DIE POLITISCHE SEITE

Oktober 2003

 

Brennpunkte für das Gebet

Im Oktober und November ändere ich den Stil der Politischen Seite. Es wird nicht ein Einzelthema entfaltet wie sonst, sondern es werden in Stichworten 12 Bereiche des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland beleuchtet d.h. in das Scheinwerferlicht Gottes gestellt. Es wird dabei das Widergöttliche an diesen Stellen offenbar, dann aber auch, wie Gott sich die Gestaltung dieser Lebensgebiete vorstellt und wie er Menschen durch seinen Geist verwandelt, die in diesen Gebieten arbeiten.

John Mulinde nennt solche ‚Gesellschaftlichen Brennpunkte’ „Tore“, die es zu besetzen gilt mit Wächtern d.h. mit Betern. Ausdrücklich weist er aber darauf hin – und ich möchte das sehr unterstreichen – dass so wie jeder Wächter seine Position hat, wohl auch jeder Beter spürt, wofür er besonders vor Gott einstehen soll. Es ist wohl unmöglich, an einem Abend oder gar in einer Stunde alle angesprochenen Punkte durch zu beten. Darum darf man sich zeigen lassen, an welchem Tor man „Wache schieben“ soll.

Wer aber mehr als die eine Stunde seines Dienstes Zeit hat, kann natürlich weiter gehen und die Wächter an anderen Stellen unterstützen.

Es gibt mehr als diese 12 Bereiche für die man beten müsste. Aber ich glaube, für den Anfang reicht’s: Im Oktober- und November-Brief je 6 Bereiche.

Die 12 Bereiche (Übersicht)

I.

 

  1.  Der einzelne Bürger
  2.  Die deutsche Gesellschaft
  3.  Die Kirchen

 

II.

 

  1.  Die Politik
  2.  Wirtschaft und Banken
  3.  Das Rechtswesen

 

III.

 

  1.  Die Schöpfung
  2.  Ehe und Familie
  3.  Bildung und Erziehung
  4.  Das Gesundheitswesen

 

IV.

 

  1.  Die Medien
  2.  Die Kunst

 

1. Der einzelne Bürger

 

Problemverhalten:

Jeder ist sich selbst der Nächste.

Dem Privatleben  frönen.

Den eigenen Vorteil suchen.

Vergnügen, Spaß, Genuss.

Hoher Lebensstandard. Ansprüche an den Staat.

 

Gottes Wesen:

Der für die Welt gekreuzigte Gott.

 

Gottes Wort:

Jesus, als er in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht fest wie einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz (Phil 2,6-8).

 

Gottes Wille:

Verantwortung für das Ganze sehen.

Balance zwischen Privat und Öffentlichkeit.

Christen als Trendsetter zu Gutem.

Bereitschaft zum Leiden und Lastentragen für andere.

Freude am Leben, Freude, die von Herzen kommt, nicht abhängt von Äußerem.

 

Gebetsthemen:

Bereitschaft zur Mitarbeit und Verantwortung.

Bereitschaft zur Einschränkung und Verzicht, da wir bisher über unserer Verhältnisse gelebt haben. Bereitschaft einschneidende Reformen mit zu tragen.

Bereitschaft zum Teilen mit Bedürftigen.

Bereitschaft zum Mitdenken und politischer Verantwortung.

 

2. Gesellschaft in Deutschland

 

Problemverhalten:

Schein statt Sein

Kulturideale: jung, gesund, dynamisch, gut aussehend, erfolgreich, sexy.

Leben auf öffentlichen Pump.

Spaßgesellschaft, Konsumgesellschaft, Hektik bei der Arbeit und Trubel in der Freizeit.

 

Gottes Wesen:

Gott ist unser Vater!

 

Gottes Wort:

Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an (1 Sam 16,7).

 

Gottes Wille:

Substanz.  Echtheit der Person. Sein statt Schein.

Qualität der Produkte.

Verantwortung. Väterlichkeit.

Sparsamkeit. Konsum mit Augenmaß.

Väter als Vorbilder. Glaubhafte Leiterschaft.

 

Gebetsthemen:

Vaterschaft für unser Land.

Wege zum Sein, zur Identität, zum eigenen Herzen, zur Wahrheit, zur Mitte.

Mut zur Stille, zum Innehalten.

Heimkehr zum Vaterherzen Gottes.


3. Die Kirchen

 

Problemverhalten:

Rechthaberei, Spaltungen, Leiterdünkel.

Unglaube. Zweifel an der Schrift. Kraftlosigkeit.

Kompromisse mit dem Zeitgeist in Theologie und Ethik.

Keine Erwartung mehr, weder auf Wunder, noch auf die Wiederkunft.

Eingerichtet in der Welt. Institutionalisierung.

 

Gottes Wesen:

Heiligkeit. Er ruft ein heiliges Volk heraus = Ekklesia.

Kyriake (Kirche) = die dem Herrn Gehörende.

