DIE POLITISCHE SEITE

Dezember 2003

 

 

A      Brennpunkte für das Gebet:

7. Schöpfung und 10. Gesundheit

 

Fortsetzung der Politischen Seite Oktober 2003, Einleitung siehe dort. Es wurden 12 „Tore“ aufgelistet. „Tore“ sind Problembereiche unseres Landes, die Gebet brauchen.

Es folgen im Januar Tor 8 und 9 und im Februar Tor 11 und 12. Zu viele Gebetsanliegen bewirken Gebetsverdrossenheit. Daher lieber weniger, damit die Anliegen auch wirklich durchgebetet werden können.

 

 

7. Die Schöpfung

 

Problemverhalten:

Die Schöpfung: nur Um-Welt, Kulisse für das menschliche Leben.

Alles nur bezogen auf das Ich des Menschen.

Schöpfung – missverstanden als Besitz zur Ausbeutung der Ressourcen.

Die Kreatur in des Menschen Hand (Tier, Pflanzen; Elemente [Wasser, Luft, Erde]; Landschaft).

Biotechnik als höchste Form der Beherrschung der Natur.

Genmanipulation ohne ethische Maßstäbe.

 

Gottes Wesen:

Ich glaube an Gott, den allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde (nicht nur Schöpfer des Menschen).

 

Gottes Wort:

Gott sah an alles, was er gemacht hatte – und siehe, es was sehr gut (1. Mose 1, 31).

 

Gottes Wille:

Achtung vor dem Leben. Geheimnis Gottes in der Schöpfung (Ps 19,1-5: Hiob 38 – 42,6).

Der Mensch: ein Geschöpf unter den anderen Geschöpfen.

Staunen, Ehrfurcht, Anbetung Gottes über den Werken der Natur (Rm 1,20).

Sensibilität im Umgang mit  den Mitgeschöpfen.

Schöpfung als Lehen und nicht Besitz (1. Mose 2,15).

Verantwortung für sie und Segnung der Mitgeschöpfe ist Gottes Auftrag an den Menschen.

Grenzen und Ethos der Forschung. Darf man alles machen, was man kann? (1. Mose 11,1-9 Turmbau zu Babel).

Die Erlösung in Christus gilt nicht nur dem Menschen, sondern der ganzen Schöpfung. Die Schöpfung atmet schon  jetzt auf im Bereich von erlösten Menschen (Rm 8, 19-22;

5. Mose 28,2-5).

 

Gebetsthemen:

Allgemeine Sensibilisierung für die Schöpfung.

Ökologie und/oder Ökonomie, Wirtschaft mit oder gegen die Natur.

Globale Zerstörung der Welt (Klimaveränderungen).

Unser Konsumverhalten („immer billiger“). Folge: die Tierhaltung  wird zur  „Produktion“. Tierquälerei.

Not der Landwirtschaft durch kontinentale Zusammenschlüsse. Neue Aufgaben der inländischen Landwirtschaft.

Gen-Forschung als Zukunftsbranche und als Ort der größten menschlichen Versuche und Versuchungen.

 

 

10. Das Gesundheitswesen

 

Problemverhalten:

Hauptsache gesund!

Gesundheit als Religionsersatz (Fitness, Wellness, “anti-aging Produkte“ u.a.).

Anthroposophische, esoterische, magische, fernöstliche Heilmethoden.

Angst vor der Vergänglichkeit, dem Altern, dem Tod.

Ungesunde Lebensweise (Essen, keine Bewegung, Rauchen, Alkohol, zu wenig Erholung oder Schlaf etc.)

Zunahme der Kultur- und Umweltkrankheiten (z.B. Allergien).

Psychische Krankheiten. Psychosomatische Leiden. Mangelhafte Verarbeitungsfähigkeit. Sinnleere des Lebens.

Der Mensch nur als „Fall“ oder als Objekt der Forschung.

 

Gottes Wesen:

Gott, der Schöpfer des menschlichen Lebens (1. Mose 1-2; Joh 1,1-3), aber auch der Erhalter des Lebens (Rm 11,36; Joh 1,16). Ich bin der Herr dein Arzt (Jahwe-rophe, 2. Mose 15,26).

 

Gottes Wort:

Und Jesus heilte sie alle (z.B. Lk 6,17-19).

Wisst ihr nicht, dass euer  Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist? (1. Kor 6,19).

 

Gottes Wille:

Ganzheitliche Lebensfreude.

Freude an Essen, Trinken, Genussmitteln und Sexualität (Ps 104,15; Spr 5,18).

Disziplin als Wirkung des Heiligen Geistes (Gal 5,23).

Feiern und Fasten, Freude und Verzicht im Gleichgewicht.

Achtung des Menschenlebens  von der Zeugung bis zum Sterben (auch angesichts der technischen Apparatemedizin).

Gott gibt Sinn und Ziel des Lebens, etwas zu sein „zum Lob seiner herrlichen Gnade“(Eph 1,6.12).

