DIE POLITISCHE SEITE

Dezember 2005

Die neue Bundesregierung (1. Teil)

1. Die erste Regierungserklärung von Angela Merkel

Es gab eigentlich keinen, der vor der Wahl die Option einer „Großen Koalition“ begrüßt hätte. Es gab auch nicht viele, die einer Angela Merkel als Bundeskanzlerin viel zugetraut hätten, weniger als Frau, denn als Person. Die Große Koalition wurde als eine Regierung fauler Kompromisse vorher gesagt, die nur auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner würde operieren können, das Land aber brauche große tief greifende Reformen.

Diese Gedanken griff Angela Merkel in ihrer ersten Regierungserklärung vom 30. November vor dem Bundestag auf. „Wer hätte gedacht, dass heute eine große Koalition antritt, um unser Land gemeinsam in die Zukunft zu führen? Wer hätte gedacht, dass SPD und Union so viel Verbindendes entdecken, dass sie ein dichtes Programm vorlegen können? (Kurzes Gelächter setzt ein)? Wer hätte gedacht, dass mein Koalitionspartner von einem Parteivorsitzenden aus Brandenburg angeführt wird? Wer hätte gedacht, dass das höchste Regierungsamt schon dieses Jahr einer Frau übertragen wird?“

Antwort: Niemand, so gut wie niemand.

Dann fährt sie fort: „Das alles ist für uns alle eine Überraschung, manches davon auch für mich. Aber es ist nicht die größte Überraschung meines Lebens. Mit vielem habe ich früher gerechnet, aber nicht mit dem Geschenk der Freiheit vor meinem Rentenalter. Alle Wege endeten an einer Mauer, die nur wenige Meter von hier unser Land für alle Zeit zu zerschneiden schien. Wenn sie schon einmal im Leben so positiv überrascht wurden, dann halten sie vieles für möglich. Dabei möchte ich bleiben.“

Wer diese Worte hört oder liest, der spürt, dass irgendetwas Helles, Positives gesagt wurde, etwas, das öffnet.

Sie schlägt in einer hochoffiziellen Regierungserklärung – ihrer ersten! – einen ganz persönlichen Ton an. Damit entwaffnet sie Gegner, die schon bereit stehen, dagegen zu sein. Hiergegen kann man nicht sein. Nicht mal die PDS.

Denn hier spricht eine Stimme aus dem Osten. Einerseits fühlen sich damit alle Ostdeutschen verstanden, repräsentiert und wie von jedem selber formuliert. Zugleich aber erinnert sie ihre Leidensgenossen auch. Sie erinnert daran, wie das damals real war und spricht damit gegen das Vergessen und alle nostalgische Vergoldung der Vergangenheit heute.

Vor allem erinnert die Kanzlerin in ihrer ersten und programmatischen Rede an das Wunder vom 9. November 1989, als die Mauer aufging. Sie erinnert ohne es so auszudrücken, an die größte glückhafte Manifestation Gottes in der Geschichte unseres Volkes, Europas und in der Folge der ganzen Welt. Hier anzuknüpfen bedeutet bei einer Christin wie Angela Merkel, in Bezug auf die Zukunft des Landes und ihrer Arbeit auch mit dem wunderbaren Eingreifen Gottes heute zu rechnen. „Wenn Sie schon einmal im Leben so positiv überrascht worden sind, dann halten Sie vieles für möglich. Dabei möchte ich bleiben.“ Dies ist die säkulare Übersetzung ihres sehr betont gesprochenen Wortes bei ihrer Vereidigung: „So wahr mir Gott helfe!“ So wie er damals eingegriffen hat und uns gerettet hat, so wird er uns auch heute retten können. Und dabei möchte ich bleiben.

Herr, so bitten wir für unsere Bundeskanzlerin, dass du ihr diesen Glauben an dein Eingreifen erhältst und sie schauen lässt, wie sie geglaubt und erbeten hat.

2. Das Kabinett

Selten bekommt man in der Politik so anschaulich vor Augen geführt wie in den letzten Wochen in der Kabinettsbildung, wie Gott handelt. Und Gott handelt noch immer nach dem gleichen Prinzip wie vor 2000 Jahren: „Gott widersteht den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade“(1.Petr 5,5). „Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen“ (Lk 1,51f).