 

Gottes Wort:

Ihr aber seid das auserwählte Volk...(1 Petr 2,9).

Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt (Mt 5,13 f).

...auf dass sie alle eins seien (Joh 17,21).

 

Gottes Wille:

Die Ekklesia / Kyriake als Ort der Offenbarungen Gottes in der Welt.

Leben im Geist, nicht im Fleisch

Glaube, der Gott alles zutraut. Wunder erwartet.

Liebe. Diakonie. Leidensbereitschaft. Hingabe von allem. Gehorsam auch im Kleinen. Raum für die Spontaneität des Geistes.

Hoffnung auf die Wiederkunft.

Einheit: „Im Notwendigen EINHEIT. Im Zweifelsfalle FREIHEIT. In allem aber die LIEBE“ (alter Spruch).

 

Gebetsthemen:

Gottes Heiligkeit in der Kirche.

Die Bibel als Maßstab (falsches Denken ® falsches Handeln)

Ende der Anpassung an Zeitgeist, Menschenweisheit, Esoterik etc.

Unterscheidung von  rein und  unrein, heilig und unheilig.

Einheit im Kleinen und im Großen.

 

4. Die Politik

 

Problemverhalten:

Macht. Machterhalt um jeden Preis (Auf Kosten von Gesundheit, Gewissen, Familie).

Macht, Einfluss, Ehre als „Droge“ des Ego, Ehr-geiz.

Unsicherheit kaschieren mit starken Sprüchen vor der Öffentlichkeit  und vor den Höhergestellten.

Notwendigkeit von vielen Medienauftritten.

Dem Gegenüber jeweils nach dem Mund reden („politisch“).

Intrigen, Taktieren, Parteiengezänk.

Parteizwang.

Beziehungen zu Menschen nach Nutzen  oder Nachteil und politischer Zugehörigkeit.

Vernachlässigung der Schwachen ohne Lobby.

 

Gottes Wesen:

Christus ist der Herr der Welt……

...über alles was einen Namen hat im Himmel und auf Erden ist (Eph 1,21).

 

Gottes Wort:

Die Obrigkeit ist Gottes Dienerin dem Volk zum Guten (Römer 13,4). Sie führt das Schwert.

Mit welcherlei Maß ihr messt, wird euch gemessen (Mt 7,2).

 

Gottes Wille:

Gebrauch der Macht als Dienst zum Guten. Immer neue Unterstellung unter Gott als sein Diener (Minister = Diener).

Mensch vor Macht. Den politischen Gegner nicht als Feind betrachten.

Beziehungen pflegen (Familie, Freunde, auch zu Gegnern).

Schonender Umgang miteinander als Gegner. Suche des Gemeinsamen zum Wohl aller.

Verstehender Umgang mit Schwächen, den eigenen und denen der anderen.

Hilfreicher Umgang mit Schwachen – im Land; global.

 

Gebetsthemen:

Für alle Diener/Minister in öffentlicher Verantwortung („in der Verantwortung vor Gott und Menschen“ – Grundgesetz)

Für gesunde Beziehungen (besonders in den Familien).

Für Weisheit in den langfristigen Entscheidungen.

Umgang von Regierung und Opposition miteinander.

 

5. Wirtschaft

Börsen – Banken – Betriebe

 

Problemverhalten:

Mammon: Geld. Gewinne. Renditen. Rentabilität.

Geld regiert die Welt. Wirtschaft und Politik.

Menschen werden ausgebeutet. Arbeitssklaverei.

Betrug. Steuerhinterziehung. Bestechung. Wirtschaftskriminalität.

Arbeit und Sinn des Lebens. Identität durch die außerfamiliäre Arbeit.

Arbeitslosigkeit. Resignation. Selbstwertverlust.

Je größer der Reichtum, desto leerer die Herzen („Schickeria“)

Unfähigkeit, fröhlich zu spenden. Angst vor Armut.

Mangel an Vertrauen zur Regierung und ihrer Politik.

 

Gottes Wesen:

Jahwe Jireh, der Versorger.

Gott segnet gerne deiner Hände Arbeit (5. Mose 28,5 ff).

 

Gottes Wort:

Wenn der Herr nicht das Haus baut, so bauen umsonst, die daran bauen (Psalm 127,1).

„An Gottes Segen ist alles gelegen.“

 

Gottes Wille:

Arbeit und Gewinn der Arbeit als Segen von Gott. Dank!

Freude am  Einsatz. Unternehmergeist.

Arbeit als Gottes-Dienst, getragen vom Gebet.

Mensch, nicht Mammon als Betriebsphilosophie. Die Mitarbeiter als größtes Kapital.

Beteiligung der Mitarbeiter am Betriebskapital. Vertrauen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern.

Motivation durch Vision und Provision.

Bereitschaft zum Teilen. Spendenfreudigkeit.

 

Gebetsthemen:

 

Freiwerden von der Sklaverei des Mammon.

