Die Politische Seite

 

Januar 2003

 

 

Beten, bellen, Briefe schreiben

 

 

Mit der heutigen „Politischen Seite“ fordere ich Sie, liebe Beter, heraus.

Unser politisches Beten geht nun in das 4. Jahr. Viele haben in dieser Zeit ein wacheres Auge für gesellschaftliche und politische Vorgänge entwickelt und vor allem die Erfahrung gemacht, dass Beten Bollwerke bewegt. Politisch beten macht wach für die Abläufe in der Welt und für die Vorläufe im Himmel. So waren die letzten drei Jahre ein gesegnetes Training im relevanten, effektiven Beten. Die Gebetserhörungen reichten von der abgewehrten Maul- und Klauenseuche bis zum In-Gang-Kommen der Frage der deutschen Identität.

Manchmal sollten wir länger noch an einer Sache bleiben und nicht jeden Monat ein neues Problemfeld eröffnen. So sollte unbedingt noch weitere Monate gebetet werden

-         für die Ausarbeitung der europäischen Verfassung und ihr christlich-abendländisches Profil;

-         für Schutz und Effektivität der Anti-Terror-Geheimdienste; es wird viel mehr ohne öffentliche Bekanntgabe entdeckt, als man denkt: die Terrorwarnungen sind in keiner Weise aus der Luft gegriffen;

-         für eine viel restriktivere Islampolitik

:  im Schulwesen (islamischer Religionsunterricht)

:  im Bauwesen (Genehmigung von immer mehr Moscheen)

:  in der EU-Politik (Aufnahme der Türkei)

 

Dies sind drei Großanliegen, wo Durchbruch nur durch Kontinuität erreichbar ist. Lasst uns auch dieses Mal dranbleiben!

 

 

Ich möchte an dieser Schwelle in unser 4. Jahr „Wächtergebet“ aber noch auf etwas anderes hinweisen, gleichsam einen Schritt weitergehen.

Ich möchte, dass wir Beter lernen, aufmerksam zu werden auf Impulse des Geistes Gottes im Gebet, die es danach umzusetzen gilt. Wenn wir sagen: Gott lenkt die Geschichte und die Geschicke  - dann müssen wir auch damit rechnen, dass Gott sich dazu äußert. Dies tut er wohl in die Herzen der Beter, weil hier der Draht am kürzesten ist. Nur sind viele Beter nicht darauf gefasst und legen deshalb „den Gedanken“ wieder zur Seite, dass sie etwas tun sollten  und sagen sich: „Was soll ich kleines Würstchen schon eine Weisung bekommen für den ....“. Was soll Gott dann machen ? Er muss sich jemand anderen für die Botschaft suchen. Schade!

 

 

Natürlich ist nicht jeder Gebetseindruck gleich eine Botschaft für den Bundeskanzler. Der Beter muss prüfen, andere sollen es mit bedenken und prüfen. Aber es gibt mit Sicherheit Botschaften im Volk Gottes, die die Weisheit und Antwort Gottes für bestimmte politische Probleme enthalten, entweder direkt oder als Bild, die die Verantwortlichen brauchten. Sie sind oft so ratlos.

Auch sind die Verantwortungsträger oft sehr einsam und von Kritik geprügelt wie Hunde, obwohl sie ihr Bestes geben. Botschaften Gottes aus dem Gebet heraus können in diesem Fall sehr wohl den Charakter des Trostes, des Zuspruchs, der Ermutigung haben.

In anderen Fällen kommt aus dem Gebet der dringliche Impuls, verbunden mit einem Mut  ohne Menschenfurcht, einen flammenden Protest zu formulieren evt. verbunden mit einer Unterschriftenaktion.

Wichtig ist dabei der richtige Ton. Das ist nicht einfach. Aber mit Hilfe von Freunden gelingt es meist, einen erst mal hingeschriebenen Entwurf in die richtige sprachliche Form zu bringen. Wer will, kann auch mir den Entwurf noch zu mailen. Sofern ich Zeit habe, bin ich als ehemaliger Deutschlehrer gerne behilflich.

 

 

Nur  - ....... rührt Euch!

 

Folgendes ist wichtig:

Die Gedanken müssen klar sein. Die Sätze nicht zu lang. Die Sprache nicht innergemeindlich, sondern für Außenstehende nachvollziehbar. Gewöhnlich ist auch bei Betroffenheit Sachlichkeit besser als Emotionalität – aber nicht immer. Keine bösen Unterstellungen, möglichst gute Absichten unterstellen. Persönlich, aber nicht plump-vertraulich z. B. bei Ermutigungsschreiben. Das Christliche darf durchaus rauskommen – sei es als Standpunkt oder als Zeugnis, nie aber als Belehrung. Die Informationen müssen stimmen und nachprüfbar sein. Die Länge des Schreibens sollte 1 1/2 Seiten nicht überschreiten.

