DIE POLITISCHE SEITE

November 2005

Göttliche Linien in der deutschen Politik unserer Tage

Dies ist ein gewagter Titel, denn „wer hat des Herrn Sinn erkannt und wer ist sein Ratgeber gewesen?“ (Rm 11,34). Dies in Demut im Blick darf man sich doch fragen – und dies darf man im Gebet durchaus auch Gott fragen: Gibt es in dem, was z.Zt. geschieht, nicht doch so etwas wie Prinzipien, die in der Bibel, wo sie auftauchen bei Personen, als „dem Herrn wohlgefällig“ bezeichnet werden bzw. nicht. Natürlich lässt sich nicht jede Windung heutiger Politik auf eine Bibelgeschichte beziehen bzw. gleich auf ein göttliches Prinzip, aber der Versuch sei doch gewagt, sich die unter dem strudelnden Bach der Ereignisse liegenden Felsbrocken einmal bewusst zu machen.

Ich folge dabei dem Zeitschema von Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft. Ich bin mir dabei der Bruchstückhaftigkeit der Auswahl bewusst. Ziel in allem aber ist, zu versuchen Gottes Handeln zu erkennen und Gebet für unser Land auszulösen.

1. Vergangenheit

1.1. Ich meine die Vergangenheit der letzten Monate. Wir haben einen unerwarteten vorgezogenen Wahlkampf hinter uns. Es war dramatisch, wie sich innerhalb weniger Wochen die Gewichte verschoben. Wir haben sehr über dem ganzen Geschehen Gottes Willen proklamiert. Und das Ergebnis? Alle sind sie gedemütigt worden , denn es heißt (1. Kor 1,29.30): „ER macht zunichte, was etwas ist, damit sich kein Mensch vor Gott rühme“. Wahlkampf heißt immer, seine Vorzüge herausstellen, seine Position klar machen. „Sich rühmen“ ist aber eine Art des Redens von sich, das der eigenen Stärke vertraut und das sogar selber glaubt. „Das schaffen wir“ war der Tenor bei Schröder wie bei Merkel. Das ist das Sich-Rühmen „vor Gott“. Wie wohltuend wäre es, wenn man im Wahlkampf einmal von einem Politiker hören würde: „So versuchen wir es“ oder „Wenn Gott hilft, könnte dieser unser Weg das Land herausführen“.

•  Der Vorsprung der CDU von fast 20% schmolz am Wahlabend zusammen auf 0,9% gegenüber der SPD. Die Wahlanalyse („Abrechnung mit Angela Merkel“) wurde auf den 5. Dezember angesetzt.

•  Die SPD holte zwar gewaltig auf, verlor aber die Mehrheit und Gerhard Schröder, trotz sehr ruhmreicher Worte am Wahlabend, verlor das Kanzleramt.

•  Die Grünen verloren ebenfalls das Regierungsmandat, dazuhin noch ihre Führungsfigur, Joschka Fischer, der im politischen Schatten verschwand. Sie sind auch in keiner Länderregierung mehr vertreten.

•  Die FDP überschlug sich zuerst vor Selbstruhm – bis sie merkten, dass sie ihr Ziel einer Regierungsbeteiligung gar nicht erreicht hatten.

•  Die Linkspartei , die mit 52 Sitzen im 16. Deutschen Bundestag vertreten sein wird, wurde auch – später – gedemütigt, indem ihr Vorsitzender Bisky in 3 Wahlgängen nicht die notwendige Mehrheit für einen Stellvertreterposten im Parlamentspräsidium erhielt.

„Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade“ (1. Petr 5,5).

Es ist nicht leicht in einem Showberuf wie dem des Politikers unter dieser Prämisse zu leben. Deshalb freut es einen doppelt, wenn man dieser Gesinnung in Interviews mit Spitzenpolitikern begegnet.