Als Erstes erwischte es Gerhard Schröder , der sich am Wahlabend so überhob, dass es ihm nachher selber peinlich war. Gott strich seinen Namen von der Regierungsliste. Er war Gottes Werkzeug, um endlich den Kurs des Landes zu ändern: Gott legte ihm die Agenda 2010 auf den Tisch und er nahm sie und setzte sie gegen die eigene Partei um des Landes willen durch. Das war sein Auftrag von Gott. Aber er überhob sich, „hob ab“, und musste gehen.

Ebenso Joschka Fischer , der sich so überhob, dass er auch seiner eigenen Partei entfremdet war. Er verschwand ins politische Nichts, nachdem er schon zuvor durch die Visa-Affäre vom Sockel gestoßen worden war.

Aber dann kam erst die eigentliche Lehrstunde Gottes, die so unauffällig begann, dass niemals jemand auf die Idee gekommen wäre, dass hier, von Gott ausgesehen, das künftige Kabinett Merkel zusammen gestellt wird.

Es ging im SPD-Vorstand um die Wahl des Generalsekretärs für den Parteivorsitzenden Müntefering. Er wollte, dass sein Kandidat Wasserhövel vom Vorstand gewählt wird. Die Vorständler hielten diesen aber für ungeeignet und ärgerten sich außerdem über die selbstherrliche Art ihres Vorsitzenden, mit der dieser seinen Willen (schon seit längerem) durchsetzte. Auf der anderen Seite stand nämlich Andrea Nahles , ehemalige Juso-Vorsitzende, eine talentierte und sehr ehrgeizige Jung-Politikerin, die absolut nicht zurückstecken wollte. So kam es zur Kampfabstimmung, bei der der Kandidat Münteferings verlor (45 Vorstandsmitglieder, 23 Stimmen für Nahles, 14 für Wasserhövel).

Dies veranlasste Franz Müntefering, sein Parteiamt als Vorsitzender der SPD niederzulegen, da er das Vertrauen des Vorstandes nicht mehr besitze. Die Vorstandsmitglieder waren bestürzt. Sie wollten doch nur ihrem Vorsitzenden ein Signal zu seinem Stil geben und nun wackelte die ganze Partei, ja sogar die ganzen Koalitionsverhandlungen standen in Frage. Andrea Nahles war völlig verwirrt und traute sich beim Parteitag wenig später nicht mal mehr für den Posten eines Stellvertreters des Parteivorsitzenden zu kandidieren.

„Münte“ war zum Glück bereit, dennoch die Koalitionsverhandlungen weiterzuführen und als Vizekanzler und Arbeitsminister dem Kabinett beizutreten. Von seinem Sturz an liefen die Verhandlungen leichter, flüssiger und wurden rechtzeitig fertig. Das Verhältnis zwischen Merkel und Müntefering verbesserte sich zusehends.

Und wen rückte Gott an seine Stelle? Matthias Platzeck (51), Ministerpräsident von Brandenburg. Dieser Wechsel war als Verjüngung schon länger vorbereitet. Aber später! Nun ging es um Stunden. Nach 2 Tagen war alles klar. Welch eine Gnade!

Wer ist aber dieser relativ unbekannte Platzeck? Er ist bekannt als ein völlig unehrgeiziger, sachlicher Mann, mit Autorität und Gabe zum Ausgleich. Er führt in Potsdam seit einigen Jahren schon eine Große Koalition als Regierung und er ist wegen seiner Bescheidenheit sehr beliebt beim Volk. Wie Angela Merkel ist er Naturwissenschaftler und in der DDR aufgewachsen, von woher sie sich schon kennen. Er ist Pragmatiker und kein SPD-Ideologe, zumal er erst vor 10 Jahren der Partei beigetreten ist. Wie man hört, ist Platzeck vor 15 Jahren aus der Kirche ausgetreten, aber ist nach jahrelangen Gesprächen mit einem Pfarrer vor 3 Jahren wieder eingetreten.

So erhebt Gott die Niedrigen und stößt die vom Thron, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.