 

 

Im zweiten Teil des Artikels folgen drei Beispiele für gelungene Versuche, die sich in letzter Zeit an der entsprechenden Stelle zu Wort gemeldet haben. Das 1. Schreiben ist ein Ermutigungsschreiben, das 2. ein Ermahnungsschreiben, das 3. ein Protestschreiben.

 

-         Brief an Ministerin Ulla Schmidt

-         Brief an den Deutschen Werberat

-         Brief an die Vorsitzende der CDU -  Frau Angela Merkel

 

 

Wie wir beten können

 

Die eingangs genannten Themen

-         Europa

-         Anti-Terror

-         Islampolitik

können gut in Unterthemen evt. mit lokaler Aktualisierung unterteilt werden. Immer kommt es darauf an, das wir nicht Menschen angreifen oder verurteilen, sondern geistige Strömungen umdirigieren. Wenn wir kämpfen, dann gegen die, die hinter den Trends und Tendenzen stehen. „Und nun, liebe Brüder, ziehet an die ganze Waffenrüstung Gottes“, so Paulus in Eph 6, 10 ff.

 

Dann ist weiterhin viel Gebet nötig hinein in diese seltsame gegenwärtige Verwirrung der Regierung und des Bundesrates. Vom prophetischen Bild von der Politischen Seite vom Dezember her, hat Gott eine Annäherung von Bund und Ländern vor. Anzeichen dafür sind unzweifelhaft schon vorhanden (Gespräch Clement – Merz; Mini-Job – Regelung). Manche Kommentatoren meinen sogar, dass nur eine Große Koalition die großen Probleme des Landes noch lösen könne. Wir wissen es nicht. Lasst uns gemeinsam den Namen Jesu über all dem Chaos ausrufen und Klarheit Gottes herbeibeten und dann sehen, in welche Richtung der Herr die Dinge weiter entwickelt.

Als Personen brauchen der Kanzler und Ministerin Schmidt und Minister Clement besonders viel Gebet. Mögen sie lernen, in der Bedrängnis ihre Kraft bei Gott zu suchen. Gott redet zu ihnen.


 

An das Bundesministerium für

Gesundheit und Soziale Sicherung

z. Hd. Frau Bundesministerin Schmidt

Am Probsthof  78 a

53121 Bonn

27.11.2002

 

 

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Schmidt,

 

wir beglückwünschen Sie zu Ihrer Wiederernennung als Bundesministerin für Gesundheit und zu der Erweiterung  Ihres Aufgabenbereiches um den Bereich  Soziales.

 

Die Entwicklung im Gesundheitswesen ist eine Herausforderung an uns alle. Als CHRISTEN IM GESUNDHEITSWESEN glauben wir, dass wir auf der Suche nach Lösungen Gott um sein Eingreifen, um gute Berater und um Ideen – kurz – um seine Hilfe bitten dürfen. Wir haben uns aus diesem Grund gefreut, dass sie bei der Vereidigung als Bundesministerin die Eidesformel ergänzt haben um den Zusatz: „ So wahr mit Gott helfe“.

 

Im Laufe dieses Jahres haben wir eine Gebetskette für das Gesundheitswesen aufgebaut, die zur Zeit ca. 60 Beter umfasst. Im Rahmen dieser Gebetskette wird jeden Tag ungefähr 2 Stunden lang für Sie, Ihr Ministerium, für die Entscheidungen, die Sie treffen müssen und für das Gesundheitswesen allgemein gebetet. Wir möchten Sie dieses gern wissen lassen und Ihnen in dieser Form unsere Unterstützung zusagen.

 

Wir wünschen Ihnen Weisheit und Erkenntnis für gute Entscheidungen, Gesundheit und Kraft für Ihre Aufgaben und in allem Gottes Segen.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

 

 

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Ute Wiese                                                       Dr. Georg Schiffner

Verantwortliche für die Gebetskette                  1. Vorsitzender des Vereins

CHRISTEN IM GESUNDHEITSWESEN

 

 

 

CRISTEN IM GESUNDHEITSWESEN e. V. ist eine bundesweite konfessionsübergreifende Initiative von Mitarbeitern  unterschiedlicher  Berufsgruppen im Gesundheitswesen.

Nähere Informationen im Internet unter http://www.cig-online.de

 

 

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Tobias Anke

Haeckelstr. 1d

09117 Chemnitz

 

Deutscher Werberat                                                                        Chemnitz, den 11. 10. 02

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

ich schreibe Ihnen heute das erste Mal, weil ich schockiert und betroffen bin von der Art und Weise, wie die Werbelandschaft in Deutschland, insbesondere in meiner Stadt Chemnitz mehr und mehr geprägt ist durch sexuelle Zügellosigkeit, Schamlosigkeit und Verharmlosung von Gewalt.

