DIE POLITISCHE SEITE

März 2004

 

 

Was ist nur los mit Deutschland?

 

Ich bin im Land nicht bekannt für Trauerbotschaften und Kassandrarufe.
Vielmehr gelte ich bei manchen als „unverbesserlicher Optimist“.
Und „typisch Ortwin“ ist, wenn ich meiner Hoffnung wieder einmal stark die Flügel verliehen habe.

Daher ist es für mich selber erstaunlich gewesen, dass mich der Herr eines Morgens in die Unruhe über Deutschland führte, und dann gleich anschließend in die Frage nach dem Zustand der „Beter-Armee“ und zuletzt in die Frage nach mir selbst.

 

Information

 

Der Zustand unserer Republik im Moment ist erbarmungswürdig.
Es ist wie in einem Saal, wo das Licht ausgefallen ist und alles rennt und redet durcheinander, ohne dass man den Eindruck hat, dass wirklich Hilfe geschieht.

 

Verwirrung in Deutschland.

Alles schaut auf die Regierung. Kanzler Schröder versucht, Ruhe auszustrahlen und sich andererseits als Motor für Innovationen darzustellen.

Seinen Reformwillen hat er im März 2003 als Agenda 2010 vorgestellt. Aber seine Partei empfindet seine Reformen als Verrat an den sozialdemokratischen Prinzipien. Nur mit Rücktrittsdrohungen brachte der Kanzler seine Partei auf seinen Kurs, bis jetzt die Partei ihn als Vorsitzenden zum Rücktritt zwang (durch massenhafte Austritte).

In seinem Kabinett kippt ein Minister nach dem anderen um vom Hoffnungsträger zum Problemfall: Hans Eichel als Finanzminister; Ulla Schmidt als Ministerin für Gesundheit; Manfred Stolpe verursachte ein endloses Maut-Debakel; Otto Schily macht Schlagzeilen mit der Umsiedlung der Geheimdienste nach Berlin und rutscht aus auf dem NPD-Verbot.

Eine Kabinettsumbildung kann sich der Kanzler aber im Moment nicht erlauben, weil der sich nach dem unfreiwilligen Verzicht auf den Parteivorsitz in seiner eigenen Position zu schwach fühlt. Er ist verunsichert. Es könnte ihn mitreißen.

Die Tage der Regierung Schröder seien gezählt, schrieb neulich eine Zeitung. 14 Wahlen auf Kommunal- und Länderebene dieses Jahr – und alle, soweit absehbar, mit herben Verlusten für die SPD.

Doch die Opposition will offenbar keinen Sturz der Regierung Schröder im gegenwärtigen Zeitpunkt. Dies würde nämlich Neuwahlen bedeuten. Aber trotz Umfragehoch ist im Moment die Frage völlig ungeklärt, wer im Fall von Neuwahlen die CDU/CSU denn als Kanzlerkandidat im Wahlkampf führen sollte: Stoiber – Merkel – Koch – Merz - ?

Auch liegen die Positionen der beiden Schwesterparteien CDU und CSU in Fragen der Steuerreform u.a. Themen noch sehr weit auseinander. Und dahinter lauert ständig die Frage: Wer setzt sich durch, d.h. die Machtfrage, die Kanzlerfrage.

Und über eines muss sich jeder klar sein: eine SPD-geführte Regierung muss auf Grund ihrer Parteigeschichte bei Reformen trotz allem stärker auf soziale Härten Rücksicht nehmen als eine CDU-geführte. Ob Hartz-Reform (SPD) oder Herzog-Reform (CDU) – die Vorschläge liegen nicht so weit auseinander d.h. keine Neuwahl führt an den harten Einschnitten vorbei.


Verwirrung in Deutschland.

Auch bei der Nachfolge-Suche von Bundespräsident Rau. Diese Wahl war immer schon auch eine parteipolitische Angelegenheit. So wie dieses Mal ist aber noch kaum einmal geschachert worden, so dass BP Rau erst kürzlich kritisch dazwischen rief, dass es bei der Wahl des BP nicht um den Vertreter einer Partei, sondern um die Wahl des am besten Geeigneten gehe.

