesbezug beschlossen und auf den Weg der Ratifizierung gebracht. Ein Jahr später, Ende Mai bzw. Anfang Juni, votierten die Franzosen bzw. die Niederländer gegen diese Verfassung. Gewiss nicht wegen dem fehlenden Gottesbezug. Dennoch hatte Gott eingegriffen. Überraschend! Denn nicht an den Briten, die sowieso gegen Europa sind, sondern an den Ur-Landen der Gemeinschaft Frankreich und Holland war das große Gemeinschaftswerk gescheitert. Die Regierungen waren wie gelähmt und brauchten bis heute, um den Schock zu verarbeiten. „Ja, Gottes Mühlen…“

5. Israel

Gott verheißt Abraham und seinen Nachkommen auf ewige Zeiten: „Ich will segnen, die dich segnen und verfluchen, die dich verfluchen. In dir sollen gesegnet sein alle Geschlechter auf Erden“ (1. Mo 12,3ff u.a.).

Deutschland hat wie kein anderes Land der Welt die Realität dieses göttlichen Gerichts bzw. Segens kennen gelernt: Im Fluch der Nazizeit und der deutschen Teilung und dann in der neuen Politik von Adenauer bis Merkel, mit einem Wirtschafts-„Wunder“ und dem „Wunder“ der Wiedervereinigung. Zusätzlich wirkten die vielen, vielen stellvertretenden Bußgebete und -handlungen vieler Christen und ihre Segnungen über Israel.

Der iranische Präsident Ahmadinedschad hat die Vernichtung Israels gefordert und damit Israel verflucht. Achten Sie darauf, wie Gott reagieren wird. Ich möchte nicht in seiner Haut stecken.

6. Soziale Gerechtigkeit

„Tu weg das Geplärr deiner Lieder … es ströme aber das Recht wie Wasser…“ geißelt Amos (5,23) die Frommen, die im Geschäftsleben gnadenlos die Schwachen aussaugten. Und Jesaja (58,9ff) zum gleichen Thema: „Das aber ist ein Fasten, wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst, sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt…“

Im Wahlkampf der „ C hristlichen DU “ wurde sie zur herzlosen eisernen Lady hochstilisiert, die – zusammen mit Freund Westerwelle – Deutschland gnadenlos reformieren würde.

Gott aber schützt die Schwachen. Genau an ihrem harten Kurs scheiterte Angela Merkel gnadenlos und wurde am Wahlabend zutiefst gedemütigt. Und sie verstand. Und stellte sich um. Die Wirtschaft zwar moniert: „Reformen bleiben auf halbem Weg stecken“. Gott aber bewahrte unser Land vor einer Regierung ohne Blick für die Armen. Es ist immer noch hart, aber nicht mehr gnadenlos.

7. Bekennen

„Wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater und seinen Engeln“ und den Menschen (Mt 10,32).

Horst Köhler schloss seine erste öffentliche Rede vor der Bundesversammlung, die ihn eben gewählt hatte (Mai 2004): „Und Gott segne unser Land.“ In Amerika üblich, in Deutschland ein Tabubruch, Gott in der Politik zu erwähnen. In einem BILD-Interview bekräftigte er diesen Satz mit einem persönlichen Zeugnis seines Glaubens. Ganz sicher ist er ein kantiger Präsident, der lieber regieren als repräsentieren würde. Aber Gott stellte sich zu ihm, so dass er bis heute hohe Zustimmung hat, weil er die Dinge anspricht, die den Leuten am Herzen liegen.

Das Land ist gesegnet durch Gott und hat mit ihm, mit Bundestagspräsident Lammert und Bundeskanzlerin Merkel, Christen in den drei höchsten Ämtern des Staates, die den Namen Gottes bekennen – in Weisheit.

8. Überheblichkeit

„Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden (Mt 23,12). Die Geschichte ist voll von Beispielen von Usurpatoren, die oft dann selber gestürzt werden.

9. Verdrehung

„Wehe denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen“ (Jes 5,20).

Schröder: „Putin ist ein lupenreiner Demokrat“. Volker Beck von den Grünen paukte mit List und Lobby das Lebenspartnerschaftsgesetz“ für die „Homo-Ehe“ durch.

Schröder als Person und die Grünen als Partei verloren ihre Ämter. Gott ist präzise.

10. Treue

„Nun fordert man nicht mehr an den Haushaltern, als dass sie treu befunden werden“ (1. Kor 4,2). „Recht so, du treuer und tüchtiger Knecht, ich will dich über mehr setzen“ (Mt 25,21).

Christian Wulff ist solch ein Mann, der ein Jahr nach seiner Wahl zum Ministerpräsident in Niedersachsen noch beliebter war als vor seiner Wahl und der dann auf der nächst höheren Ebene der Bundesebene die Beliebtheitsliste der Politiker lange Zeit anführte. Seine Beliebtheit beruht auf seiner Verlässlichkeit, die in einem bewussten Glauben gründet.

Politisches Gebet macht Sinn

Nicht jeder Christ kann ein Politiker werden; und nicht jeder Politiker wird ein Christ werden; aber jeder Christ kann politisch beten.

Das Gebet kann eine Tat nicht ersetzen; das Gebet aber ist eine Tat, die durch nichts ersetzt werden kann (H. v. Kehler).

Beter sind im Politischen meist nur Normalbürger, sogenannte „kleine Würstchen“. Sie kennen aber den Regenten der Welt. Und wenn sie beten vom Thron Gottes her, bewegen sie etwas – zuerst im Unsichtbaren und damit dann im Sichtbaren.

Gott nimmt die Gebete seiner Kinder oft ernster als sie selbst. Gott will unser Gebet, er sucht unseren Glauben, um auf Erden das tun zu können, was auf seinem Herzen ist. „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.“

Ortwin Schweitzer