Dabei meine ich speziell die neue Großflächen-Printwerbung an Plakatwänden und  Litfasssäulen, die seit ca. einer Woche „bestückt“ sind mit der Aktion der BILD-Zeitung: „Aus dem Bettkästchen geplaudert“, auf der (mit selbstverständlich nur fast) nackten Frauen in einer absolut freizügigen Pose mit einem ebenso freizügigen Kommentar sowie dem schon geschmacklosen Werbeslogan „Bild Dir Deine Meinung“ abgebildet sind.

 

Ich glaube, wir brauchen in der Gesellschaft und unserer Politik nicht von Verbesserung des Schutzes von Ehe und Familie reden, schon gar nicht von Versuchen, unsere Jugend von weiterem Moralverfall und erhöhter Gewaltbereitschaft wegzubekommen, wenn solch eine Werbekampagne als gesetzeskonform massenwirksam präsentiert werden darf. Unsern Kindern, Jugendlichen und uns selbst wird dabei ein sexuelles Fehlverhalten gepaart mit Tabulosigkeit und einer Zerstörung des Begriffes Treue (die ja Grundlage jeder Ehe sein sollte) als vollkommen „normal“ dargestellt und etwas vorgegaukelt, was doch wohl nicht allen Ernstes als Vorbildfunktion für unsere nachwachende Generation dienen kann. Der BILD-Zeitung ist es wahrscheinlich egal, was eine meist sowieso schon gestresste Mutter ihren Kindern erklären muss, wenn diese Sie nach dem Sinn solcher Plakate fragen, während sie gerade dran vorbeilaufen.

Noch schlimmer empfand ich und viele andere die Plakataktion der Kinoverleih-Firma United Int. Pictures (UIP) zum Film mit Ali G.. Das an Geschmacklosigkeit wohl nicht mehr zu übererbietende Poster trägt leider mit größter Wahrscheinlichkeit zu einer höheren sexuellen Gewaltbereitschaft gegenüber Mädchen und zu einem weiteren sittlichen Verfall besonders unter Teenagern bei, da diese ja auch die Hauptzielgruppe von Plakat und Film waren. – Es ist beschämend in einer Stadt zu wohnen, in der solche Unwerte auf großen Plakaten abgebildet werden.

 

Unterm Strich bleibt mir nur, Sie als führende Aufsicht bezüglich der sittlichen, moralischen und gesetzestreuen Prüfung von Werbeträgern zu bitten, eine schnelle Entfernung dieser Plakatwerbung der BILD-Zeitung zu veranlassen, um erst mal weiteren Schaden abzuwenden.

 

Ich kenne keinen Einzelnen von Ihnen und weiß nicht, ob Sie sich Gott gegenüber verantwortlich wissen. Zumindest aber bitte ich Sie in Ihrer Verantwortung, die Sie den Menschen in unserer Gesellschaft gegenüber haben, weitere solcher Werbeaktionen, die weder durch eine gewisse Uhrzeitbegrenzung (wie im Fernsehen) noch durch eine räumliche Begrenzung (wie in Sexshops) eingegrenzt sind, in Zukunft zu verbieten.

 

Ich weiß, dass dies bei dem heutigen enormen Druck durch die Werbeabteilungen mancher Großfirmen für Sie sehr schwer ist. Aber ich bitte Sie dennoch um ein entschiedenes „Nein“ gegenüber diesen schamlosen Werbeangeboten, die glauben, den Zeitgeist allein definieren zu dürfen.

Dabei wünsche ich Ihnen den nötigen Mut, die Kraft dieses umzusetzen und die Weitsicht im Blick auf unsere zukünftigen Generationen. -  Ich zähle auf Sie.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Tobias Anke, Meister SHK, 29 Jahre

 

P. S.: Alle diejenigen, die hier unterschrieben haben, fühlen sich meinen Aussagen verbunden und unterstützen dieses Schreiben zutiefst. Unter ihnen befinden sich Familienväter und

-mütter, Unternehmer und Angestellte, Studenten und Arbeitslose.....


 

Augsburg, 16. 10. 2002

Sehr geehrte Frau Merkel, sehr geehrter Herr Stoiber!

 

Mit großer Besorgnis stellen wir, die nachstehend unterzeichnenden Christen, fest, dass das Niveau der christlichen Werte in unserer deutschen Gesellschaft immer mehr herabgesetzt oder gar ganz aufgehoben wird. Dies findet überwiegend in den Bereichen Ehe, Familie, Kinder und Jugend statt. Man denke hierbei an die fast völlige Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs, an die Einführung des Lebenspartnerschaftsgesetzes und die weitgehende Gleichsetzung der „Homo-Ehe“ mit der Ehe, an die zunehmende Einschränkung der Erziehungsmöglichkeiten von Eltern und nicht zuletzt an das nicht eindeutige Nein gegenüber PID und Experimenten mit menschlichen Stammzellen.