 

Verwirrung in Deutschland

auch im Verhältnis zwischen Ost und West. Was haben wir nur aus dem unverdienten Gottesgeschenk der Wiedervereinigung gemacht? Im Westen die Stimmung: Wir haben jetzt genug bezahlt. Im Osten der Eindruck, über den Tisch gezogen worden zu sein und nur so lange noch eine Chance zu haben, wie man als „Billiglohn-Land“ gebraucht werden kann, als billigerer Industriestandort. Der eine Kanzler versprach „blühende Landschaften“, der andere, den Osten „zur Chefsache“ zu machen; aber immer noch gelten verschiedene Löhne für die selbe Arbeit; immer noch ist die Arbeitslosigkeit im Osten dreimal so hoch wie im Westen. Im Osten floriert inzwischen der Handel mit DDR-Erinnerungsstücken, aus „der guten alten Zeit“. Vergessen die Schrecken des SED-Regimes: alle Aggressionen richten sich heute auf „den Westen“, die DDR wird verklärt.

 

Verwirrung in Deutschland

auch in und durch Deutschland in der Europapolitik.

Hans Eichel legt zum dritten Mal einen Haushalt vor, dessen Neuverschuldung mehr als 3% des Bruttosozialprodukts übersteigt. Anstatt – wie von den Deutschen (Waigel CDU 1993) selbst gefordert – den dafür fälligen „Strafbetrag“ an die EU zu entrichten, suchte er Bundesgenossen, die – „Sünder“ wie er – ihm bei der Abstimmung im Rat helfen sollten, die fällige Strafe abzuwenden. Dies bedeutet trotz aller Beteuerungen die Aufgabe der unbedingten Geltung des Stabilitätspakts. Denn was sich ungestraft Deutschland und Frankreich erlauben können, darf sich doch wohl in Zukunft jeder andere Staat auch erlauben, vor allem die Neuen im Osten. Das heißt, aus nationalegoistischen Gründen hat Deutschland die Stabilität des Euro ins Rutschen gebracht.

 

Und auch politisch ein Signal der Verwirrung für Europa: Anfang Februar trafen sich Chirac und Blair bei Schröder. Die Furcht der kleineren Staaten, von den vier Großen (drei + Italien) dominiert zu werden, wird verbal herunter geredet, faktisch aber bestätigt durch die Forderung nach Einrichtung eines Superministers für Wirtschaft, Finanzen und Umwelt (der ihnen genehm ist).

Zu einem Zeitpunkt, da der irische Rats-Präsident Bertie Ahern bei Polen und Spanien mit großem Nachdruck um eine Zustimmung wirbt zur neuen Verfassung, ist dieses Treffen das absolut falsche Signal, denn es bestätigt voll die Furcht Polens, nach dem Beitritt unter die Fuchtel Deutschlands und Frankreichs zu geraten.

 

Was ist nur los mit Deutschland?

Sollen wir mit schimpfen auf die Regierung? Es zeigt sich, dass der Schaden größer ist als nur „die Regierung“.

Sollen wir die Augen zumachen vor unserer Situation und uns einfach ins Privatleben zurückziehen und „die da oben“ wurschteln lassen? Das verbietet uns unsere Mitverantwortung für unser Staatswesen.


Hintergründe

 

Die Schrift gebietet uns an vielen Stellen, für die jeweils im Amt befindliche Obrigkeit zu beten. Wenn es eine schlechte Regierung ist, wird das Gebet, das Gottes Willen über der Regierung ausruft, auch bewirken, dass diese Regierung abgelöst wird. Für den Sturz einer Regierung zu beten, dafür finde ich in der Schrift keinen Anhaltspunkt. Wohl aber dafür, dass Männer und Frauen, dass Beter in den Riss treten.

 

„Riss“, das ist eine Lücke in der Mauer, wo etwas heraus gebrochen ist vom Schutz eines Gemeinwesens. „Riss“, das ist die bedrohteste Stelle, wo der Feind eindringen kann oder – schon eingedrungen ist.

Ich habe den Eindruck, dass Chaosmächte in letzter Zeit verstärkt in unser Land eingebrochen sind, dass der Durcheinanderbringer und seine Helfer mehr und mehr Raum in unserer Nation beanspruchen.

Die Frage legte sich mir aufs Herz: Wo waren wir? Waren die Beter wach genug? Standen sie bereit mit dem scharfen Schwert und der ganzen Waffenrüstung? Wurden wir schlapp und schläfrig? Haben welche ihren Platz nicht eingenommen oder sind ganz abgetreten?

 

Wo ich hinkomme im Land, treffe ich die Treuen, die Mutigen; aber bei jedem Treffen höre ich leider auch – oft schon im Vorfeld -: „wir haben aufgehört“ oder „wir sind weniger geworden“ oder „die Listen werden nur noch mit Mühe voll“.