Neue Freude an der Arbeit.

Reform der Steuer- und Sozialgesetzgebung in der Bundesrepublik.

Neues Vertrauen in die Politik.

Gegen Steuerbetrug und Schwarzarbeit.

Not des Mittelstandes.

Gewerkschaften.

 

6. Rechtswesen

Justiz – Polizei – Strafvollzug

 

Problemverhalten:

Alles ist irgendwie begründbar (Justiz, Hinbiegen des Rechts).

Zynismus. Menschenverachtung (Polizei, Staatsanwälte, Strafverfolgung) über so viel Schlechtigkeit.

Gesetzgebungsverfahren oft  nur als Kuhhandel zwischen den Interessengruppen/Parteien.

Kleinkriminalität als Sport oder Kavaliersdelikt.

 

Gottes Wesen:

Gott ist Richter. Er liebt Gerechtigkeit.

Das Jüngste Gericht kommt und offenbart alle Ungerechtigkeit.

Gott hasst die Sünde, aber liebt den Sünder.

 

Gottes Wort:

Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben (Spr. 14,34).

Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt (Joh 1,29).

 

Gottes Wille:

Gerechtigkeit unter dem Einen Gerechten Richter.

Bestechlichkeit durch nichts.

Augenmaß, Menschenkenntnis, Gesunder Menschenverstand und nötige Härte für Justiz, Polizei und Strafvollzug in der Anwendung der Gesetze.

 

 

Gebetsthemen:

Dank für unser Rechtswesen (Justiz, Polizei, Strafvollzug).

Schutz für Leib und Seele der dort Tätigen (kriminelle Angriffe; Zynismus; geistliche Angriffe).

Rückgang der Schwer- und Kleinkriminalität in Deutschland.

Rechtzeitige Aufdeckung aller terroristischer Aktivitäten.

Für die Gefährdeten, vor allem unter Jugendlichen und Randgruppen.

 

Geistliche Hintergründe

 

Es ist interessant, wie sich die Probleme in den einzelnen Gebieten auf immer wiederkehrende, gemeinsame Grundlinien zurückführen lassen.

Es sind die Grundlinien der Sünde und die der Gnade.

 

1. Egoismus als Grundzug menschlichen Handelns. Jeder ist sich selbst der Nächste – ich habe recht:

Parteiungen in Kirche und Parteien, – Machterhalt etc.

Dem gegenüber sehen Gott und die Menschen, die sich von ihm formen lassen, immer das Ganze.

 

2. Der Mensch will alles alleine schaffen, selber machen, er malocht sich zu Tode (Herzinfarkt) – um sich den Erfolg nachher auch selber zuschreiben zu können.

Gott hat den Auftrag zur Arbeit dem Menschen gegeben, dass er die Erde bebaue und bewahre. Er darf arbeiten. Und Gott gibt in seine Arbeit Segen, Sinn und Gewinn, wenn der Mensch Gott darum bittet und ihm dafür dankt.

 

3. Wertvoll bei den Menschen ist Vernunft, Wissenschaft, Technik, humanistische Bildung, Kunst und Leistung.

Wertvoll bei Gott ist Liebe von ganzem Herzen für Gott und für die Mitmenschen.

 

4. Unter den Menschen ist immer Wettbewerb (ob in Wirtschaft oder Politik, Forschung oder Kunst), bis hin zum Tod, dem eigenen oder dem des Konkurrenten. Motive sind Eitelkeit und Ehrsucht.

Gott will Menschen, die demütig sind vor IHM und mit anderen offen zusammen arbeiten, um für alle ein besseres Ganzes zu erarbeiten nach seinem Willen.

 

5. Macht wird ausgeübt von Menschen über Menschen durch Gewaltmittel oder durch Geld, durch Wissen, Jugendlichkeit oder Medien, meist um Schwächere nieder zu halten und die eigene Position zu stärken.

Gott verdammt nicht die Macht an sich, sondern er gibt Macht in der Menschen Hand als Möglichkeit, Veränderungen bei Irrwegen herzustellen und die Förderung der weniger Bevorzugten zu bewirken.

 

6. Der Mensch stellt sich immer wieder hin vor Gott wie Goethes „Prometheus“ und schleudert ihm Fluch und Verachtung entgegen.

Dem gegenüber steht Jesus als Gottes Sohn, der in vollkommener und freiwilliger Abhängigkeit von Gott sagt: „Ich kann nur tun, was ich den Vater tun sehe.“

 

Gott will, dass es den Menschen, dass es unserem Land gut geht. Voraussetzung ist, dass Menschen auf ihn achten und sein Wort hören. Dann geschieht Veränderung der Menschen und des Landes. Darum lasst uns beten und selber immer wieder hineingehen in die Veränderung unseres Wesens durch den Heiligen Geist. Dies ist die Chance des guten Wirkens Gottes in dieser Welt zu landen und wirksam zu werden.

Ortwin Schweitzer