So antwortete Angela Merkel im Interview mit SPIEGEL-Redakteuren (Nr. 42, 2005, S. 42) auf deren Frage, ob sie sich nun freudig beschwingt fühle, sehr direkt: „Mein beherrschendes Gefühl ist ein anderes: Demut. Die Erwartungen im Ausland und die Hoffnungen im Inland sind groß“. Dies ist nicht mehr die Sprache der Oppositionsführerin vom hohen Sockel der 20% herab, dies ist die Sprache einer Frau, die vor riesigen Herausforderungen steht und im Angesicht dessen statt des allgemeinen Begriffes „Bescheidenheit“ das christlich gefüllte Wort „Demut“ wählt.

Wolfgang Schäuble im Gespräch mit der FAZ (23.10.05): “Im übrigen bin ich nicht so ein Mensch, der sich dauernd mit der Frage beschäftigt, ob er dieses oder jenes Amt bekommt.“ Und später: „Die SPD hat ein paar Tage gebraucht, um unseren Anspruch auf das Kanzleramt zu akzeptieren. Aber das liegt hinter uns, das beurteilen wir jetzt mit Milde. Die ist eine Voraussetzung dafür, dass eine große Koalition gelingt.“ Und weiter: „Man soll dem politischen Gegner den Respekt nie versagen. Wer sieben Jahre Bundeskanzler war, hat ohnehin Anspruch, dass man ihm bei aller politischer Gegnerschaft mit Respekt gegenüber tritt“. Wer so spricht, hat „Hochmut“ hinter sich gelassen und kann im Kabinett ein Mensch der „Gnade“ werden.

Herr, du machst zuschanden alle, die sich selber rühmen und mit ihrer eigenen Kraft protzen. Aber du gibst Gnade und Gunst bei Gott und den Menschen denen, die in ihrem Herzen demütig sind und darum wahre Minister=Diener sind. Gib uns viele von ihnen. Segne, Herr, Angela Merkel in ihren schweren Aufgaben und höre sie, wenn sie zu dir ruft und gib ihr guten Rat.

1.2. Was ist die Steigerung von „ Feind “? Antwort: „ Parteifreund “.

Das Schauspiel, das CSU-Chef Stoiber in den vergangenen Wochen gegeben hat, illustriert das Wort Jesu (Mt 10,36): „Der Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.“

Aus wissenschaftlichen Untersuchungen ist bekannt, dass die CDU/CSU ein besonders heterogenes Parteiengeflecht darstellt. Anders als die SPD braucht sie daher länger, um zu einem Konsens zu kommen. Auch ist die Spannung zwischen beiden Parteien schon Jahrzehnte alt. Was aber schon im Wahlkampf und auch danach von Edmund Stoiber praktiziert wurde, von dem Auflegen der 45% Latte für einen CDU-Sieg, den Merkel zu leisten habe bis zur Platzierung von Seehofer im Kabinett gegen den Willen von Angela Merkel hat alles, was er tut, den Charakter von minutiös ausgeklügelter Taktik.

Man darf gespannt sein, wie Gott mit Edmund Stoiber weiter verfährt.

Auf der einen Seite sagt die Financial Times Deutschland, dass es für den Posten des Wirtschaftsministers keinen ungeeigneteren Mann gegeben hätte als Stoiber.

Und andererseits zeigt sich, dass die Dinge in München Stoiber bereits entglitten sind und die Nachfolgefrage alles schon beherrscht, noch bevor er richtig gegangen ist. Bayern steht ihm als Hausmacht auf jeden Fall in Zukunft nicht mehr zur Verfügung, und das Wirtschaftsressort enthält durchaus die Möglichkeit des Scheiterns. Aber einen Rückweg nach München gibt es nicht.

Neben Stoiber gibt es noch andere Parteifreunde, die aus dem einen oder anderen Grund Angela Merkel übel wollen. Sie hat besonders schwierige Startbedingungen, wobei ihre größten Gegner nicht die SPD-Minister zu sein scheinen, sondern die, auf die sie sich eigentlich verlassen können müsste. Und allen miteinander ist nur wichtig, dass die Richtlinienkompetenz von der Kanzlerin ja nicht ausgeübt wird. Von allen Seiten ist sie wie umstellt.