Dies wurde vollends deutlich am Sturz von Edmund Stoiber . Dieser wollte offenbar schon länger wieder zurück nach München, hatte aber zuvor viel Druck gemacht, um das Wirtschaftsministerium zu bekommen plus Ressorts von anderen Ministerien (Technologie, Europa). Er hatte sich sehr breit gemacht. Was aber das Schlimmste war, er schadete Angela Merkel, wo er konnte. Schon im Wahlkampf, aber auch jetzt, als er mit Müntefering (dem politischen Gegner!) gleich zu Anfang der Koalitionsverhandlungen lautstark forderte, dass in einer solchen Konstellation wie jetzt, Merkel ihre Richtlinienkompetenz, die ihr als Kanzlerin zusteht, nicht ausüben dürfte.

Gleichzeitig merkte Stoiber aber, dass er in Berlin u.U. vor einer Aufgabe stand, an der er scheitern könnte und ihm gleichzeitig Bayern als Rückhalt verloren ginge, so dass er versuchte, ohne Gesichtsverlust wieder aus der Merkel-Mannschaft herauszukommen. Den Anlass dazu schien ihm der Rücktritt Münteferings zu bieten, so dass er mit dieser Begründung zwei Stunden später seinen Verzicht auf das Wirtschaftsressort und seinen Rückzug nach Bayern ankündigte. Frau Merkel nahm es mit Respekt zur Kenntnis. Die Presse höhnte und erinnerte an Lafontaines Flucht 1998.

In Berlin weinte ihm keiner nach, aber in Bayern ärgerten sich viele. Öffentlich musste sich Stoiber beim Parteitag wenig später bei seiner Partei entschuldigen – eine Demütigung, die man sich vor wenigen Monaten niemals hätte vorstellen können.

Nur auf höchsten Druck von Stoiber war Horst Seehofer ins Kabinett gekommen – gegen Merkels erklärten Willen. Stoiber setzte Seehofer als einen ihrer erklärten Gegner Angela Merkel als „Stachel ins Fleisch“. Und was macht Gott? Als Stoiber weg war, wandelte er das Herz von Seehofer (eines guten Politikers!), so dass er sich umwandelte und Gutes über die Kanzlerin sagte und sie sofort auch öffentlich über ihn. So wurde dieser fähige Mann befreit vom Hass und befreit zu seinen besten Potentialen – was sich gleich darauf im Fleischskandal zeigt. Er wurde durch Stoibers Wegfall zum kooperativen Mitglied eines Kabinetts, das Merkel im kameradschaftlichen Stil führen möchte.

Nachfolger Stoibers im Wirtschaftsressort, das die CSU besetzen darf, wird Michael Glos , bisher Fraktionsvorsitzender der CSU im Bundestag. Da er Inhaber eines Getreidemühlenbetriebes ist, ist er nahe genug an der Wirtschaft, besonders am Mittelstand dran und – wie man sagt – von daher für das Wirtschaftressort geeigneter als Stoiber. Zugleich ist er seit 1976(!) im Bundestag und somit sehr erfahren in der Bundespolitik. Durch seine humorvolle, faire Art hat er viele Freunde und auch Respekt bei den politischen Gegnern gewonnen. Er ist einer der wenigen, den Angela Merkel duzt.

Somit hat Gott einen weiteren Mann herein gebracht, der kompetent ist und der die Kanzlerin echt unterstützt. Er ist ein Mann, dem man vertrauen mag, was in der Wirtschaft momentan nötiger ist als alles. Gott ist gut!

Auch die anderen Minister sind die qualifiziertesten ihrer Partei:

Thomas de Maizière (CDU), Chef des Kanzleramtes, ist ein „Wossi“ und war in Dresden bereits als Finanz-, Justiz- und Innenminister tätig. Er half, die große Koalition in Sachsen zu managen. Er besitzt die Fähigkeit, in verworrenen Situationen den Überblick zu bewahren. Außerdem engagiert er sich als Mitglied der Landessynode der evang.-luth. Kirche in Sachsen.

Franz Müntefering (SPD) ist gelernter Industriekaufmann, war in verschiedensten Minister- u.a. Posten und ist ein loyaler Mitarbeiter. Er ist katholisch und hat, soviel mir bekannt, auch noch lebendige Verbindungen zu seiner Kirche aus Überzeugung.