 

Gebetsthemen:

Dank für den Dienst aller im Gesundheitswesen.

Bitte für sie um Kraft, Zuwendung, Aufmerksamkeit.

Das richtige Maß an „Körperpflege“ im Volksbewusstsein.

Freude am Körper in Bewegung (Sport, Wandern, Joggen u. a.).

Lehre und Praxis vom Gebet für Kranke. Bitte um große Heilungen in Deutschland.

Weisheit für die überfällige Gesundheitsreform.

Annehmen des Todes. Hoffnung des Ewigen Lebens und dennoch Freude, hier zu leben und Leben zu gestalten..

 

 

B      Jüdischer Bolschewismus

Zu der Rede von Martin Hohmann

 

Die Äußerungen des Bundesabgeordneten Martin Hohmann am 3. Oktober haben zu seinem Ausschluss aus der Fraktion der CDU im Bundestag geführt. Er hatte die Frage gestellt, ob im Angesicht starker jüdischer Beteiligung an der russischen Oktoberrevolution die Juden nicht auch – wie die Deutschen in Bezug auf den Holocaust – als „Tätervolk“ bezeichnet werden könnten. Er verneint zum Schluss seiner Rede den Vorwurf für beide Völker.

Ist diese Parallelisierung historisch richtig? Was geschah im Oktober 1917 in Russland denn wirklich? Was sind die Fakten?

Prof. Dr. Michael Wolffsohn, ein ausgewiesener Spezialist auf dem Gebiet, selber Jude und Historiker, hielt darüber im Deutschland Radio Berlin am 11.11. 2003 um 21.33 Uhr folgenden Vortrag:

 

Jüdischer Bolschewismus?

Von Michael Wolffsohn[1]

Geisterstunde in Deutschland: 'Die Juden sind schuld' – am Bolschewismus. Über diese These wurde vor, während und nach Hitler diskutiert. Pausiert wurde kurz, und jetzt wird wieder diskutiert. Aufgeregt, aufgehetzt, aufgebracht, also landesüblich. Wie war es wirklich?

Natürlich gab es in der frühen kommunistischen Bewegung Osteuropas, besonders in Russland, relativ viele Juden. Warum auch nicht? Nichts hatten 'die Juden' dem russischen Zarenreich zu verdanken. Bis auf dies: fast ständige Verleumdung, Verfolgung, Vernichtung. Traurige Höhepunkte in der späten Zarenzeit waren die bluttriefenden Pogrome der Jahre 1881/82 und 1903. Im russischen Bürgertum der Liberalen schwiegen die meisten, manche weinten, fast alle taten nichts, keiner half wirklich. Was hätte daher 'die Juden' mit der russischen 'Bourgeoisie' und Aristokratie verbinden sollen? Nichts. Mit dem entstehenden 'Proletariat' aber gar manches. Vor allem der Wunschtraum, den Albtraum zaristischer Unterdrückung zu beenden.
Bedenkt man diese Tatsache, staunt man darüber, dass der Anteil russisch-jüdischer Sozialrevolutionäre, Sozialisten und Kommunisten bis 1917, dem Jahr der Bolschewistischen Revolution, nicht weit höher war.

Auch diese Tatsache kann man historisch erklären. Zwei Gründe sind hervorzuheben: Erstens wollten die meisten russischen Juden eine Bürgerliche Gesellschaft errichten und gleichberechtigte Bürger werden. Zweitens wollten und konnten die meisten – in der Regel sehr religiösen - mit dem militanten Atheismus der Sozialisten und erst recht der Kommunisten nichts anfangen. Als gotteslästerlich verwarfen, verdammten und verbannten sie ihn. Deshalb waren sozialistische und kommunistische Juden von der innerjüdischen Mehrheit geächtet. Auch das muss wissen, wer den Bolschewismus 'jüdisch' nennt.

Dennoch gab es namhafte jüdische Kommunisten vor der Oktoberrevolution und während des Umbruchs. Leo Trotzki ist sicher der bekannteste. Stalin ließ ihn später im mexikanischen Exil ermorden. Jeder Mord ist brutal, dieser war besonders brutal.
 

Womit wir mitten in der zweiten Phase der jüdisch-bolschewistischen Beziehungen wären. In der ersten liebte eine jüdische Minderheit den Kommunismus inniglich, glühend. Sie verglühten sich bald. Seit der Revolution verbrannte ein jüdischer Revolutionär nach dem anderen. Genauer: Einen nach dem anderen ließ Stalin seit 1923/24 ermorden.

Sein Vorgänger Lenin, ebenso wie Stalin wahrlich kein Jude, hatte unmittelbar nach der Machtergreifung, seit 1917, 'die Juden' als unsichere Kantonisten beobachten und systematisch als und weil Juden verfolgen lassen. Ihre Religiosität machte sie automatisch zu 'Feinden des Kommunismus'. Selbst sozialistischen Juden misstraute er. Sie fühlten sich, so Lenin und die meisten anderen frühkommunistischen Führer, zu 'jüdisch-national' und nicht genügend 'internationalistisch', sprich zuverlässig kommunistisch.