„Gewaltige Stiere haben mich umgeben, mächtige Büffel haben mich umringt. Ihren Rachen sperren sie auf gegen mich wie ein brüllender, reißender Löwe. Aber du, Herr, sei nicht ferne, meine Stärke, eile mir zu helfen! Hilf mir aus dem Rachen des Löwen und vor den Hörnern wilder Stiere“. Ps 22,13.14.20.21.

Man kann gut beten, indem man einfach Worte der Schrift laut spricht, auch im Gebet für jemand anderen.

2. Gegenwart

Die zwei Grundfragen heißen:

(1) Was will uns Gott in Deutschland schenken? Was soll verstärkt werden?

(2) Wovor will uns Gott bewahren? Was soll abgewehrt werden?

2.1. Was soll verstärkt werden?

2.1.1. Wir haben über 20 Jahre konsequent betriebenen Werteverfall hinter uns. Es wird wieder und immer lauter nach „ Werten “ gefragt. Wir begrüßen diese neue Diskussion und glauben, dass sie von Gott ist und eine Antwort ist, auf den steigenden Gebetspegel für Volk und Gesellschaft.

Gottes Optik heißt: „Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute verderben“ (Spr 14,34). Gott will uns wieder seine Werte („Gerechtigkeit“) als Leitlinien des Lebens geben. Dies ist Gott für Deutschland wichtig. Denn ohne sie kommen wir immer noch mehr ins Verderben.

Darum horcht man auf, wenn der neue Bundestagspräsident, Dr. Norbert Lammert, - den wir im übrigen wie Horst Köhler dem Gespür von Angela Merkel verdanken – kaum dass er im Amt ist, in einem ZEIT-Interview (19.10.2005) äußert, dass er sich eine erneute Debatte zum Thema Leitkultur in der gesamten Gesellschaft wünsche, „Ich halte die Debatte zum Thema Leitkultur für eine der spannendsten Phasen unter dem Gesichtspunkt einer Beleuchtung der geistigen Verfassung der Nation; kein politisches System kann seine innere Legitimation ohne solche gemeinsam getragenen Überzeugungen aufrecht erhalten“. Auf ihrem Parteitag im Dezember 2004 hat die CDU mit großer Mehrheit folgende Richtlinie beschlossen: „Wer unsere Wertordnung – unsere freiheitlich demokratische Leitkultur – ablehnt oder sie sogar verhöhnt und bekämpft, für den ist in unserem Land kein Platz“.

Hier kommen unter dem Stichwort „Werte“ natürlich ganz verschiedene Vorstellungen zusammen: politische (demokratisch), gesellschaftliche (deutsche Leitkultur), aber sicher auch christlich-religiöse (geistige Verfassung der Nation), zumal es bei der Frage der Leitkultur ja um die Integration einer anderen Religion (Islam) geht.

Herr, gib unserem Volk wieder allgemein anerkannte Wertvorstellungen und Freude daran, diese auch im Leben umzusetzen. Vor allem bitten wir dich um ein Ende des Massenmordens an den Ungeborenen, was eine Wurzel fast aller unserer gegenwärtigen Probleme ist, Herr, erbarme dich über uns!.

2.1.2 . Neben der Schaffung neuer Arbeitsplätze ist die Konsolidierung des Haushalts die vordringlichste Aufgabe der neuen Regierung. Dabei werden Kürzungen im Apparat des Staates versucht, was aber mit Sicherheit Reduzierung von staatlichen Serviceleistungen bedeuten wird. Darüber hinaus werden auch die Bürger mehr belastet werden durch Streichung von Vergünstigungen aller Art, die Lobbygruppen im Lauf der Jahre erstritten hatten. Aber noch mehr: auch die Mehrwertsteuer wird wohl erhöht werden. Ziel: Im Jahr 2007 muss ein „EU-gerechter“ Haushalt vorliegen, sonst zahlen wir Strafmilliarden.

Niemand freut sich über Einschränkungen und Mehrbelastungen. Aber, was will uns Gott denn damit sagen?