Frank-Walter Steinmeier (SPD), Außenminister. War Schröders enger Mitarbeiter als Kanzleramtsminister und hat alle politischen Entwicklungen der Regierung Schröder wesentlich mit bestimmt (Agenda 2010, Haltung zum Irakkrieg etc). Ein eher zurückhaltender Mann, den Angela Merkel sehr schätzt.

Peer Steinbrück (SPD), Finanzminister. Anders als Hans Eichel, der vom Lehrerberuf herkam, ist Steinbrück studierter Volkswirt. Vor allem hat er Erfahrung als Finanzminister und später als langjähriger ehemaliger Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Ein außerordentlich klarer Mann in Wort und Tat.

Ulla Schmidt (SPD), Ministerin für Gesundheit und soziale Sicherung hat eines der umkämpftesten Ressorts; sie hat sich durch die Jahre seit 2001 Respekt verschafft in der Ärzteschaft, Pharma-Industrie und bei den Versicherungen. Sie sagt in der „Politiker-Bibel“, dass ihr liebstes Bibelwort Prediger 3,1 sei: „Ein jegliches hat seine Zeit und alles unter dem Himmel hat seine Stunde“. Warum? „Diese Worte geben Halt im Hier und Jetzt. Sie ermöglichen den Blick nach innen. Sie ermöglichen Gelassenheit, das eigene Tun zu hinterfragen und neue Antworten zu suchen. Sie ermöglichen ... Kraft zu tanken.“

Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), Entwicklungsministerin seit 1998. Sie war es, die sich bei der 100. Wiederkehr des Hereroaufstandes in der damaligen deutschen Kolonie „Südwest-Afrika“, heute Namibia, offiziell entschuldigte und „im Geist des Vater-Unsers um Vergebung bat“ für das Gemetzel, das deutsche Truppen damals unter den „Negern“ verübt haben.

Brigitte Zypries (SPD), Justizministerin seit 2002 als Nachfolgerin von Herta Däubler-Gmelin. Sie war es, die für Schröder im Sommer 2002 die Fluthilfe organisierte, die sehr wesentlich zu seinem damaligen Wahlsieg beitrug.

Sigmar Gabriel (SPD), Umweltminister, Ministerpräsident in Niedersachsen von 1998-2003. Ein Polemiker, einer der es zuspitzt und medienwirksam „rüberbringt“, einer der lieber voran geht, als sich unterordnet.

Wolfgang Tiefensee (SPD) Minister für Verkehr und Aufbau Ost. Er war Oberbürgermeister von Leipzig und gilt neben Platzeck als einer der Hoffnungsträger der SPD im Osten, der er aber erst 1995 beitrat. Er brachte Leipzig nach vorne, sowohl bei der Industrieansiedlung wie bei der Olympiabewerbung. Ein integrer und glaubwürdiger Mann.

Wolfgang Schäuble (CDU), Innenminister. Mit seinen 33 (!) Dienstjahren im Bundestag wohl der erfahrenste Politiker an Merkels Seite. Außerordentlich kompetent auf allen Gebieten ist er, der politisch und persönlich durch tiefe Täler ging, heute auch ein außerordentlich gereifter Mann. Man kann Gott nur danken, dass dieser Mann im Kabinett sitzt und dass er für das Land im Inneren zuständig ist.

Annette Schavan (CDU), Bildungsministerin. Sie war 10 Jahre Kultusministerin im Kabinett Teufel in Stuttgart. Bekannt wurde sie durch ihren Einsatz für ein Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen an staatlichen Schulen. Sie ist praktizierende katholische Christin und war jahrelang Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Sie ist eine langjährige Freundin von Angela Merkel.

Ursula von der Leyen (CDU), Familienministerin. Ärztin, Mutter von 7 Kindern, Tochter des früheren Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, Hannover, ist Quereinsteigerin. Ihre politische Karriere begann erst 2001. MP Christian Wulff ist ihr großer Förderer. Ihr Charme, ihre Redegewandtheit und ihre Art, Menschen zu gewinnen, machten sie populär.

Franz Josef Jung (CDU), Verteidigungsminister. Jurist aus Hessen, erfahren auf vielen Politikfeldern, MP Roland Kochs „Allzweckwaffe“ und zuletzt bei ihm Leiter der Staatskanzlei. Er hat, anders als Peter Struck, auch selber „gedient“.