 

Mit Verwunderung vernehmen wir aus Presse und Medien, dass sich beide Schwesterparteien, CDU und CSU – einst die Garanten einer Bewahrung christlicher Werte – aus wahltaktischen Überlegungen heraus liberalisieren wollen. Das Niveau christlicher Werte – so haben wir den Eindruck – soll also auch bei CDU/CSU reduziert werden, da man ja nicht als „verstaubt-konservativ“ gelten will. All diese Überlegungen scheinen nur ein Ziel zu verfolgen: Mehr Wählerstimmen einzufahren. Das ist nicht verboten, jedoch bitte nicht auf Kosten klarer christlicher Wertvorstellungen.

 

Es ist uns bewusst, dass eine große Volkspartei wie die CDU/CSU verschiedene Flügel hat und dass es keine leichte Aufgabe ist, diese zusammen zu halten. Aber es ist auch die Aufgabe von Parteiführern, Visionen vorzugeben, an denen sich die Abgeordneten der Fraktionen, die Parteimitglieder und Wähler orientieren können. „Visionen“ hieße für uns in diesem Fall, zu zeigen, wie das biblisch-christliche Lebensmodell in seinen Vorteilen und Stärken so aktualisiert werden kann, dass es auch für eine neue Generation von morgen, für eine kommende Gesellschaft politisch attraktiv  erscheint. Allmähliche Anpassung an eine heutige Gesellschaft bedeutet ja in sich schon, den Entwicklungen hinterher zu laufen. Das liegt in dem bedauernden Unterton  „konservativ“, wie ihn die Medien gebrauchen.

Wir wünschen Ihnen, wieder politische Trendsetter für dieses Land zu werden (und nicht 10 bis 20 Jahre nach den „anderen“ ethisch dasselbe zu sagen). Dies aber ist unseres Erachtens nur möglich, wenn Ihre Parteien das Bild einer Gesellschaft dem Volk vor Augen stellen, dem jeder beipflichten kann und sagt: Das ist der Staat, wie ich ihn mir auch wünschen würde! – Wir glauben, dass dieser Staat in seinem Wesen und seinen Werten sicht sehr weit von den Worten Jesu entfernt sein dürfte.

 

Wir als Unterzeichner möchten Sie bitten: Tragen Sie als derzeitige „Interimsopposition“ doch bitte Sorge dafür, dass die guten christlichen Werte in unserem Land erhalten bleiben und wieder voll zur Geltung kommen. Bedenken Sie, dass das „C“ in der Abkürzung Ihrer Parteinamen Sie zu solchem Tun autorisiert. Oder – um es christlich auszudrücken – Gott wird sich zu Ihnen stellen, wenn Sie sich offen zu IHM stellen. Für die Gründer-Väter Ihrer Parteien war das „C“ in ihren Parteinamen genau dieses Bekenntnis zu Gott im politischen Bereich. Haben Sie den Mut, in ihren Fußstapfen zu bleiben. Dies ist nie „konservativ“, sondern up-to-morrow, weil es seine politischen Zielpunkte letztlich gewinnt aus der Vision vom „Reich Gottes“ in dieser Welt.

 

Wir als Unterzeichner sind nicht CDU-Stammwähler, sondern Wähler verschiedener Parteien, denen aber gemeinsam ist, dass sie die guten Ordnungen Gottes gerne 1:1 umgesetzt sehen möchten in deutscher Tagespolitik. Wir glauben, dass es Christen in allen Parteien gibt, wenden uns aber an Sie, da uns der Name Ihrer Parteien die Hoffnung gibt, dass unser Anliegen von Ihnen am besten verstanden und politisch reflektiert umgesetzt werden kann.

 

Wir möchten Sie wissen lassen, dass wir für Sie und die ganze politische Entwicklung unseres Landes kontinuierlich beten. Wir sind Tausende, die rund um die Uhr im Stundentakt wechselnd „politisch beten“. (Das sog. „Wächtergebet“ ist eine bundesweite überkonfessionelle Gebetsbewegung, die seit Februar 2000 besteht. - Sie hat nichts mit dem „Wachtturm“ der Zeugen Jehovas zu tun.)

Wir erlauben uns, diesen Brief (ohne Unterschriften) den Abgeordneten Ihrer Fraktion zur Kenntnis zu bringen.

 

 Anton Merk und Martin Bewernik

(Überarbeiteter Entwurf)                                                                                 Ortwin Schweitzer