Folgendes: „Wir haben nichts in diese Welt gebracht, darum werden wir auch nichts hinausbringen. Wenn wir aber Nahrung und Kleidung haben, so lasst uns daran genügen. Denn die reich werden wollen, die fallen in Versuchung und Verstrickung und in viele törichte und schändliche Begierden, welche die Menschen versinken lassen in Verderben und Verdammnis. Dann Geldgier ist eine Wurzel alles Übels. Danach hat einige gelüstet; sie sind vom Glauben abgeirrt und machen sich selbst viel Schmerzen. Aber du, Gottesmensch, fliehe das!“

Wir brauchen im Land einen neuen Lebensstil, der nicht mehr geprägt ist vom „Haben, Haben!“ sondern vom Sich-genügen-lassen.

„Genügsamkeit“ als neuer Lebensstil, das wäre ein Quantensprung in der seit Jahrzehnten gewachsenen Mentalität der 2. und 3. Nachkriegsgeneration. Wir haben immer noch einen hohen Lebensstandard.

„Wer reich werden will...“ – das ist nicht eine Frage des Bankkontos, sondern eine Frage der Orientierung des Herzens am Materiellen, der Faszination von Besitz und Geld und der Rückversicherung unserer Existenz. Daran haben wir wohl alle Anteil, darum ist die Angst, arm zu werden auch so weit verbreitet und darum der Widerstand gegen jede Art von Kürzung.

Dagegen hilft nur Dankbarkeit für das Vorhandene als Geschenk und Vertrauen in die Versorgung Gottes weiterhin. Das gilt persönlich und national. Dank und Vertrauen sind die Voraussetzung dafür, dass der „Gottesmensch“ wirklich frei wird von seinem Verwickeltsein in die Sorgen und Versuchungen des materialistisch orientierten Lebensstils.

Sicher hat die Bereitschaft zum Verzicht auch mit der sozialen Gerechtigkeit d.h. der gleichmäßigen Verteilung auf alle zu tun (siehe unten). Zunächst ist aber die Frage der Einsparung und Kürzung eine ganz individuelle. Sie wendet sich ganz persönlich an meine Bereitschaft, an der Last der Verschwendungssünden der Vergangenheit bzw. an der Last der Zukunft der Kinder mitzutragen und ebenso die Angst vor der Verarmung zu überwinden (denn sie ist in den meisten Fällen unbegründet).

Politik kann nur so weit gehen, wie die Bürger bereit sind mitzugehen. Als erste überhaupt hat Angela Merkel sich getraut, den Bürgern im Wahlkampf die unausweichlichen Opfer für Deutschland vor Augen zu stellen. Sicher hätte sie dabei das Moment der sozialen Gerechtigkeit stärker hervorheben sollen. Aber sie wurde von den Bürgern für diese Offenheit gnadenlos abgestraft, wiewohl jeder wusste, dass Einschnitte und Reformen nötig sind und kommen werden, egal wer gewinnt. Schröders Wählerstimmen-Aufholjagd war deshalb nur möglich, weil er virtuos auf der Klaviatur der Angst vor der „sozialen Eiszeit“ der Angela Merkel zu spielen wusste und dabei vergessen machte, dass er genau aus demselben Grund, wegen seiner Agenda 2010 in die Situation gekommen war, Neuwahlen anzusetzen. Dies zeigt, wie unreif die Bürger unseres Landes in Bezug auf Einschränkungen und Einschnitte sind.

Herr, wir sind Verzicht nicht mehr gewohnt. Wir verweigern uns dem Fasten in jeder Form. Herr, forme du mich zu einem Menschen, der in der Verantwortung für das Ganze bereit ist, seinen kleinen Beitrag zu leisten. Herr, ich danke dir, für alles, was ich haben darf täglich. Ich erkläre heute mein ausdrückliches Vertrauen auf deine Versorgung auch morgen und danach.

Herr, gib den Regierenden Weisheit und Mut, die nötigen Sparmaßnahmen zu treffen und gib unserem Volk den Willen mitzugehen.

2.1.3. Gott hat Deutschland eine schöne Nationalhymne nach dem großen Zusammenbruch aller Werte 1945 gegeben und den zerstörten Seelen neue, bessere Werte vor Augen gestellt, um die es sich zu bemühen lohnt. Diese Werte sollen uns auch heute, an diesem Neuabschnitt unserer Geschichte leiten:

Einigkeit – Recht – Freiheit.

