DIE POLITISCHE SEITE

 - August 2003 -

 

 

Christen aller Konfessionen arbeiten zusammen,
um die Schöpfung zu bewahren

 

Vorbemerkung

Der Beitrag im Monat August stammt von Dr. Hans-Hermann Böhm, einem langjährigen Freund von Ortwin Schweitzer. Er ist der Umweltbeauftragte der Ev. Landeskirche in Württemberg. Aber sein Blick geht weit über Württemberg, ja, über Deutschland hinaus: Er war entscheidend beteiligt am Zusammenschluss der Umweltbeauftragten der Groß-Kirchen auf europäischer Ebene – sind doch die Umweltprobleme von kontinentaler, ja, globaler Dimension. Dennoch ist das Thema oftmals immer noch ein blinder Fleck bei den „Frommen“.

So ist dieser Beitrag eine Herausforderung zur Horizonterweiterung und zwar in verschiedener Hinsicht:

Gott öffne uns die Augen und das Herz zum Danken „in dieser schönen Sommerzeit“.

 

 

Christen aller Konfessionen arbeiten zusammen, um die Schöpfung zu bewahren

 

Europa wächst zusammen, auch in der kirchlichen Umweltarbeit. Sechzig Abgesandte aus anglikanischen, katholischen, orthodoxen und protestantischen Kirchen haben 1998 das Europäische Christliche Umweltnetzwerk (ECEN) gegründet.

Ziel des Netzwerkes ist es, die Schöpfungsverantwortung in den Kirchen zu stärken, Zusammenarbeit über nationale und konfessionelle Grenzen zu fördern und gemeinsame Initiativen auf europäischer Ebene zu ergreifen. Dabei soll die Stimme der Kirchen für eine nachhaltige Entwicklung in den Prozess der europäischen Integration eingebracht werden. In der Gründungserklärung wird theologisch begründet, warum sich Kirchen für die Zukunftsfähigkeit der Erde einsetzen. Neben der theologischen Reflexion  sollen auch zeitgemäße Formen des Gottesdienstes und der ethischen Antwort entwickelt werden. Insbesondere wird  eingeladen, in Europas Kirchen eine „Schöpfungszeit“ zu feiern. Dazu wird Material angeboten.

 

Die Mitglieder des Netzwerkes arbeiten in mehreren Arbeitsgruppen zusammen u.a.: Klimawandel und Mobilität, Schöpfungszeit,  Umweltmanagement, Bildung,  Wasser.

 

Bei der Vollversammlung in Weißrussland befassten sich die 100 Abgesandten mit den Folgen der Katastrophe von  Tschernobyl und formulierten den Aufruf „Ein neues Energiezeitalter muss jetzt beginnen“. Darin werden die Kirchen gebeten, sich für Energieeinsparung und die Nutzung erneuerbarer Energien einzusetzen. Alle Christen sind zu einem energiesparenden Lebensstil aufgerufen. Das betrifft vor allem den Autoverkehr, der die Kohlendioxidemissionen steigen lässt.

 

In Volos/Griechenland  standen 2003 die Fragen einer nachhaltigen Entwicklung und der Umgang mit dem Element Wasser im Vordergrund. Griechische Fachleute zeigten, wie im Süden Trinkwasser knapp wird, wie in vielen Inseln Salzwasser in den Süßwasservorrat eindringt und der Tourismus mächtig dazu beiträgt.

 

Informationen zum Netzwerk im Internet: http://www.ecen.org/

 

 

Ein Tag des Gebetes für die Schöpfung am 1. September

 

 In seiner Arbeit an Schöpfungstexten hat der Heidelberger Alttestamentler Claus Westermann entdeckt, dass deren Verfasser vielfältig und vielstimmig Gott, den Schöpfer, loben und ihn bekennen wollten. Westermann war es ein Anliegen, diesem Lob des Schöpfers im Kirchenjahr Raum zu geben.

 

In der Tat fällt auf, dass das Bekenntnis zum Schöpfer von keinem Fest im Kirchenjahr zum direkten Gegenstand der Besinnung und des Feierns gemacht wird. Im ersten Glaubensartikel bekennen wir: „Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde“. Wo wird dieses Bekenntnis in den Kirchen regelmäßig gefeiert und vergegenwärtigt?

 

Der ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Dimitrius I., hat den 1. September, den Beginn des orthodoxen Kirchenjahres zum Umweltschutztag erklärt. In seiner Botschaft zum 1. September 1989 heißt es: „Der ökumenische Thron der Orthodoxen Kirche... nimmt mit Bestürzung zur Kenntnis, wie rücksichtslos und unbarmherzig heute die natürliche Umwelt durch Menschenhände zerstört wird und welch höchst gefährliche Folgen dies für das Überleben der von Gott geschaffenen Welt hat. Angesichts einer solchen Situation darf die Kirche Christi nicht gleichgültig bleiben. ....