Die anderen CDU/CSU-Minister Michael Glos und Horst Seehofer wurden schon erwähnt.

3. Die Bundeskanzlerin

Was Angela Merkel betrifft kann man nur sagen: Auch an ihr hat Gott gehandelt. Zuerst hat ER sie, die zeitweise mit ihrer CDU 20% vor Schröder lag, in der Wahlnacht tief gedemütigt, indem sie alles verlor und bis auf 0,9% an die Schröder-SPD heran rutsche. Sie wirkte wie zerstört.

Als solche aber gab sie nicht auf, fasste Mut und beharrte auf ihrem Anspruch - und veränderte als Veränderte total ihren Ton. Aus der vollmundigen Oppositionschefin wurde im Lauf von wenigen Tagen eine angenehme Moderatorin, die auch dem Gegner Respekt und Raum gab, Fairness übte, Brücken baute bis in ihre Regierungserklärung hinein und einen neuen, einen kameradschaftlichen angstfreien Stil in die Gespräche und dann ins Kabinett brachte. Dies soll ein Kabinett der „neuen Möglichkeiten“ werden, wo neue Möglichkeiten jenseits der Parteiräson gesucht werden sollen

Gott hat ihr Raum geschaffen und Respekt. War sie zunächst eingeklemmt zwischen den beiden Parteivorsitzenden Müntefering und Stoiber, die ihr ihre Richtlinienkompetenz entwinden wollten, so klappte Gott an einem Tag (31.10.) innerhalb von 2 Stunden zuerst den einen weg und dann gleich noch den anderen – und sie stand da, befreit und – ohne dass sie was tun musste – mit dem Nimbus der Standfesten, für die plötzlich jeder froh war, dass sie wenigstens stehen blieb. Der Herr erhöht die Niedrigen in einem Augenblick: so sieht das aus.

Es ist so erholsam, die besten Köpfe der beiden Parteien einmal nicht streiten, sondern sinnvoll kooperieren zu sehen und sie Gutes übereinander sagen zu hören. Es scheint auch, als sei Versöhnung zwischen ihnen - unausgesprochen? – eingetreten in Bezug auf die mancherlei Verletzungen des Wahlkampfes. Und der Zeit davor. Denn seit 36 Jahren waren CDU und SPD einander Gegner. Das ist Segen Gottes über dem Land. „Siehe, wie fein und lieblich ist's, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen, denn dorthin hat der Herr den Segen befohlen, Leben bis in Ewigkeit“(Ps 139,1.3). Unser Land braucht diesen Segen so dringend, in geistlicher und wirtschaftlicher Hinsicht. Denn dieser Segen bedeutet Frieden und Frieden bewirkt Vertrauen. Vertrauen aber bewirkt Mut und Mut eröffnet Zukunft.

Und ist es nicht auch Segen, dass nun ausgerechnet zwei Ostdeutsche die schrittweise Erneuerung des Landes durchführen dürfen? Gott richtet damit unsere ostdeutschen Mitbürger erneut auf, die so oft unter Minderwertigkeitsgefühlen leiden, auf denen dann die PDS ihre Nostalgiemelodien intoniert. Nun aber zeigt sich: Es waren 1989 in Leipzig die Montagsdemonstrationen und die vorausgehenden Gebete, die die Wende brachten; und nun 2005ff sind es wieder zwei aus dem Osten, die die Wende einläuten; Gott erhört unsere Gebete und fügt innerlich zusammen, was zusammen gehört. Dies war seine Absicht, sein Geschenk an uns.

Und noch eine Erneuerung setzt Gott mit Angela Merkel: Zum 1. Mal wird Deutschland von einer Frau regiert. Sie hat nie aus ihrem Frau-Sein Kapital geschlagen und ihr Frau-Sein war bei der Wahl auch kein Faktor. Dennoch aber ist ihr Frau-Sein bei Gott volle Absicht und ein Faktor, unser Land zu segnen. Denn Frauen können „stereo“ denken, Männer nur „mono“, was mit der unterschiedlichen Leistung der beiden Gehirnhälften beim Mann und bei der Frau zu tun hat. Ein Mann schaltet in schwierigen Situationen leicht auf Durchsetzung und Macht; eine Frau wie Angela Merkel kann warten mit der Antwort, was bei Männern leicht als „Mangel an Durchsetzungskraft“ ankommt, bis sie merken, dass sie plötzlich auf der Verliererseite sitzen. – Dass Gott unserem Land eine Frau als Kanzlerin gibt, ist nicht eine Nebensächlichkeit, auch nicht eine Neubelebung der Feminismus-Debatte, sondern ein Anfang zum Frieden für die Frauen in unserem Land, ein Beitrag zur Versöhnung der Geschlechter und ihrer fröhlichen Kooperation in der Verschiedenheit ihres Könnens. In dieser komplexen Situation sollen Männer einmal erleben, wie gut es ist, von einer fähigen Frau geführt zu werden. Es könnte sein, dass ihr Vorname zu einem Programm von Gott her wird und sie zu einer „Engelin“ für dieses Land werden darf.