Unter diese Werte stellen wir im Gebet auch die jetzigen Koalitionsgespräche und segnen unser Land, indem wir gleich 2x singen:

„Blüh im Glanze dieses Glückes, blühe deutsches Vaterland,

blüh im Glanze dieses Glückes, blühe deutsches Vaterland“.


Einigkeit

Eine große Koalition ist im Rahmen eines demokratischen Staatsgebildes das eindrücklichste Zeichen von „Einigkeit“. Gott ließ diese Wahl so ausgehen, dass keine Alternative zu einer solchen Koalition mehr möglich war. Und trotz harter Auseinandersetzungen vorher haben die Parteivorsitzenden der beiden Volksparteien diese Herausforderung zur Einigung angenommen und gestalten sie nun miteinander.

Es ist viel Gebet nötig für diesen Weg , denn jetzt geht es darum, (a) in der Sache das Gemeinsame zu finden und das Wohl des Volkes vor die Parteienprofilierung zu stellen d.h. kreativ zu neuen, gemeinsamen Lösungen vorzudringen – und das auf allen Gebieten. Angela Merkel spricht in diesem Zusammenhang gern von einer „Koalition der neuen Möglichkeiten“. Gott segnet Einigkeit stets mit neuen Ideen und neuer Dynamik. (b) In Bezug auf die Personen geht es darum (wie Schäuble sagte), einander Respekt zu zeigen und durch Freundlichkeit wieder gut zu machen, was man im Wahlkampf an Wunden geschlagen hat. Politiker sind Menschen wie du und ich und keine Maschinen. Darum ist auch hier Versöhnung die Voraussetzung für gute Zusammenarbeit, zur Einigkeit.

Herr, wir bitten dich für die Gespräche in Berlin um Heilung von Wunden durch ein neues Begegnen. Wir bitten dich in der Sache um Inspiration für neue Wege und neuen Elan, wie sie in einer großen Koalition entsteht, die Einigkeit lebt.

Recht

Hier scheint am deutlichsten etwas durch von der liebvollen Absicht Gottes mit unserem Land. Wäre es zu einer CDU/CSU/FDP-Koalition gekommen, dann wären die Reformen im ICE-Tempo durchgejagt worden. Angela Merkel war als Superreformerin hochgestylt worden und Guido Westerwelle wollte auch nur Gas geben.

Dies wurde völlig gestoppt. Denn das Moment der Rücksicht auf die Armen war über dem Reformeifer verloren gegangen. Gott aber ist das Recht der Armen zentral wichtig. Soziale Gerechtigkeit d.h. angemessene Verteilung der Lasten und dies auf alle – dies wird nun aus aller Munde als Nachbesserung gefordert, vom Arbeitnehmerflügel der CDU über die CSU bis hin zur SPD.

Es geht um einen Mittelweg zwischen Reformen, die nötig sind und sozialen Nachbesserungen vor allem bei Hartz IV. Ich glaube, dass dieser Mittelweg der Weg ist, den Gott mit unserem Volk gehen will. Denn jeder extreme Fortschritt löst in der Gegenreaktion den Rückschritt aus, der wieder Zeit braucht, bis er wieder aufgearbeitet ist. Nur ein maßvoller Fortschritt ist von Dauer. Außerdem macht er die Extremen auf der Rechten und Linken ratlos.

O Gott, gib den Gesprächspartnern das Gespür für einen guten Weg für alle.

Freiheit

Es geht momentan nicht um größere politische oder gesellschaftliche Freiheiten. Momentan geht es vor allem um eine Befreiung der Wirtschaft, es geht um eine Freisetzung von Unternehmergeist, wie nach dem Krieg, um einen Aufbruch von Erfindungen und Innovationen und vor allem um eine Befreiung der Betriebe von einer Unzahl von administrativen Vorschriften und Verordnungen. Es geht um eine Befreiung der Arbeitskosten von Nebenkosten und eine Vereinfachung der Steuergesetze. Vor allem geht es um eine Freiheit und Freude, etwas zu wagen, in Zukunft zu investieren, sowohl bei den Betrieben als auch bei den Privathaushalten. Der berühmte „Ruck“, der durch Deutschland gehen muss, ist nichts anderes als eine neue Freude an der Freiheit.