Den Zionismus, also die jüdische Nationalbewegung, verfolgten Lenin und Stalin brutal und blutig; auch den sozialistisch und kommunistisch orientierten Zionismus.

Zwischenfazit: Die bolschewistische Revolution fraß ihre jüdischen Mitväter und erst recht deren Kinder und Kindeskinder. Schlimm war das Schicksal der Juden in der Sowjetunion von Anfang an. Noch schlimmer wurde es 1939. Stalin hatte im August den Teufelspakt mit Hitler geschlossen. Eine Folge: Juden wurden Hitler-Deutschland sogar ausgeliefert, auch deutschjüdische Flüchtlinge, die dem NS-Terror entkommen waren und in der Sowjetunion Schutz suchten.

Als Hitler im Juni 1941 die Sowjetunion überfiel, entschieden sich die meisten Juden für das kleinere Übel: für Stalin, gegen Hitler. Ihr Motto: Besser unter Stalin schlecht leben und für die Sowjetunion kämpfen als von Hitler und seinen Mit-Verbrechern ermordet zu werden.

Der nächste Einschnitt kam 1944/45. Die Rote Armee siegte, und brachte bis 1948 Kommunisten an die Macht. Zum Beispiel in Polen, Litauen, Lettland, Estland, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Tschechoslowakei, DDR. Wie einst in Russland hatte sich in diesen Staaten eine jüdische Minderheit bereits vor und nach dem Ersten Weltkrieg für den Kommunismus entschieden. Nicht anders als in Russland bzw. der Sowjetunion wurde sie

von der religiösen und bürgerlichen Mehrheit der Juden geächtet. Das störte die jüdisch kommunistische Minderheit nicht. Sie verhalf dem Kommunismus zur Macht. Den jüdischen Kommunisten der kleineren osteuropäischen Staaten ging es nicht besser als ihren russisch-jüdischen Genossen nach 1917. 'Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen.' Die 'Roten' waren an der Macht, 'rote Juden' brauchten 'die Roten' nicht mehr. Verfolgt und auch ermordet wurden viele Juden im alt- und neu kommunistischen Machtbereich ab 1948 systematisch und heftig. Die jüdisch kommunistischen Veteranen verfügten nicht nur über die Bajonette der Roten Armee, sondern auch über eine eigene Hausmacht. Auch deshalb 'musste' Stalin sie 'liquidieren'. Höhepunkt der kommunistischen Verfolgungswelle gegen 'die Juden' Osteuropas waren die Jahre 1952/53. Stalin hatte kurz vor seinem Tod (5. März 1953) 'Judenlisten' anfertigen lassen. Fast alle Forscher sind sich darüber einig: 'Die Juden' sollten deportiert und dann liquidiert werden. In meinen eigenen Forschungen über die Judenpolitik der DDR habe ich (vgl. meine 'Deutschland-Akte', 1995) ähnliche 'Judenlisten' gefunden; im Jahre 1953 und 1967, nach Stalin also. Bis zum Ende der Breschnew- und Ulbricht-Honecker-Ära wurden Juden im Kommunismus verfolgt. Sieht so der 'jüdische Bolschewismus' aus? Wir verwerfen diese These und werfen sie weg: in den Mülleimer der Geschichte.

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Eine eindeutige und sachliche Antwort, deren Kompetenz unbestreitbar ist. Erleichtert atmet man auf und sagt: Jetzt weiß ich Bescheid. Diese Sachlichkeit der Klärung hätte unser Volk gebraucht. Antwort an Martin Hohmann also: „Tätervolk“ ist zum einen falsch in der Parallelisierung zum deutschen Volk, wo die meisten mitgejubelt haben „Heil Hitler!“, zum anderen falsch, weil sich das jüdische Volk in Russland als Volk bewusst aus dem Bolschewismus aus religiösen Gründen heraus gehalten hat und „die Täter“ isolierte (anders als in Deutschland). Trotz eindeutiger jüdischer Beteiligung von Tätern aus dem Volk der Juden sind die Juden dennoch in keiner Weise ein „Tätervolk“ in Bezug auf den Bolschewismus und seine Revolution.

Ortwin Schweitzer

 



[1] Michael Wolffsohn: Wurde 1947 in Tel Aviv als Sohn deutsch-jüdischer Emigranten geboren. Er kam als Siebenjähriger mit seiner Familie nach Deutschland. Nach dem Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Volkswirtschaft in Berlin, Tel Aviv und New York arbeitete er bis zu seiner Habilitation an der Universität in Saarbrücken. 1981 wurde er Professor für Neuere Geschichte an der Bundeswehrhochschule in München. Zu seinen Veröffentlichungen zählen 'Keine Angst vor Deutschland!', 'Die Deutschland-Akte - Tatsachen und Legenden in Ost und West' und 'Meine Juden - Eure Juden'.