Persönlich hatte ich mit der Eignung von Angela Merkel Probleme während ihres Wahlkampfes. Seit dem Desaster der Wahlnacht sehe ich, wie Gott ihr Gnade um Gnade gibt und ER sie gebraucht. Möge sie in der Demut bleiben, damit der Segen weiter fließen kann über ihr und dem Land. In verschieden Vorträgen und Interviews hat sie in den letzten Wochen ihren Glauben als Christin klar bezeugt und dieser Glaube wird sie in ihrem Handeln bestimmen und bewahren vor Hochmut von innen und vor den Giftpfeilen von außen. Es geht nicht darum, dass sie Pfarrerstochter ist, sondern dass sie ihren eigenen Glauben hat und bezeugt.

Wie gut ist Gott!

Vor Jahren hörten wir einmal von Norwegen, dass die Beter anstehende Wahlen mit Beten und Fasten vorbereitet hatten und das Ergebnis ein Kabinett war, in dem die Hälfte der Minister (oder mehr?) bekennende Christen waren.

Langfristig ist in unserem Land in den letzten Jahren der Pegel des gesellschaftsbezogenen Gebets deutlich gestiegen. Immer mehr Christen verstanden, dass Gott kontinuierliches und ernstliches Gebet auch auf dem politischen Gebiet erhört – auch wenn es manchmal dauert.

Die geistliche Großwetterlage in unserem Land hat sich verändert. Wir haben um einen Abzug der dunklen Wolke über unserem Land gebetet.

Durch den Regierungswechsel hat sich nun auch im Politischen die Großwetterlage verändert. Dies hat einen Zusammenhang mit den geistlichen Veränderungen und öffnet gleichzeitig dem Geistlichen neu Tore des Segens.

Damit meine ich konkret zwei Fakten:

(a) Wir haben um ein Kabinett gebetet, in dem möglichst viele Minister bei ihrem Amtseid vor dem Parlament und allen TV-Kameras des Landes den Zusatz sprechen: „So wahr mir Gott helfe“. Seit dem 1. und 2. Kabinett Schröder ist dieser früher rein formale Zusatz zu einem Bekenntnis des Glaubens an Gott geworden. Wie viele Minister würden jetzt diesen Zusatz machen? Vor allem aus der Riege der SPD-Minister? Am Dienstag 22. November war es so weit... und alle Ministerinnen und Minister bekannten am Ende ihres Eides: „So wahr mir Gott helfe“. Sie bekannten damit einen persönlichen Glauben an den Gott, der die Weltgeschichte lenkt und der ihnen bisher auch persönlich geholfen hat und künftig helfen werde.

Eine Ausnahme gab es: Justizministerin Brigitte Zypries ließ diese Worte weg, da sie diese auch 2002 nicht gesprochen hatte. Dieser Zusatz hätte ihr jetzt – selbst wenn sie es gewollt hätte – den Vorwurf der Anpassung eingebracht.

Es gibt also jetzt in Deutschland ein Kabinett, eine Regierung, die partei- und konfessionsübergreifend miteinander verbunden ist durch den Glauben an den lebendigen Gott und sein Wirken heute im politischen Alltag. Ob ein (liturgisches?) Gebet am Anfang einer Kabinettssitzung da nicht denkbar wäre? Dies würde die ganze Atmosphäre am Tisch prägen. Und sicher die Effektivität steigern. Könnte das Kabinett nicht dazu im Wechsel den Beauftragten der Evang. Kirche Dr. Stefan Reimers, den der Kath. Kirche Dr. Karl Jüsten oder den der Freikirchen bzw. der Ev. Allianz einladen?