Nur wenn diese Freiheit der Ökonomie gewährt wird, wird es mit Deutschland wieder vorwärts gehen. Das Potential an Begabungen und auch an finanziellen Ressourcen in der Wirtschaft ist da. Es braucht jetzt nur noch eine Politik mit Inspiration und Verlässlichkeit, damit diese Potentiale in Gang kommen.

„Denn wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“. Geist Gottes, wir brauche dein Wehen gerade auch in dieser Hinsicht, auf diesem Gebiet der Wirtschaft. Wir bitten: Veni Creator Spiritus, komm du kreativer Geist Gottes!

2.2. Was soll abgewehrt werden?

Gleichzeitig mit der Bitte um die Entfaltung des Guten, dürfen wir Gott auch um die Abwehr von Bedrohung und die Verhinderung des Bösen bitten. Gott befähigt uns im Gebet, wie Kämpfer aufzustehen und dem Bösen in seiner Kraft Einhalt zu gebieten. Dies gilt im Persönlichen wie im Nationalen.

Wiederum nicht vollzählig, sondern nur in Auswahl seien hier einige Brennpunkte für das Gebet genannt.

2.2.1. „Glaubet ihr nicht, so bleibet ihr nicht“. Eines der größten Bedürfnisse, ja, in gewissen Sinn ein nationales Charakteristikum der Deutschen ist ihr Sicherheitsbedürfnis und dieses erwächst psychoanalytisch gesehen aus der Angst .

Es zeigt sich in der deutschen Regulierungsmanie von allem und jedem wie z.B. in der 3fach Versicherung vieler Deutscher. Die Kernkraftwerke in Deutschland sind die sichersten auf der ganzen Welt und „Made in Germany“ heißt: funktioniert bombensicher.

Das Sicherheitsbedürfnis verhindert aber Reformen, Wagnis, Innovation und Eigeninitiative. Es befördert andererseits Rückzug und Stillstand.

Lasst uns beten um eine Befreiung unseres Landes von einer Mentalität zwanghafter Kontrolle, um Unsicherheiten zu vermeiden. In einer Zeit, wo sich der Globus zum „Dorf“ öffnet, ist Rückzug tödlich. Der Glaube an den Gott, der sorgt, hat Menschen zu allen Zeiten von der Existenzangst befreit und zu neuen Initiativen befähigt.

2.2.2. Die Deutschen sind ein altes und vom Aussterben bedrohtes Kulturvolk . Es gibt geschichtlich genug Beispiele, die die Kennzeichen sterbender Kulturen demonstrieren. Eines der schlimmsten Kennzeichen überhaupt ist der sexuelle Libertinismus und die Entfernung von Kindern als Störfaktoren aus dem „dolce vita“ der Erwachsenen. Und das beginnt heute schon im Mutterleib – nach Gottes Ordnung der geschützteste Ort der Welt.

Hier ist ein massiver Aufstand der Menschen dieses Landes nötig, ein völliger Mentalitätsumschwung von der Mentalität alter Saturiertheit zur Mentalität neugieriger Lebensfreude, die junge Kulturen kennzeichnet, die natürlich Kinder wollen und Kinder mit auf den Weg nehmen. Wir müssen aufstehen in der Kraft des Herrn, der jederzeit bereit ist, uns einen „neuen beständigen Geist“ zu geben und uns „nicht von seinem Angesicht zu verwerfen“, wenn wir ihn bitten.

Lasst uns zu Gott umkehren und den Geist der Lust am Leben empfangen.

2.2.3. Die Zeit den Islam aus Europa zu verdrängen, ist vorbei. Die Zeit, vom Islam als Christen aus Europa verdrängt zu werden, steht in 1-2 Generationen in Aussicht. Wenigstens rechnen die Moslem damit.