 

Mit dieser Botschaft fordern wir die ganze orthodoxe und christliche Welt auf, jedes Jahr am 1. September in Gemeinschaft mit der Heiligen Mutter Kirche, der großen Kirche Christi, zum Schöpfer der Welt zu beten: Mit Dankgebeten für die große Gabe der geschaffenen Welt und mit Bittgebeten für ihren Schutz und ihre Erlösung.“

 

Die 2. Europäische Ökumenische Versammlung hat 1997 in Graz aufgerufen, die „Bewahrung der Schöpfung als Teil des kirchlichen Lebens zu betrachten und zu fördern und dazu als Beispiel einen ‚Tag der Schöpfung’ einzuführen“.

 

Die Württembergische Evangelische Landessynode hat 1999 beschlossen: „In der Landeskirche wird ein in den Gemeinden jährlich zu gestaltender „Tag der Schöpfung“ eingeführt. Dieser Tag soll an die Geschöpflichkeit als Grunddimension des Lebens erinnern, zum Staunen und zur Dankbarkeit für die Schöpfung anleiten und insbesondere die Verantwortung für die Schöpfung bewusst machen. Dabei soll die trinitarische Dimension dieses Tages entfaltet werden:

Gott, der Vater, hat alles erschaffen.

Gott, der Sohn, ist zur Erlösung für die Schöpfung gekommen.

Gott im Heiligen Geist hilft zum rechten Umgang mit der Schöpfung.“

 

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) hat im September 2002 in Genf empfohlen: „ Der Zentralausschuss bittet die Kirchen eindringlich, den 1. September eines jeden Jahres als Tag des Gebetes für Schöpfung und Nachhaltigkeit zu begehen.“

 

Es ist jetzt an der Zeit, im Ablauf des Kirchenjahres für einen Tag der Schöpfung einen festen Platz zu schaffen. Dieses Fest  ließe sich wunderbar in ökumenischer Gemeinschaft feiern. Dabei  können die  Worte der Bibel neu gehört werden. Die Menschen haben die Chance, Augen, Ohren und alle Sinne für Gottes Schöpfung zu öffnen und so den Geheimnissen des Lebens neu auf die Spur zu kommen.

Dieser Tag soll zuerst ein Fest der Freude, des Wahrnehmens und des Staunens und vielleicht auch der Klage sein. Denn nur was man wahrnimmt und kennt, bewahrt man. Der ethische Appell und die Aktion stehen erst an 2. und 3. Stelle. Insofern unterscheidet sich dieses Fest deutlich von einer Reihe von Natur- und Umweltgedenktagen, etwa dem Tierschutztag.

 

Für Gemeindearbeit, Hauskreise und  Gottesdienst gibt es Bausteine und liturgische Vorschläge, zum Beispiel von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg (Internet: http://www.gemeindedienst.de/umwelt), Theologische Studien und dann Umweltbeauftragter anklicken, dort unter Schwerpunkt „Tag der Schöpfung“).  Das  Material für 2003  hat das Thema  „Sonne, Mond und Sterne“.

Eine große Überraschung war 2002 ein ausgeschriebener Wettbewerb für neue Schöpfungslieder. Es kamen innerhalb kurzer Zeit 180 Lied- und Textvorschläge zusammen. Dies zeigt ein großes Potential an Kreativität und Bereitschaft, das Lob des Schöpfers und seiner Schöpfung zu singen und damit in die „Symphonie“ der ganzen Schöpfung einzustimmen.

Weitere liturgische  Vorschläge werden gesucht und es wird herzlich eingeladen, gemeinsam am Ersten September den Schöpfer zu ehren und fröhlich seine Schöpfung zu feiern.

 

 

 Wie wir beten können:

 

1. Dank für viele Gemeinden, die mit Energiesparen begonnen haben und die z. B.

Solaranlagen installiert haben. Damit schützen sie das Klima.

2. Dank für Richtlinien der Europäischen Kommission, die helfen, die Natur zu schützen, etwa

die Fauna-Flora-Habitat-(FFH)  oder die Vogelschutz-Richtlinie.

3. Bitte, dass das gut entwickelte Umweltbewusstsein in Deutschland auch in einem entsprechenden

Lebensstil umgesetzt wird. Es wird viel zu viel unbedacht Auto gefahren und es werden zu wenig die Angebote der öffentlichen Verkehrsmittel genutzt. Bittet, dass sich unser Glaube umsetzt, auch in diesem Lebensgebiet, dass wir die Erde „bebauen und bewahren“ sollen.

4. Bitte, dass der Urlaub jetzt genutzt wird, Gottes Schönheiten zu entdecken, darüber den

Schöpfer zu loben und auch sich selbst als ein Geschöpf unter Geschöpfen wahrzunehmen.

Fernreisen sind dazu nicht nötig, im Gegenteil „denn sieh, das Gute liegt so nah!“ Außerdem verursachen weite Reisen weitere Kohlendioxidemmissionen und belasten das Klima.

In sensiblen Gebieten zerstört der Tourismus mit der Zeit oft genau das, was die Touristen eigentlich suchen.

In diesem Sinne: „Schönen Urlaub unter Gottes Segen!“

 

 

Dr. Hans-Hermann Böhm


Der Umweltbeauftragte der Evang. Landeskirche in Württemberg
Gymnasiumstr. 36, D - 70174 Stuttgart; T: 0711 / 2068-0;  E-mail: dr.boehm@elk-wue.de