(b) Über das Kabinett hinaus hat Deutschland heute drei bewusste Christen in den drei höchsten Stellen des Staates – welch ein Glück für ein Land! Viele Male zeigt uns das Alte Testament den Zusammenhang zwischen dem Gottesverhältnis des Königs und dem Wohlergehen des Volkes. Die Leitung des Staatswesens ist der Flaschenhals durch den Segen auf das Land kommt oder Fluch.

Der erste Mann im Staat ist der Bundespräsident Horst Köhler. Dieser hat seinen Glauben an Gott und an Gottes Liebe zu Deutschland bezeugt von seiner 1. Rede an, die er abschloss mit den Worten: „Gott segne unser Land!“ Er lebt und arbeitet im Bundespräsidialamt in einer Umgebung, wo ihm vielleicht nicht viele glaubende Mitarbeiter zur Seite stehen und den Rücken stärken. Insofern sollten gute Ratgeber in seiner Umgebung sein.

Der zweite Mann im Staat ist der Bundestagspräsident. Das ist seit Oktober Dr. Norbert Lammert (CDU). Er ist 57 Jahre alt, seit 1980 im Bundestag und war schon in der letzten Periode Vizepräsident des Bundestages. Er ist katholischer Christ und liest die Bibel und kennt sich gut aus. In der „Politikerbibel“ schreibt er, dass sein Lieblingswort in der Bibel Mt 26,75 steht: „Und er ging hinaus und weinte bitterlich“: Dieses offensichtliche Missverhältnis bei Petrus von Anspruch und Wirklichkeit sei, so schreibt er, „für mich als politisch handelnder Christ eine Mahnung und eine Ermutigung“ zugleich. Der schönste Satz aber in der Bibel, der das Verhältnis des Menschen zu Gott beschreibt, stehe in Joh 21,17: „Herr, du weißt alle Dinge, du weißt auch, dass ich dich lieb habe“. Dies ist wohl als ein persönliches Zeugnis zu verstehen.

Angela Merkel als Kanzlerin steht an 3. Stelle im Staat. Gott hat sie gebraucht, Nr. 1 und Nr. 2 in ihr Amt zu bringen. Sie hat eine hohe Begabung, die richtigen Leute zu finden. Und Gott hilft ihr dabei und entfernt falsche Personen aus ihrer Umgebung.

GEBET

•  Anbetung dem Gott, der so souverän Geschichte schreibt.

•  Dank, dass Gott unser Land offensichtlich so liebt, dass er sich so viel Mühe um uns gibt. Danke für alles, was wir erkennen und auch für das, was wir nicht erkannt haben.

•  Bitte um das Zusammenwachsen von Ost und West.

•  Dank für die Große Koalition und für den Frieden und die Beruhigung, die davon ausgehen.

•  Dank für die drei Christen an der Spitze unseres Staates: BP Köhler, BTP Lammert, BK Merkel.

•  Bitte für sie um die richtigen Berater, Helfer, Redenschreiber, Sekretäre etc. und dass viele betende kompetente Christen unter ihnen sind.

•  Dank für dieses Kabinett.

•  Bitte für

•  einzelne Minister, um Weisheit, richtige Entscheidungen und Schutz

•  guten Umgang miteinander,

•  Vertrauen zueinander,

•  gute Kooperation der Ministerien,

•  Autorität der Kanzlerin ohne Anstrengung, im Kabinett, im Volk, in der Welt,

•  Gebet am Anfang einer Kabinettssitzung.

•  Bitte um die Ehen und die Familien unserer Spitzenpolitiker.

Ortwin Schweitzer

Quellen : Deutschlandfunk; Stuttgarter Zeitung 14.10.; 18.10.; 2.11.; 1.12.05; - FAZ –Sonntag 6.11.05;- DIE ZEIT 17.11.05; - EINS! Die Ev. Allianz Nr. 4/2005; - Kürschners Volkshandbuch, Deutscher Bundestag, 15. Wahlperiode (2002-2005); - K. Jüsten/St. Reimers: Suchet der Stadt Bestes. Politikerbibel, Friedrich Wittig Verlag, Kiel 2004.

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