Und wir Christen? Wir vertun die Zeit mit Nichts-tun heute und rechnen im Stillen selber mit dieser Islamisierung des Abendlandes morgen.

Auch hier – Gott überlässt uns unserem Schicksal und dann kommt es eben... „wie es kommen muss“? Nein, eben nicht. Es „muss“ gar nichts, sondern Gott hat tausend Weisen zu helfen. Aber er will, dass wir zu Ihm kommen um Rat. In anderen Teilen der Welt z.B. in Bangladesh kommen Tausende Moslem zu Jesus. Und Jesus begegnet immer wieder den Moslem in Träumen und Visionen. Und der Herr wirkt gerade unter Moslem oft die spektakulärsten Wunder.

Im Europa der echten Religionsfreiheit, geschützt durch Europäisches Recht, müsste es doch möglich sein, eine namhafte Moslem-Mission einzurichten. In der Charta der Grundrechte (Teil II der Europäischen Verfassung) steht in Artikel II-70 „Jede Person hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit. Dieses Recht umfasst die Freiheit, die Religion oder Weltanschauung zu wechseln, und die Freiheit, seine Religion ... zu bekennen“. So berechtigt und unbehelligt also ein Christ Moslem werden kann, so kann und darf in Europa also auch ein Moslem Christ werden. Wir müssen alles tun, dass dies auch in der Praxis so wird.

Was sich im Leben eines Moslem ändert, der Jesus als Gottes Sohn kennen lernt und Gott als Vater, der seine Kinder liebt, darüber gibt es bewegende Zeugnisse.

Herr, du Vater aller Menschen, zeig du doch deiner Gemeinde, wie sie heute dem Islam begegnen kann. Erbarme du dich der Millionen, die in kalter Gesetzeserfüllung hoffen, vor dir recht zu sein und nicht wissen, dass du sie in Jesus schon erlöst hast. Herr, es ist so schwierig, an Moslems menschlich heranzukommen. Hilf uns, Herr. Und verherrliche Deinen Namen vor ihnen auf jede Weise.

3. Zukunft

oder: Was ist unsere Aufgabe?

Über die nächstliegenden Aufgaben der Regierung ist schon viel gesagt worden und vieles davon ist oben schon genannt worden.

Daher soll es bei der Frage der Zukunft um unseren Anteil an der Mitgestaltung unseres Landes gehen.

„Gebet ist kein Ersatz für die Tat. Aber es ist eine Tat, die durch nichts zu ersetzen ist“. (Bischof i.R. Hans von Keler).


Gebet (ora)

Tat (labora)

Ortwin Schweitzer

Quellen : Stuttgarter Zeitung 25.20.05; FAZ-Sonntagsausgabe 23.10.; tagesschau.de 19.10.05; Der SPIEGEL Nr. 42 vom 17.10.05, Rhein. Merkur 27.10.05

In eigener Sache:

Wer für Weihnachten noch ein geeignetes Geschenk mit der Thematik „Deutschland“ sucht, den möchte ich auf meine beiden Bücher zu diesem Thema hinweisen.

„Die Rechte des Herrn ist erhöht“ (4,95 EUR) enthält als Kernstück eine ausgeführte prophetische Vision für das Deutschland dieser Jahre. Dazu die Beurteilung einiger bekannter geistlicher Persönlichkeiten und eine Zusammenstellung von biblischen Worten zu den hier gemachten Aussagen.

„Deutschland – meine Liebe“ (9,95 EUR) stellt die Frage nach der nationalen Identität der Deutschen in die Mitte und arbeitet sich Schritt um Schritt an die „deutsche Wunde“ heran, die alle Deutschen wie eine kollektive Verletzung mit sich tragen. Es geht um die Bearbeitung und Integration der NS-Zeit – nur wie? Das bisherige Echo vieler Menschen ermutigt mich zu glauben, dass ein gangbarer Weg heraus aus der deutschen Scham gezeigt wurde.

Zu bestellen beim Autor:

Ortwin Schweitzer, Erlachstr. 45, 70771 Leinfelden-Echterdingen

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