Ich bin froh für jede solche Aussage, weil sie ehrlich ist und auch das Vertrauen zu mir und der Runde zeigt, dass man hier auch Lasten sagen darf. Aber sie machen auch traurig. Denn die gegenwärtige Situation braucht jeden auf seinem Posten „im Riss“. Und zwar zum Kampf bereit.

 

Aber noch eine Frage stellte sich mir, nachdem ich die Situation betrachtete: Wo war ich?

Habe ich mein Herz oder nur meine Zeit hinein gegeben? Bin ich nach 4 Jahren nicht in eine Routine verfallen? Ja, brenne ich denn? Brennt es denn in mir noch so wie am Anfang? Habe ich denn meine nächsten Geschwister so gestärkt, wie sie es gebraucht hätten? Pflege ich „den Wächterruf“ oder die Menschen? Wie leite ich meine Brüder und Schwestern an? Höre ich genug auf Gott oder nur auf die Um-Stände? Wohin leite ich meine Beter-Geschwister?

 

Wir sind als Beter schon so weit trainiert, die Missstände nicht zu beschimpfen, sondern zu bebeten. Wir sind auch gewohnt „in den Riss zu treten“ und stellvertretend für Sünde anderer um Vergebung zu bitten. Ich auch.

Hier aber stellte mich der Herr persönlich. Er fragte mich über dem Unglück im Land nach meiner Haltung der Liebe, meiner Hingabe an unser Volk, nach meinem Versagen in Bezug auf meine Berufung.

Wie soll Deutschland in seine Berufung kommen, wenn ich nicht in meine Berufung trete?

 

Gebet

 

O Gott, Herr der Welt und unseres Landes, vergib mir und uns (wo es auch andere betrifft) alle Routine, Schläfrigkeit und Seufzen, mit der wir Deinen heiligen Dienst, vor dir für unser Land zu stehen, in letzter Zeit ausgeübt haben. Vergib mir/uns alle Lässigkeit und Fahrlässigkeit. Vergib mir/uns auch alle Resignation, in der wir mehr und mehr angenommen haben, dass wir doch nicht viel verändern können. Statt regiert, haben wir resigniert. Wir haben dem Feind Raum gegeben im Land.

Vater, wir haben die Dinge treiben lassen, sowohl unter uns, wenn Beter-Geschwister wegblieben, als auch im Land die politischen  Entwicklungen, die dadurch immer schwieriger wurden. Vergib uns, dass wir Deinen Schmerz auf allerlei Weise neutralisiert haben. Mach uns, Vater, wieder zu Empfängern Deiner Gefühle für Deutschland.

 

Wir wollen in den Riss treten für Sünden unseres Volkes soweit es der Heilige Geist zeigt. Stellvertretende Buße. Nicht mehr als 2 – 3 Dinge, über diesen aber, soweit möglich, die Bewegung des Herzens Gottes empfangen. Zeit nehmen.

-         Regierung: Bundeskanzler Schröder, einzelne Minister

-         Opposition (Zusammenarbeit, Kanzlerkandidat)

-         Die verschiedenen Reformen (sozial zulässige Belastungen)

-         Würde des Kandidaten für den Bundespräsidenten von Gott her. Bewahrung vor Verschleiß

-         Ost – West: Buße auf beiden Seiten für gegenseitige Ablehnung; Bitte um Vergebung der Westler bei den Ostdeutschen für alle Arroganz und Ausbeutung; Segnung des jeweils anderen Teils von Deutschland und seiner Menschen

-         Bitte um Gottes Segen und Geleit auf dem schwierigen Weg der Einigung Europas

-         Bitte um eine hilfreiche Rolle Deutschlands

-         Bitte um einen erkennbaren Gottesbezug in der Verfassung

-         Kein Europa mit zweierlei Geschwindigkeiten.

 

Bitte, ihr Leiter, betet wieder treuer für Eure Gruppe; ihr Regionalkoordinatoren für eure Koordinatoren; und wir wollen für Euch beten, Gabi und ich. – Und betet auch treu in umgekehrter Richtung, betet für Eure Leiter wieder treuer. Wir haben einander so nötig! Zusammen sind wir stark. Durch unseren Herrn, Jesus Christus. ER ist der Sieger über Deutschland!

 

Ortwin Schweitzer

 

 

Erlachstr. 45

70771 Leinfelden-Echterdingen

Tel: 0711-793882

Fax: 0711-7979915

Mail: ortwin.schweitzer@t.online.de

Homepage: www.beter.im.aufbruch.de.vu